Der Vorschlag, den Marathon mitzulaufen, war bei Kathrin Klaas nicht gerade auf Begeisterung gestoßen. Selbst als klar war, dass es sich nur um einen Staffelstart handeln sollte. „Vielleicht 500 Meter“, schlug die Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt, bei der sich sonst alles um den Hammer dreht, nicht ganz ernst gemeint vor. Und wurde prompt beim Wort genommen. Das Teilstück, das die Olympiafünfte von London absolvierte, beschränkte sich auf eine Runde um den Eschenheimer Turm. „Immerhin habe ich die Fahnen der Werfer hochgehalten“, betonte die 28-Jährige, deren populärere und erfolgreichere Disziplinkollegin Betty Heidler nicht am Start war.
Die Olympiastaffel, die den HR-Reporter Dirk Froberg 42,195 Kilometer lang vor laufenden Kameras durch die Stadt begleitete, wies trotz Abwesenheit der Weltrekordlerin viele klangvolle Namen auf.
Mit dem Adler auf der Brust und den Erfahrungen der Spiele an der Themse liefen auch Hochspringerin Ariane Friedrich, Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch und Hindernis-Spezialistin Gesa Krause; zudem Vereinskollege Niklas Zender und die ebenfalls nach London berufene Friedbergerin Christiane Klopsch, die sich sonst im Wettkampf auf eine Laufbahn-Runde beschränken.
Extra vom Rad stieg John Degenkolb, der 2011 den Rhein-Main-Klassiker am 1. Mai gewonnen hatte, und auch der mehrmalige Paralympics-Sieger Wojtek Czyz war mit dabei.
Mehr als 16.000 Läuferinnen und Läufer sorgten beim Frankfurt Marathon 2012 für einen neuen Teilnehmerrekord. Nicht ganz so erstklassig war das Wetter: Bei nur fünf Grad Celsius und einem frischen Ostwind brauchten viele Athleten Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen.
Foto: dapdDen Spitzenathleten bescherte die Herausforderung eher ungewohnte Erfahrungen. Denn sportlich standen sie keineswegs im Mittelpunkt – im Gegenteil: Friedrich musste als Startläuferin der Achtergruppe, die nicht mit den anderen Staffeln, sondern mit den Top-Marathonis auf die Strecke ging, zahlreiche Teilnehmer an sich vorbeiziehen lassen.
„Emotional“, so die ehemalige Hallen-Europameisterin, seien die Distanz zwischen Messe und Alter Oper sowie vor allem nach etwa vier Stunden der Zieleinlauf jedoch durchaus Höhepunkte gewesen.
Frankfurt, 28. Oktober 2012: Das Thermometer zeigt fünf Grad Außentemperatur. Gefühlt ist es dank eines frisches Ostwindes noch viel kälter in den Häuserschluchten. Dass Temperaturempfinden subjektiv ist, zeigen wir Ihnen in der folgenden Fotostrecke.
Foto: peter-juelich.comIn die Festhalle joggten alle noch mal gemeinsam, am leichtfüßigsten Olympiafinalistin Gesa Krause, die dem zwar erfahrenen, aber schwächelnden Journalisten auf den letzten fünf Kilometern noch mal kräftig Mut zusprach. „Der hatte ja schon 37 Kilometer in den Beinen“, erklärte die 20-Jährige, die wie die beste Deutsche an diesem Tag, Lisa Hahner, bei Wolfgang Heinig trainiert.
Beim von den Massen fast unbemerkten Einlauf der Top-Athleten fehlte allerdings Allrounder Behrenbruch. Der 27-Jährige, der zwischen Innenstadt und Goldstein die längste Distanz für sein Team zurückgelegt hatte, war erst nicht rechtzeitig zum Treffpunkt gekommen und blieb offenbar am Ende auch irgendwo noch auf der Strecke.
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