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Frankfurt
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12. November 2011

Protest in Frankfurt: Bunte Bestie

 Von Stefan Behr
Tausende kamen, um zu protestieren.

Occupy, Attac und Freunde umzingeln das Bankenviertel. Es ist eine politische Aktion mit Volksfestatmosphäre. Tausende Menschen protestieren gegen die Macht der Finanzmärkte.

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Occupy, Attac und Freunde umzingeln das Bankenviertel. Es ist eine politische Aktion mit Volksfestatmosphäre. Tausende Menschen protestieren gegen die Macht der Finanzmärkte.

„Willkommen im Herzen der Bestie“, ruft Michael Wilk. Und hereinspaziert. Es sind Tausende, die sich am Samstagmittag auf der Kaiserstraße treffen, um das Bankenviertel zu umzingeln. Die Umzinglung hat viele Väter. Occupy hat zu der Aktion aufgerufen, Attac irgendwie auch, und in dem Fahnenmeer sieht man die Banner der Linken und der IG Metall flattern. Aber auch jene der Aschaffenburger Friedenstrommler. Für jeden ist was dabei.

Michael Wilk ist ein in Ehren und Ärger ergrauter Startbahn- und Umweltaktivist. Oder auch „Arzt und anarchistischer Autor“, so steht’s in Wikipedia. Auch jetzt ist er wieder Teil einer Bewegung. Einer extrem bunten und vielschichtigen. „Es ist noch nicht alles verloren in diesem Land“, ruft Wilk und zitiert als Beweis die aktuelle Schlagzeile der Bild: „Wegen Bushido: Heino gibt seinen Bambi zurück.“ Hunderte jauchzen vor Begeisterung. Denn wenn es eine Klammer gibt, die die bunte Demonstrantentruppe zusammenhält, dann die, das alle auch Spaß haben wollen.

Erneut wurde in Frankfurt demonstriert.
Erneut wurde in Frankfurt demonstriert.
 Foto: Andreas Arnold

Altgediente Ostermarschierer erinnern sich mit Tränen in den Augen daran, wie schön es doch damals im Rohrbachstraßenkessel war. Jüngere Semester tragen grandiose selbstgebastelte Schwellköppe vor sich her, eine davon zeigt Montgomery Burns, den bitterbösen Atomkraftwerksbesitzer aus den „Simpsons“. Eine Gruppe Demonstranten mit Küchensieben auf dem Kopf und Plastiktüten an den Füßen singen einen einstudierten Kanon. Fliegende Zeitungshändler bieten verlorengeglaubte Kleinodien wie den „Spartakist“ an und verlangen lediglich „nen Euro für die Druckkosten“. Junge Eltern haben ihre Kinder mitgebracht, damit die auch mal an die frische Luft kommen.

Fantasievolle Kostüme, treibende Trommelrhythmen, allenthalben Respektlosigkeit gegenüber der Obrigkeit: es ist eine Demonstration, die den liebenswerten Attributen des Karnevals weit gerechter wird als jeder Umzug. Eine Spaßveranstaltung ist es trotzdem nicht.

Eine junge Aktivistin, die von Anfang an beim Occupy-Camp vor der EZB dabei war, greift sich das Mikrofon. Sie ist ein bisschen Rosa Luxemburg: „Wir alle sind Kinder des Kapitalismus – und wir wollen es nicht länger ertragen.“ Sie ist auch ein bisschen Sissy: „So viel Glück wie in diesem Camp habe ich noch nie in meinem Leben erlebt.“ „Kommt alle“, ruft sie am Ende, „auf dass wir geheilt werden vom Schmerz des Kapitalismus“, und jetzt ist auch noch etwas Maria Magdalena mit dabei, und es wird ein bisserl eng.

Auch auf der Kaiserstraße, wo der Demonstrationszug sich in Bewegung setzt. In der Mainzer Landstraße teilen sich zwecks Umzinglung die Massen: Nach links, in den Zimmerweg, ziehen die Attac-Sympathisanten. Nach rechts, in die Weserstraße, diejenigen, die’s eher mit Occupy halten. So war es zuvor in Facebook verabredet worden. Schöner könnten die Judäische Volksfront und die Volksfront von Judäa auch nicht zusammenarbeiten.

Als die Banken umzingelt sind, reißt die Volksfestatmosphäre nicht ab. Es wird getrommelt. Es wird gesungen. Manchmal geht auch La Ola rund ums Bankenviertel. DGB-Urgestein Dieter Hooge ist nicht der einzige, der die Menschenkette mit dem Fahrrad abfährt und sich feiern lässt wie Didi Thurau in seinen besten Zeiten.

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