In Frankfurt leben 117 Obdachlose auf der Straße. Gezählt hat sie der Verein für soziale Heimstätten, der zusammen mit der Stadt den Kältebus betreibt. Um bei den eisigen Temperaturen nicht zu erfrieren, verbringen die meisten Obdachlosen die Nächte in der B-Ebene der Hauptwache. Während tagsüber Pendler durch die Einkaufspassage zu ihren Zügen strömen, wird die weit verzweigte Ebene nachts zum Schlaflager für rund 100 Menschen. Knapp die Hälfte von ihnen kommt aus Osteuropa.
Seit etwa fünfzehn Jahren öffnet die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) im Winter nachts die B-Ebene. Früher wurden abends an den Eingängen Gitter herabgelassen. „Wir können dazu beitragen, dass keiner in Frankfurt erfriert“, sagt Dana Vietta, Pressesprecherin der VGF. Die Obdachlosen müssten sich aber an die Hausordnung halten und tagsüber ihre Lager räumen. „Dank unserer Regeln ist es dort sehr ruhig, und es gibt keinen größeren Ärger“, sagt Vietta.
Trotzdem zählt der Verein für soziale Heimstätten derzeit immer noch 14 Obdachlose, die bei Minustemperaturen im Freien schlafen. Jede Nacht fährt der Kältebus an der B-Ebene vorbei. Die Mitarbeiter verteilen Schlafsäcke und warme Getränke. Seit rund 20 Jahren ist der Bus im Winter im Einsatz. „Der Kältebus sorgt dafür, dass Obdachlose überleben“, sagt Gerda Wingert vom Sozialdezernat. Seit 1989 habe es in Frankfurt keinen Kältetod von Obdachlosen mehr gegeben.
Die Mitarbeiter des Kältebusses protokollieren genau, wie viele Menschen in der Stadt nachts draußen schlafen und an welchen Orten sie ihre Lager aufschlagen. Einige von ihnen suchen sich ihren Schlafplatz in den Abluftschächten der Läden der B-Ebene, aus denen auch in der Nacht noch warme Luft strömt.
Jede Nacht versuchen die Mitarbeiter des Kältebusses, die noch draußen schlafenden Obdachlosen in ein Übernachtungsheim zu fahren. Dazu kooperieren sie mit den Tagesstätten, die in den Wintermonaten auch nachts geöffnet haben. Doch viele Obdachlose lehnen Hilfe ab. Denn in den Unterkünften ist es eng. Schnell kann es Ärger unter den Bewohnern geben. „Viele können sich auch wegen ihrer psychischen Erkrankungen nicht helfen lassen und schlafen daher im Freien“, sagt Wingert.
Die größte Wohnanlage für Obdachlose ist im Ostpark und wird ebenfalls vom Verein für soziale Heimstätten getragen. 140 Menschen können dort schlafen. Trotz des besonders kalten Winters sei diese Unterkunft aber nicht überbelegt. „Kein Obdachloser wird abgewiesen“, sagt Wingert. Auch der Verein für soziale Heimstätten sieht die derzeitige Lage nicht als außergewöhnlich an. „Die Anzahl der Obdachlosen ist konstant und ist unabhängig von den Außentemperaturen“, sagt Mitarbeiterin Christine Heinrichs.
Anlaufstelle Weserstraße
Die Diakonie Frankfurt möchte den Weser5-Tagestreff an der Weserstraße im Bahnhofsviertel nun auch nachts öffnen und dort 20 Notbetten einrichten. „Seit einigen Monaten mangelt es an Plätzen, und auf diese Situation möchten wir reagieren“, sagt Georg Bastian vom Diakonischen Werk. Es sei zwar erfreulich, dass die VGF die B-Ebene nachts für Obdachlose öffne. „Aber das kann keine dauerhafte Lösung sein“, findet Bastian.
So ist er sich sicher, dass die neuen 20 Plätze des Tagestreffs schnell belegt sein werden. Damit er auch nachts geöffnet werden kann, sucht die Diakonie ehrenamtliche Helfer, die sich um die Obdachlosen kümmern.
Wer an der Arbeit als Helfer interessiert ist, erreicht das Diakonische Werk unter 069/921056624.

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