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Protest in Frankfurt: Occupy umzingelt die Banken

In Frankfurt demonstriert heute ein großes Bündnis gegen die Macht der Banken. Getragen wird der Protest vor allem von der Occupy-Bewegung - doch ungewöhnlich viele Gruppen beteiligen sich.

Das Banner am Eisernen Steg ruft zur Demonstration auf. Foto: Michael Schick
Frankfurt –  

Wolfgang Nethöfel hat etwas geschafft, das vor ein paar Wochen noch gar nichts Besonderes gewesen wäre, aber jetzt bringt er Menschen zusammen „mit Menschen, die in Banken arbeiten“ – genau so sagt er das. Der emeritierte Sozialethiker leitet an der Marburger Philipps-Universität eine Mediatorenausbildung, man kann ihn also getrost einen hessischen Heiner Geißler nennen, und das, was er am kommenden Freitag vorhat, ein Experiment mit Aktivisten und Anzugträgern, aber das war Stuttgart21 ja auch. Jedenfalls hat er einen herrlich symbolträchtigen Ort gewählt für sein Vorhaben: die evangelische Hoffnungsgemeinde.

Nun ist es natürlich so, dass die eine Seite zwar ziemlich vehement die andere kritisiert, die andere aber eher gar nicht die eine, weshalb es sich eigentlich auch nicht um einen Streit handelt, der einen Schlichter bräuchte. Jedenfalls ist bislang nichts bekanntgeworden von einer Protestcamp-Umzingelung durch Banker.

Menschenkette in Frankfurt

Die Menschenkette rund um das Frankfurter Bankenviertel beginnt am Samstag um 12.30 Uhr am Kaisersack vor dem Hauptbahnhof. Nach einer Auftaktkundgebung beginnt um etwa 13 Uhr die Umzingelung des Bankenviertels.

Umgekehrt hingegen schon. An diesem Samstag werden die Occupy-Aktivisten erneut ihr Camp am Willy-Brandt-Platz verlassen, diesmal aber nicht wie zuletzt zur gewöhnlichen Demonstration, sondern für eine Menschenkette rund um das Bankenviertel. Erstaunlich daran ist das breite Bündnis von „Banken in die Schranken“, in das sich die Occupier einreihen, die doch bisher Bündnisse aller Art abgelehnt hatten.

Nicht nur Occupy ruft auf

Aufgerufen zur Menschenkette hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac gemeinsam mit dem Beteiligungsnetzwerk Campact und den Naturfreunden, unterstützt wird der Aufruf vom Gewerkschaftsbund, der Grünen Jugend, Verdi, den Jusos, der Linksjugend und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Gleichzeitig zur Aktion in Frankfurt, die um 12.30 Uhr am Kaisersack vor dem Hauptbahnhof beginnt, soll in Berlin das Regierungsviertel umzingelt werden.

Occupy Frankfurt: Gesichter des Protests

Bildergalerie ( 28 Bilder )

Occupy: Frankfurt - Proteste vor der EZB (17.10.2011)

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„Die Bundesregierung spielt zusammen mit der Bankenlobby eine sehr negative Rolle, um strengere Regeln zur Bankenregulierung zu verhindern“, sagt der Attac-Mitgründer und heutige Europaparlamentarier der Grünen, Sven Giegold. „Das Kampagnenbündnis stellt dagegen die richtigen konkreten Forderungen: Aufspaltung der Großbanken, Besteuerung von großen Vermögen, Begrenzung der Macht der Finanzlobby. Mit dem Durchwurschteln darf es so nicht weitergehen.“

Mit den Umzingelungen werde man Druck auf die Bundesregierung machen und „grundlegende Konsequenzen aus der Finanz- und Eurokrise einfordern“, sagt auch Jutta Sundermann vom Attac-Koordinierungskreis. „Es ist an der Zeit, endlich die Banken zu entmachten und den Reichtum umzuverteilen.“ Und Christoph Bautz vom Netzwerk Campact will „die beeindruckende Dynamik der Occupy-Proteste aufgreifen“ und um „konkrete Forderungen an die Politik ergänzen“.

Zur Einstimmung haben Aktivisten des Bündnisses am Donnerstag schon einmal ein Banner mit dem Slogan „Banken in die Schranken“ vor der Frankfurter Skyline entrollt. Und am Freitagnachmittag zogen die Occupier erneut durch die Innenstadt, nachdem sie am Rathenauplatz aus Menschen und Kerzen und Sankt-Martins-Laternen eine „99%“ geformt hatten. Man setzt also gerade auf die Macht der Bilder.

Wobei die gemeinsame Aktion mit dem Protestbündnis im Occupy-Camp durchaus auch kritisch gesehen wird, weil der reformerische Ansatz der Organisationen vielen Aktivisten schlicht nicht weit genug geht. Viele dort können ja gerade der aktuellen Wetterlage vor allem deshalb Gutes abgewinnen, weil der Nebel regelmäßig die Bankentürme verschwinden lässt. Unten zwischen den Zelten sitzt dann die Gemeinde und hofft, dass es so bleibt.

In der Hoffnungsgemeinde ist Wolfgang Nethöfel indessen dazu übergangen, nur zehn gemeinsame Sätze finden zu wollen, die Aktive von Occupy Frankfurt und Banker formulieren sollen. Das allerdings dürfte schon schwer genug werden.

Autor:  Felix Helbig
Datum:  12 | 11 | 2011
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