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22. Januar 2013

Quartiersgarage Glauburgstraße Grüne: Von Bäumen und Spargeln

 Von 
Die gefällten Bäume haben einen Streit im Rathaus ausgelöst. Foto: Christoph Boeckheler

Im Streit um die Quartiersgarage Glauburgstraße treffen zwei Generationen Grüne aufeinander. Im Rathaus entbrennt ein Streit um die gefällten Bäume.

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Immer wieder setzt es Zwischenrufe. „Das ist doch unmöglich!“ oder „Unglaublich!“ So reagieren die wütenden Zuhörer im Römer-Planungsausschuss etwa auf den Satz von Michael zu Löwenstein, CDU-Fraktionschef im Stadtparlament: „Bäume haben wie Menschen ein begrenztes Lebensalter!“ Es ist der Streit um 16 zum Teil mehr als 100 Jahre alte Bäume, der am Montagabend wieder das Rathaus erreicht. Die Kastanien und Platanen sind samt einer Schwarzpappel gefällt worden, um Platz zu schaffen für den Bau einer Kita, einer Turnhalle, vor allem aber einer unterirdischen Quartiersgarage an der Glauburgstraße im Nordend.

An diesem Abend im Ausschuss entwickelt sich ein Lehrstück – es geht um ganz grundsätzliche Fragen wie: Was ist eigentlich Bürgerbeteiligung? Und zwei politische Generationen der Grünen prallen aufeinander.

Längst vergangene Zeiten

Manfred Zieran zum Beispiel, der Flugblätter verteilt und dann auch engagiert spricht. Der heute 61-Jährige gehörte 1981 zur ersten Fraktion der Grünen im Römer, ist seit 20 Jahren für ÖkoLinX aktiv, Ortsbeirat im Nordend. Er trifft auf den 42-jährigen Wolfgang Siefert, heute für die Grünen im Stadtparlament, der Zieran angeht: „Die Zeiten, in der Sie der Vertreter der grünen Basis waren, sind lange vorbei!“

Und der Grüne Olaf Cunitz spielt noch mit, der 44-jährige Frankfurter Bürgermeister und Planungsdezernent. Er verteidigt das Zustandekommen der Quartiersgarage: „Es gab ein Höchstmaß an Transparenz, ein Höchstmaß an Information!“ Der Wille der Bürger manifestiere sich nun einmal „über gewählte Gremien“ wie das Stadtparlament – und das beschloss mit schwarz-grüner Mehrheit, die Bäume zu fällen.

Eine andere Wahrheit

Und Siefert argumentiert mit Auto-Stellplätzen, die unter die Erde verbannt werden, mit der Kita, auf die Eltern warteten. Dann sagt er: „Es muss auch mal möglich sein, dass man Bäume fällt, die 100 Jahre alt sind!“

Dem stellen die Mitglieder der Bürgerinitiativen, die Linken und ÖkoLinx eine andere Wahrheit gegenüber. Noch am 24. Mai 2012 sei im Ortsbeirat das Projekt versprochen worden, „ohne dass Bäume gefällt werden“. Die Kita und die Turnhalle, argumentiert Zieran, könnte man bauen ohne die Quartiersgarage, die verkehrspolitisch höchst fragwürdig sei, weil sie dem Druck der Autofahrer nachgebe: „Früher hätten sich die Grünen dagegen gewehrt!“

Auch der Linke Helmut Gärtner hält fest: „Die autogerechte Stadt gibt es heute nicht mehr – wir müssen den Autoverkehr zurückdrängen und nicht durch die Garage auch noch fördern!“

Zum Sparen angehalten

Auch zwei Architekten, der eine eine sehr namhafter, kämpfen gegen das Projekt. Helmut Kleine-Kraneburg, der unter anderem das Bundespräsidialamt in Berlin entwarf, das IG-Metall-Hochhaus und den Taunusturm in Frankfurt, fragt mehrfach, warum es keinen Architektenwettbewerb gegeben habe. Der jetzige Entwurf negiere komplett die historische Baustruktur des Nordends: „Die Stadt muss mehr Wert auf Ästhetik und Architektur legen!“

Bürgermeister Cunitz lässt die Frage offen, warum der Wettbewerb ausblieb. Er fühlt sich an das Votum des Stadtparlaments gebunden: „Ich werde die Beschlüsse ausführen.“ Zur Qualität der Architektur sagt er: „Die Stadtverordneten verlangen von uns, dass wir jeden Euro umdrehen.“

Spargel statt Bäume

Manfred Zieran, der Grüne der ersten Stunde, und die Bürgerini-tiativen wollen weiterkämpfen, Jetzt für die Pflanzung neuer Bäume, „die höher sind als ein Haus“. Die kleinen Pflänzchen, „die Spargel“, die jetzt an die Stelle der gefällten Bäume gesetzt werden sollen, „hätten die Grünen früher abgelehnt“. Was die Emotionen zählen, die im Spiel sind, kann niemand ermessen. Einer erzählt von den alten Anwohnern, die mit den gefällten Bäumen „aufgewachsen“ seien. Eine Frau sagt: „Wir hoffen auf ein Ende,mit dem wir halbwegs leben können.“

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