Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

12. Februar 2016

Rassismus: Hilfe für Opfer rechter Angriffe

 Von 
„Response“ will die steigende Zahl der rechten Gewalttaten in Hessen erfassen (Symbolbild).  Foto: iStock

Die Beratungsstelle „Response“ startet: ein Projekt, das Betroffenen von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in ganz Hessen helfen soll.

Drucken per Mail

Eine Frau wird im Supermarkt rassistisch angepöbelt und tätlich angegriffen, weil sie ein Kopftuch trägt. Eine Schülerin wird von ihren Klassenkameraden wegen ihrer Hautfarbe gemobbt – die Lehrer greifen nicht ein. Flüchtlinge haben Angst, in ihrem neuen Wohnort auf die Straße zu gehen, weil sie dort zunehmend angefeindet werden. Alle diese Fälle haben sich in den vergangenen Monaten in Hessen abgespielt, Olivia Sarma nennt sie als typische Beispiele für rassistische Beleidigungen und Übergriffe, bei denen „Response“ in Zukunft tätig werden soll.

Response ist der Name einer neuen Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, die ab sofort mit einer Handvoll Mitarbeitern ihre Arbeit aufnimmt. Das Projekt hat seine Büros in der Bildungsstätte Anne Frank im Dornbusch, ist aber in ganz Hessen tätig. Angeschoben wurde die neue Einrichtung vom Beratungsnetzwerk Hessen, das Schulen, Bürgermeister und Kommunen schon seit Jahren im Umgang mit Rassismus und rechtsextremen Vorfällen berät. Finanziert wird Response im laufenden Jahr mit 200 000 Euro, die je zur Hälfte aus Bundes- und aus Landesmitteln stammen.

Im Sinne der Betroffenen

Die Beratung sei grundsätzlich vertraulich und parteiisch, erklärt Olivia Sarma, die Response leitet. „Das heißt, wir orientieren uns ausschließlich an der Perspektive der Opfer und handeln in ihrem Interesse.“ Unabhängig davon, ob in einem Fall auch strafrechtliche Ermittlungen liefen, helfe man den Betroffenen dabei, das Erlebte zu verarbeiten und nach einem Angriff wieder handlungsfähig zu werden.

Die Mitarbeiter vermitteln Kontakt zu Anwälten, Psychotherapeuten und anderen Experten, begleiten die Opfer zu Behörden, suchen solidarische Unterstützer vor Ort und bemühen sich darum, das soziale Umfeld zu sensibilisieren. „Es geht immer darum, welche Handlungsoptionen und Ressourcen schon da sind und wie wir die stärken können“, sagt Sarma.

Beratung

Die Beratungsstelle „Response“ richtet sich an alle Betroffenen rassistischer, rechter oder antisemitischer Gewalt in Hessen. Die Einrichtung hat ihren Sitz in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank in der Hansaallee 150, ist aber hessenweit tätig. Die Beratung erfolgt unabhängig und vertraulich und ist parteiisch zugunsten der Betroffenen.

Interessierte können sich dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr an die Mitarbeiter von Response wenden. Telefonisch erreicht man sie unter der Nummer 069 / 56 00 02 41, per E-Mail unter kontakt@response-hessen.de.

Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.response-hessen.de.han

Zunächst startet Response mit einem dreiköpfigen Team, das sich eineinhalb feste Stellen teilt. Darüber hinaus arbeitet Sarma mit Honorarkräften in Marburg und Kassel zusammen. Das Team wird auf Anfrage, aber auch auf eigene Initiative hin tätig. Da man von einer hohen Dunkelziffer bei rassistischen Vorfällen ausgehe, könne man durchaus weitere Ressourcen gebrauchen, sagt Sarma. „Wir sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Reiner Becker, Koordinator des Beratungsnetzwerks Hessen, betont den großen Bedarf für die neue Beratungsstelle. Man kümmere sich nebenbei schon seit Jahren um Opfer von Gewalt und Kriminalität. Bei rassistischen Übergriffen würden die Opfer aber nicht nur als einzelne Menschen, sondern immer auch wegen ihrer speziellen Gruppenzugehörigkeit angegriffen. „Das ist natürlich ein Spezifikum, das man nicht mit einer allgemeinen Beratung der Opferhilfe erreichen kann“, sagt Becker.

Gerade in der momentanen Lage, wo etwa die „Alternative für Deutschland“ (AfD) und die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung Ressentiments gegen Flüchtlinge schürten und die Zahl von Angriffen auf Geflüchtete sowohl bundesweit als auch in Hessen „exorbitant gestiegen“ sei, müsse man gegensteuern. Es gehe dabei gar nicht nur um den „organisierten Rechtsextremismus“, sondern auch um Attacken aus der normalen Bevölkerung – Studien belegten schließlich seit Jahren, dass Antisemitismus und Rassismus in der ganzen Gesellschaft verbreitet seien.
Noch sei nicht absehbar, in welche Richtung sich die Situation entwickle, sagt Becker – er sei aber fest davon überzeugt, dass mit dem Erstarken der AfD eine „Veränderung der politischen Kultur“ einhergehen werde.

Zuspitzung der Lage

Auch Olivia Sarma betont, dass es derzeit „eine sehr offensichtliche Zuspitzung der Situation“ in Deutschland und auch in Hessen gebe. Im Moment werde wegen der steigenden Zahl von Flüchtlingen sehr viel über die Ängste der gesellschaftlichen Mehrheit geredet, über Ängste vor Fremden, Veränderung und steigender Terrorgefahr. „Aber die Ängste der Betroffenen, die gefährdet sind, sind weniger sichtbar.“

Mehr dazu

Diese „Täter-Opfer-Umkehr“ erlebe man auch vor Ort, wenn man mit Betroffenen spreche, sagt Sarma. Ihnen werde oft eine Mitschuld an den Angriffen gegeben, sie würden als die eigentlichen Aggressoren dargestellt oder die rassistische Motivation der Täter werde heruntergespielt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, will Response in Zukunft auch eine umfassende Dokumentation rassistischer Übergriffe in Hessen erstellen.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten und Reportagen aus dem Herzen des Rhein-Main-Gebiets - alles über Frankfurt und seine Stadtteile.

Twitter
Südliche Stadtteile
Östliche Stadtteile
Nördliche Stadtteile
Westliche Stadtteile
Bahn-Verkehr

Die Lage im Bahnverkehr live:

- Frankfurt a.M. (Hbf) aktuelle Abfahrt und Ankunft,
- An- und Abfahrt für alle Stationen,
- Reiseverbindungen als Live-Auskunft (Prognosen).

Anzeige

Premium-Fotostrecke
Frankfurt von oben

Mit dem Hubschrauber unterwegs über der Mainmetropole: Fliegen Sie mit!
Zur Premium-Fotostrecke Frankfurt von oben.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

ANZEIGE
- Partner