Frankfurt Sachsenhausen - eigentlich treffen sich vor dem Südbahnhof viele Menschen, die hier wohnen oder arbeiten. Der Wochenmarkt lockt mit Bratwurstduft, den besten Pommes weit und breit und leckerem Winzerwein.
Das war auch noch so in der vergangenen Woche, als es schon ordentlich kalt war. Doch jetzt traut sich kaum jemand auf den Markt. Die einladenden Bänke fehlen, und die Folien wirken, als wollten sich die Stände warm einhüllen. Der Schnee ist da - und plötzlich ist alles ganz anders.
Auch wenn es auf dem Boden nur wenige Millimeter sind - der eisige Wind peitscht die dünnen feinen Flocken ins Gesicht jener Menschen, die erkennbar nicht freiwillig vor dem Südbahnhof unterwegs sind. Auf einen solchen Wintertag freuen sich nicht mal Kinder, die seit Wochen ungeduldig zum Schlitten blicken. Es wirkt wie der Auftakt zu einer ziemlich ungemütlichen Zeit.
Auch der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass immer mehr Wolken von Osten nach Deutschland kommen. Mit kalten, aber sonnigen Tagen ist es also vorbei.
Eisschollen auf dem Main
Auf dem Main treiben bereits flussabwärts Eisschollen. An Brückenpfeilern schieben sie sich knirschend ineinander. In den Seitenarmen des Mains, wo es kaum Flussströmung gibt, bilden sich größere Eisflächen. Enten sitzen darauf, als wären sie dort festgefroren. Der zehnjährige Max steht am Mainufer und versucht mit einem Stein ein Loch in das Eis zu werfen. Erst beim fünften Versuch schafft er es. „So etwas habe ich auf dem Main noch nie gesehen“, sagt er.
In der kommenden Woche bleibe es dauerhaft frostig. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der gesamte Main zufriert“, sagt Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst. Heute rechne er mit dem kältesten Tag des Jahres in Hessen. Für die kommende Nacht rechnet Beyer mit Temperaturen zwischen minus 15 und minus 22 Grad.
„Wenn der Main weiter gefriert, müssen wir den Schiffsverkehr auf dem Main einstellen“, sagt Roman Stolper vom Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg. Das letzte Mal sei das 1996 passiert. Doch damals sei das nicht schlimm gewesen, denn es geschah zwischen Weihnachten und Neujahr, als ohnehin der Schiffsverkehr eingestellt war. Nun drohe aber der Main im Februar zu gefrieren, wenn Ausflugs- und Frachtschiffe ganz normal unterwegs seien.
Der Kältebus fährt jede Nacht zwischen 20:30 Uhr und 4:30 Uhr durch Frankfurt und bietet Menschen ohne Wohnsitz Decken, warme Getränke und den Transport in eine der Notunterkünfte an.
Notunterkünfte gibt es im Ostpark, der Rudolfstraße, dem Sozialzentrum Burghof, im Diakoniezentrum Hauptbahnhof, und – nur für Frauen – in der Wärmestube Hagenstraße der Caritas sowie im Haus Lilith des Diakonischen Werks.
Unter der Nummer 069/431414 ist der Kältebus rund um die Uhr telefonisch zu erreichen.
„Aber noch ist die Lage entspannt“, sagt Mario Brandl, Kapitän der Primus-Line, die Schiffsrundfahrten im Frankfurter Stadtgebiet anbietet. „Das Eis ist so dünn, dass die Schiffe durchkommen“. Er möchte am Freitag mit seinem Ausflugsschiff „Nautilus“ wie gewöhnlich starten.
Probleme träten jedoch an den Schleusen auf. Dort staut sich das Eis. „Die Eisschollen verschieben sich ineinander und können das gesamte Flussbett vereisen“, sagt Roman Stolper vom Schifffahrtsamt. Aber noch sei der Schleusenbetrieb in Gang. Mit Haken versuchen die Mitarbeiter an den Schleusen die Eisschollen wegzuschieben, damit sie sich nicht in den Toren verkeilen.
Während in Frankfurt die Schiffe noch fahren, hindert das Eis an anderen Flussstellen die Schiffe an ihrer Weiterfahrt. Auf dem Rhein-Donau-Kanal in der Nähe von Nürnberg blieb ein Schiff im Eis stecken, das mit Brückenteilen der neuen „Mainbrücke-Ost“ beladen war. Der Kanal wurde gesperrt und die dort fahrenden Schiffe mussten einen Schutzhafen anlaufen. Die Teile für die geplante Brücke, die das Ostend mit Sachsenhausen verbinden soll, können erst nach Frankfurt geliefert werden, wenn die Sperrung des Rhein-Donau-Kanals aufgehoben ist. „Wir erwarten nicht, dass unser Zeitplan durcheinandergebracht wird“, sagt Kim Bartelt vom Verkehrsdezernat Frankfurt. Die Brücke werde planmäßig im Sommer 2013 fertiggestellt.
Auch auf der Lahn wurde gestern der gesamte Schiffsverkehr eingestellt. In Bayern ist der Main auf der Strecke von Aschaffenburg bis Bamberg gesperrt.
Einsturzgefahr auf dem Eis
Aber nicht nur für die Schiffe ist das Eis auf den Flüssen ein Ärgernis. Für Bürger, die die Eisdecke betreten, besteht die Gefahr auf dem Eis einzustürzen. Am Samstag wurde eine Frau von der Feuerwehr gerettet, die in die Nidda gestürzt war. Die 27-jährige wollte einen Hund retten, der im Eis eingebrochen war. Ein Rettungsschwimmer der Feuerwehr konnte die Frau und den Hund retten. Die Frau erlitt Unterkühlungen und wurde ins Krankenhaus gebracht.
„Wir raten den Menschen dringend davon ab, auf das Eis zu gehen“, sagt Roman Stolper. Das Betreten sei erst ab einer Eisdecke von 15 Zentimetern möglich. Auf den Flussarmen des Mains sind diese momentan aber höchstens einen Zentimeter dick. Das Grünflächenamt warnt davor, vereiste Weiher zu betreten. „Das Eis ist nicht tragfähig und es besteht Lebensgefahr“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Weiher in den Grünanlagen und im Stadtwald sind alle nicht zum Eislaufen freigegeben.

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