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03. Januar 2016

Polizei Frankfurt: Die Polizei twittert

 Von 
Polizei-Oberkommissar (POK) Dennis Seeger betreut bei der Polizei in Frankfurt die Accounts für Twitter und Facebook.  Foto: peter-juelich.com

Seit knapp zwei Jahren ist die Frankfurter Polizei auf Twitter und Facebook aktiv. Pro Tag ist auf 60 bis 100 Kommentare und Hinweise zu reagieren.

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Nein, sagt Dennis Seeger, es gehe ihm nicht in erster Linie darum, besser zu sein als die Kollegen in Stuttgart, in München oder Berlin. Das sei ja kein Wettbewerb. Aber natürlich freue es ihn, wenn er Lob bekomme, neue Abonnenten gewinne und seine Reichweite steigern könne. Deshalb arbeite er auch von zu Hause manchmal noch ein paar Anfragen ab, selbst wenn er eigentlich schon im Feierabend sei: „Da hängt schon viel eigenes Herzblut mit dran.“

Dennis Seeger, 34, Oberkommissar, kariertes Hemd statt Uniform, gehört einer neuen Sorte von Polizisten an. Gemeinsam mit seinem Kollegen André Karsten betreut er die seit Anfang vergangenen Jahres gestarteten Social-Media-Kanäle der Frankfurter Polizei. Fast 26 000 User haben mittlerweile die Seite der Polizei auf Facebook abonniert, mehr als 38 000 Menschen folgen „@Polizei_Ffm“ auf Twitter – und bekommen täglich Verkehrshinweise, Zeugenaufrufe oder Livemitteilungen zu Demonstrationen und Fußballspielen. Im Grunde, sagt Seeger, seien soziale Medien nur „ein neues Werkzeug in unserem Werkzeugkasten“, es gehe darum, die Menschen zeitgemäß zu erreichen. Seegers Jobbezeichnung spiegelt diese Vorstellung wider: „Pressesprecher soziale Medien“.

Und doch geht es für die Polizei um mehr, letztlich um nicht weniger als die Deutungshoheit bei politischen Großereignissen. Es ist kein Zufall, dass die Stuttgarter Polizei nach der rechtswidrigen Prügelorgie gegen Stuttgart-21-Gegner mit Twitter angefangen hat – und die Frankfurter nach dem PR-Desaster rund um den Blockupy-Kessel am 1. Juni 2013. Den Polizeipräsidien sei das Thema Social Media mehr oder weniger „aufgezwungen“ worden, sagt Seeger. Bei heiklen Einsätzen wie bei Blockupy sei im Netz von Aktivisten und Bürgern über das Vorgehen der Polizei gestritten worden, „wir konnten aber nicht mitreden“.

Aufwendige Schulung

Seitdem hat die Frankfurter Polizei einiges unternommen, um, wie Seeger das nennt, in den sozialen Netzen „sprechfähig“ zu werden. Er und sein Kollege wurden aufwendig geschult, ein Büro eingerichtet und eine Social-Media-Strategie entworfen. An einem normalen Tag beantworteten er und sein Kollege 60 bis 100 Kommentare und Hinweise, sagt Seeger, von banalen Fragen zu Verkehrsschildern bis hin zu Warnungen vor einem möglichen Suizidversuch – auf die dann sofort reagiert werden müsse.

Um dem lockeren Tonfall im Netz gerecht zu werden, twittert Seeger auch mit Smileys, antwortet selbstironisch auf Witzchen – oder springt auf Trends auf, etwa mit Kommentaren zum Youtube-Hit „Ich hab Polizei“ des Satirikers Jan Böhmermann.

„Dieses Bierernste möchten wir ein bisschen abstreifen“, sagt der Oberkommissar. „Das passt nicht zu sozialen Medien.“ Seeger und sein Kollege haben mit Erfolg eine eigene Social-Media-Sprache entwickelt, Twitter und Facebook verändern das Image der Polizei. Staatsmacht mit Augenzwinkern.

Nicht jedem gefällt das. Innerhalb des Präsidiums gebe es auch Kritiker seiner Arbeit, sagt Seeger. Er versuche dann zu erklären, dass soziale Netzwerke bei der Suche nach Zeugen oder Vermissten selbst für den ganz normalen Streifenbeamten wertvoll seien. „Aber man wird’s nie allen recht machen können.“

Auch Kritiker verfolgen aufmerksam, was die Beamten im Netz machen. Im Berliner Blog „Metronaut“ hieß es bereits, die Polizei betreibe via Twitter gezielte politische Einflussnahme und „Aufstandsbekämpfung“.

Vorsichtiger geworden

In einer Fachzeitschrift haben mehrere Rechtswissenschaftler im Sommer die Frage aufgeworfen, ob die Polizei sich überhaupt so in sozialen Netzen äußern dürfe, wie sie es tue – denn schließlich müssten Behörden neutral sein.

Als Beispiel nannten die Wissenschaftler wertende Tweets der Polizei bei den Blockupy-Protesten im März vergangenen Jahres. Zum Foto eines mit Farbe beschmierten Streifenwagens hieß es da: „Mit farbenfrohem Protest in Frankfurt hat DAS nichts mehr zu tun“.

Man nehme solche Kritik ernst und habe die eigenen Netzaktivitäten auch noch einmal prüfen lassen, versichert Seeger. Aber: „Wir haben eine Rechtsgrundlage.“ Wenn er etwa Demonstranten über Twitter auffordere, Vermummungen abzulegen, sei das nichts anderes, als wenn der Einsatzleiter das über Lautsprecher durchgebe. Man sei nur vorsichtiger geworden mit Fotos – Gesichter würden stärker verpixelt, versichert er.

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Es kommt übrigens auch vor, dass Seeger und sein Kollege im Netz beschimpft werden. Generell habe man da einen „unendlichen Langmut“, sagt der Oberkommissar.

Aber wenn es zu wüst werde oder Straftaten angekündigt würden – so wie neulich, als jemand auf Facebook gefordert habe, Polizisten zu töten –, veranlasse er auch Strafanzeigen. Dann ist bei der Staatsmacht Schluss mit lustig.

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