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19. Januar 2015

Polizeigefängnis Klapperfeld: Im Gefängnis auf Abschiebung gewartet

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Eng und verwahrlost: Zelle im Klapperfeld.  Foto: christoph boeckheler*

Viele tragische Geschichten haben sich im einstigen Polizeigefängnis Klapperfeld abgespielt. Die Initiative „Faites votre jeu“ zeigt jetzt Botschaften von Abschiebehäftlingen.

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In arabischer Schrift bekundet ein Mann seine Zuneigung für einen Mitgefangenen. Er wünscht seinem Kameraden, der unter den Bedingungen seiner Unterbringung in Abschiebehaft leidet, dass es ihm bald besser gehe. Mit der eigenen Abschiebung aus Deutschland hat der Verfasser offenbar gerechnet, nicht jedoch damit, dass der Brief niemals ankommen würde.

Anna, Mitarbeiterin der Initiative „Faites votre jeu“, kann von vielen tragischen Geschichten erzählen, die sich im Gefängnis Klapperfeld abgespielt haben. „Es war ein Ort der Unterdrückung.“ In der Berichterstattung möchte die Aktivistin nicht mit vollem Namen erwähnt werden. Sie und ihre Kollegin Karo sehen sich als nur zwei unter sehr vielen Menschen, die zur Realisierung der Ausstellung „Raus von hier“ im zweiten Stock des ehemaligen Polizeigefängnisses Klapperfeld beigetragen haben. Den Häftlingsbrief etwa hätten zwei Kinder in einer Einzelzelle hinter einem Spiegel entdeckt. „Ohne die Mithilfe von Freiwilligen wäre vieles nicht möglich gewesen.“

Tausende von Inschriften von ehemaligen Insassen aus fünf Jahrzehnten konnten seit Anfang 2013 dokumentiert werden. Die Ausstellung zeigt über 1000 Botschaften auf Wänden, Decken, Tischen und Stühlen. Mit Stiften, Dreck, Zigarettenglut und Kerzenflammen haben die Insassen der 18 Einzelzellen und der zwei Gemeinschaftszellen im zweiten Stock des Gebäudes geschrieben. Für die Ausstellung konnten Inschriften von Abschiebehäftlingen aus über 30 Sprachen übersetzt werden.

Das ehemalige Polizeigebäude wird seit 2009 von der Initiative „Faites votre jeu“ als linkes Polit- und Kulturzentrum genutzt. Geschlossen wurde die Haftanstalt im Jahr 2002. Das etwa 150 Jahre alte Gefängnis wurde im Laufe seiner Geschichte von der Gestapo genutzt, wie Zeitzeugenberichte und Archivmaterial in einer Dauerausstellung in den Kellerräumen des Gebäudes zeigen. Nach einer Zwischennutzung durch die Alliierten nach 1945 saßen ab 1955 in den Zellen im zweiten Stock überwiegend Einwanderer ohne Papiere ein, die auf ihre Abschiebung warteten. Rund zwei Wochen hätten sie im Klapperfeld verbracht, folgert Anna aus den übersetzten Inschriften. Über kürzere Zeiträume hätten auch in Polizeigewahrsam genommene Demonstranten aus der linken Szene und mutmaßliche Straftäter, die erst noch einem Haftrichter vorgeführt werden sollten, eingesessen.

Das alte Polizeigefängnis an der Klapperfeldstraße ist heute ein linkes Kulturzentrum.  Foto: christoph boeckheler*

Ab den 1980er Jahren war das Gefängnis mehrmals in die Schlagzeilen geraten, nachdem Menschenrechtsorganisationen Berichte über menschenunwürdige Haftbedingungen veröffentlicht hatten. Die Feststellungen der Nichtregierungsorganisationen sowie der Tagespresse würden sich auch in den Inschriften der Insassen widerspiegeln, sagen die Aktivistinnen. „Es gab lange Zeit so gut wie keinen Hofgang, kein fließendes Wasser und statt einer Toilette mussten sich die Häftlinge mit einem Nachteimer begnügen, den sie erst am nächsten Tag ausleeren durften“, fasst Anna die Erkenntnisse zusammen. Die später angebrachten Toilettenbecken seien durch ein Guckloch in der Zellentür gut sichtbar gewesen, so dass den Häftlingen auch die Intimsphäre verwehrt worden sei.

Aus Inschriften und Archivmaterial versuchen die Mitarbeiter der linken Initiative auch heute noch, einzelne Puzzlestücke der Vergangenheit zu sammeln. „Das ist Detektivarbeit“, sagt Anna. Häufig hätten die Abschiebehäftlinge ihre Heimatstadt und Datumsangaben hinterlassen, in einigen Fällen sogar ihren Namen und eine Telefonnummer.

Andere Häftlinge hätten konkrete Zustände benannt, etwa dass Duschen nur an drei Tagen pro Woche erlaubt gewesen sei, dass es kaum medizinische Versorgung gegeben habe und keine Möglichkeit, einen Wärter zu holen, außer durch Schreien und Klopfen, berichtet sie weiter.

„Leider haben wir keinen Kontakt zu ehemaligen Häftlingen, die uns mehr über die Zustände erzählen könnten“, sagt Anna. Die Ausstellung gebe daher eher einen Eindruck davon, wie Häftlinge in Abschiebehaft und in Gewahrsam den Gefängnisalltag wahrgenommen hätten. Über die Häftlinge selbst und ihre Biografien könne man daher keine Schlüsse ziehen. Die Kritzeleien, Datierungen und Botschaften würden sich oft erst im größeren Zusammenhang, etwa durch Zeitungsartikel erschließen. Doch auch neueres Archivmaterial sei Mangelware, da einige Dokumente noch nicht alt genug seien und aus Datenschutzgründen kein Zugang bestehe.

„Aus den Inschriften geht viel Enttäuschung hervor. Diese Menschen wurden durch die Haft und anschließende Abschiebung aus einem Leben gerissen, das sie sich in Deutschland aufzubauen versuchten“, sagt Anna. Daher sei es verständlich, wenn ehemalige Häftlinge nicht über ihre Vergangenheit sprechen wollten. Nichtsdestotrotz würden sich die Initiatoren freuen, die Perspektiven von Zeitzeugen der Gefängnisgeschichte zu dokumentieren.

„Hier sind schreckliche Sachen passiert“, sagt Anna. Daher sei es eine „Riesenchance“, die Vergangenheit des Gebäudes aufzuarbeiten, zumal einige Inschriften in der aktuellen Form nur begrenzte Zeit sichtbar sein würden. Wie in der Ausstellung zu sehen ist, blättert die Wandfarbe an vielen Stellen samt Inschrift ab. An anderen Stellen, wo mit Kugelschreiber und Dreck gemalt wurde, ist die Schrift schon jetzt kaum sichtbar und schwer zu deuten.

Die Aktivistinnen gehen davon aus, dass sich die Ausstellung in den kommenden Monaten vergrößern wird, wenn mehr Texte übersetzt werden. Derzeit fehle es noch an Übersetzern für einige asiatische Sprachen.

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