Inzwischen ist Fikret Tosun zur Ruhe gekommen. Es ist dem Mann am Mittwochnachmittag anzusehen, als er an dem großen Tisch sitzt. Abgefunden hat er sich damit, sagt er. Aber er freut sich, dass einen Tag zuvor Menschen auf die Straße gegangen sind. Für ihn. „Frau Boll, Frau Zimmermann“, zählt Fikret Tosun auf. „Schön.“ Damit er in seine Wohnung im Mainfeld zurückkehren kann. Seit 30 Jahren lebt er dort.
„Zwangsräumung“: Am 15. Juni flattert das Schreiben in den Briefkasten und das Leben der fünfköpfigen Familie. Zwei Wochen später stehen Gerichtsvollzieher und Polizisten vor der Tür, um die Wohnung zu räumen. Dabei gehen sie rabiat vor, erzählt Fikret Tosun: Den Fußboden, den er selbst verlegt hat, reißen sie heraus, ebenso Gardinen und sie beschädigen Möbel. Er schätzt, der Schaden liege bei 5000 Euro.
Nachbarn demonstrieren
Die Linke in Frankfurt und die Migrantenorganisation DIDF werden auf den Fall aufmerksam und wenden sich an die Nachbarn im Mainfeld. Am Dienstag stehen sie versammelt vor ihren Wohnungen, halten ein Transparent mit dem Schriftzug „Gebt uns unsere Nachbarn zurück“ und sammeln über 200 Unterschriften. Zusätzlich ist ein offener Brief unterwegs an Oberbürgermeisterin Petra Roth. Diese Aktionen im Mainfeld werden weitergehen, kündigt Annette Ludwig von der Linken an. „Denn wir glauben, dass es sich um ein Fehlverhalten der Sozialarbeiterin handelt.“
Denn Fikret Tosun ist seit 2005, als er seinen Job als Lagerarbeiter verlor, Hartz IV-Empfänger. Aber das Sozialamt nimmt keine Direktüberweisung an die Wohnheim GmbH vor. Zuletzt ist er mit der Miete im Verzug, zahlt verspätet. „Zwei oder drei Mal“. Bei der Wohnheim ist von 20 Mal Mietverzug die Rede. „Das stimmt aber nicht“, sagt sein Cousin Yasar Tosun, der seine eigene Meinung zu der Wohnungsbaugesellschaft hat. „Die wollen die Wohnungen da kaputt machen, damit die Bonzen da einziehen“, sagt Yasar Tosun. Er lebe seit 1972 im Mainfeld und „seitdem wurde hier nichts gemacht“. Das sei Beweis genug für ihn.
Das Sozialamt hat der Familie inzwischen eine Wohnung in Oberrad angeboten – als Ersatz. „Wohnung“ könne man das aber nicht nennen, sagt Yasar Tosun. „Eher Ladenfläche.“ 120 Quadratmeter, ein großer Raum ohne Trennwände, keine Küche. Deshalb wohnt die fünfköpfige Familie nun verteilt bei Verwandten.
Beim Mieterbund war Fikret Tosun zuletzt auch. Dort empfahl man ihm eine Anwältin, die ihm wenig Chancen ausrechnete.

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