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04. Januar 2013

Rebstock: Ein Viertel im Argen

 Von Alicia Lindhoff
Infrastrukturell eine Brache: der Rebstock. Foto: Martin Weis

Am Rebstock warten die Bewohner seit Jahren auf Kitaplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Cafés. Schule und Markt wird es bald geben, aber eine Arztpraxis sucht man in dem nicht mehr ganz so neuen Neubauviertel immer noch umsonst. Und "La Rosa" ist auch weg.

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Am Rebstock warten die Bewohner seit Jahren auf Kitaplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Cafés. Schule und Markt wird es bald geben, aber eine Arztpraxis sucht man in dem nicht mehr ganz so neuen Neubauviertel immer noch umsonst. Und "La Rosa" ist auch weg.

Wer mit der Straßenbahnlinie 17 im Neubaugebiet Rebstockviertel ankommt, sieht erstmal vor allem eins: Die riesige Brachfläche samt schiefem Bauzaun, Schutthaufen und hervorbrechendem Unkraut nördlich der Salvador-Allende-Straße.

Seit Jahren existieren Pläne für diese Fläche, die im Norden von der A648 und im Osten von der Straße Am Römerhof begrenzt wird. Bürobauten und ein Stadtteilplatz sind dort laut der Rebstock Projektgesellschaft geplant. „Lindbergh-Platz“ soll er heißen und mit Cafés, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten zum Treffpunkt für die Bewohner des Stadtteils werden.

Der Rebstock

Seit 2002 entsteht das Neubaugebiet auf dem ehemaligen „Rebstöcker Feld“ zwischen Kuhwaldsiedlung, Rebstockpark und A648. Zuvor wurde das Gelände meist als Parkfläche genutzt.

Etwa 27 Hektar groß ist das Viertel, das laut der Rebstock Projektgesellschaft einmal Wohnraum für 4500 Menschen und Arbeitsplätze für 5500 Menschen bieten soll.

Die Straßenbahnlinie 17 verbindet den Rebstock mit der Innenstadt. An Infrastruktur nennt die Projektgesellschaft das Rebstockbad, Kitas, die im Bau befindliche Grundschule, und den geplanten Stadtplatz mit Cafés, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants.

Es waren unter anderem solche Versprechungen, die vor allem junge Familien lockten. Doch mittlerweile wohnen viele Rebstöcker seit sechs Jahren im Viertel und noch immer gibt es keinen Stadtteilplatz und keine Gastronomie – nur kleines Lebensmittelgeschäft, das auf rund 150 Quadratmetern das Nötigste anbietet.

Eine junge Mutter, die auf dem Weg zur Kita in der Montgolfier-Allee ist, um ihr Kind abzuholen, zeigt sich enttäuscht von den Stadtplanern. Die einzige Gastronomie weit und breit sei die Pizzeria "La Rosa" in der Kuhwaldsiedlung, die aber seit Mitte Dezember geschlossen hat.

Familientauglich... oder untauglich?

Auch Ärzte gebe es keine im Viertel: „Dafür muss man bis in die Innenstadt oder zur Leipziger Straße fahren“, sagt die Frau, die nicht namentlich genannt werden möchte. Drei Jahre nach dem Kauf ihrer Wohnung glaube sie nicht mehr daran, dass die schönen Pläne jemals real werden. Statt auf dem Lindbergh-Platz trifft sie ihre Nachbarn auf dem Spielplatz im Rebstockpark.

Mit Freude nimmt sie die Nachricht auf, dass in naher Zukunft der langersehnte Supermarkt an der Straßenbahnhaltestelle „Leonardo-Da-Vinci-Allee“ gebaut werden soll. Zwei der brachliegenden Baufelder wurden Anfang Dezember verkauft, der Investor hat sich vertraglich verpflichtet, auf einem davon einen „Lebensmitteleinzelhandel“ zu bauen.

Neben der mangelhaften Infrastruktur kritisieren einige im Viertel die Familientauglichkeit. Die Frau auf der Montgolfier-Allee freut sich über die Nähe zum Rebstockpark und die Spielplätze dort und lobt die Kita, einen modernen Flachbau mit viel Holz, Glas und Farbe.

Kummerkasten an der Kita

Am Zaun, der den Außenbereich der Kita zur Straße abgrenzt, hängt ein Briefkasten. Man könnte sagen, ein Kummerkasten. „Kerstin Mattig“ steht darauf. Sie ist Kinderbeauftragte des Rebstockviertels und kennt die Sorgen der Eltern, hat sogar eine Fragebogenaktion im Viertel gemacht. Ihr zufolge sieht die Situation der Familien nicht gut aus.

Da wäre die Grundschule für die Rebstockkinder, die mittlerweile zwar im Rohbau steht, aber viel später eröffnen wird als angekündigt. „Als wir vor sechs Jahren hierherzogen, waren wir sicher, dass wir die Eröffnung noch in der Grundschulzeit unserer Kinder erleben würden“, erzählt Mattig. Von dieser Hoffnung hat sie sich verabschiedet. „Mittlerweile sind hier vier Jahrgänge von Grundschülern durch, die alle außerhalb des Viertels zur Schule gehen mussten.“ Im Fall von Mattigs Kindern ist das die Eichendorffschule in Griesheim, wo es mittlerweile sogar eigene „Rebstockklassen“ gibt, die samt Lehrer irgendwann in die neue Schule an der Leonardo-Da-Vinci-Allee umziehen sollen. Ende 2014 soll es soweit sein.

Der Magistrat schweigt

Doch damit nicht genug: Auch die Kita platze aus allen Nähten. Dieses Problems hat sich sogar die SPD im Römer angenommen. In einem Antrag fragt sie, warum zwei seit Langem geplante Kitas mit U3-Plätzen am Rebstock und im Kuhwald noch immer nicht gebaut seien. Eine Antwort ist der Magistrat bis heute schuldig.

Ortsvorsteher Axel Kaufmann(CDU) ist zuversichtlich, dass bald einiges in Bewegung kommt: Mindestens eine Kita solle seines Wissens nach bald gebaut werden und auch der Verkauf der Grundstücke an der Leonardo-Da-Vinci-Allee sei ein positives Signal. Dass es so lange dauere, die Flächen dort zu vermarkten, läge daran, dass sie mit ihrer Lage an der A648 eben nicht das „Filetstück“ des Viertels seien.

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