Auch auf Frankfurts prominentester Baustelle geht nicht mehr viel. Die Arbeiten an der neuen Europäischen Zentralbank (EZB) leiden ebenso unter der Kälte wie viele andere Projekte in Frankfurt, das als Hauptstadt des Bauens in Deutschland gilt. „Wir haben das Betonieren am Montag eingestellt“, berichtet EZB-Sprecherin Andrea Jürges.
Für ganz Hessen hört sich die Bilanz so an: „Im Hochbau ruht die berufliche Tätigkeit“, so Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der baugewerblichen Unternehmen. Die dort organisierten 1.100 Unternehmen im Bundesland beschäftigen etwa 50.000 Mitarbeiter.
Auch auf der ebenen Erde erzwingt der Frost den Stillstand. „Alle unsere Arbeiten sind eingestellt“, bilanziert Gabriele Dehmer, die Leiterin des städtischen Amtes für Straßenbau und Erschließung in Frankfurt. Etwa 150 Arbeiter mussten von den Baustellen im Stadtgebiet abgezogen werden. „Unsere Bauleiter sind schon ganz unruhig“, sagt Dehmer. Hilft aber nichts: Wann es weitergehen kann, wann der Frost weicht, ist derzeit unklar.
Krisengespräch wegen des Baustillstands
Am heutigen Freitag kommen die Verantwortlichen für das neue Domizil der EZB zum Krisengespräch zusammen. „Wir wollen uns die Wetterprognose genau anschauen.“ Ziel sei es, am Ende nächster Woche die Arbeiten wieder aufzunehmen. Die Kälte verhindert vor allem das Betonieren, aber auch Arbeiten mit Mörtel und anderen Materialien. „Der Mörtel bindet nicht mehr ab“, erklärt Jürges. Betonieren ist nicht machbar, weil der Beton bei der Kälte reißt, so Rainer von Borstel. „Kies, Beton und Zement sind bei diesen Temperaturen nicht zu verwenden“, ergänzt Amtsleiterin Dehmer. Im Straßenbau könne es erst dann weitergehen, wenn eine Temperatur von sieben Grad plus auf dem Erdboden erreicht sei.
Die größte betroffene Straßenbaustelle ist die Umgestaltung der Kurt-Schumacher-Straße zwischen Mainufer und Konstablerwache. Aber auch Arbeiten an Brücken leiden, wie etwa die Sanierung der denkmalgeschützten Honsellbrücke im Osthafen. Die Teile der neuen Mainbrücke Ost, die eigentlich per Schiff am Mittwoch in Frankfurt eintreffen sollten, stecken nach wie vor im Eis des Mains nahe Nürnberg fest.
Viele der betroffenen Bauarbeiter müssen aber zumindest nicht fürchten, ihren Job durch die Kälte ganz zu verlieren. Sie erhalten von ihren Unternehmen Kurzarbeitergeld, sagt von Borstel. Vom 1. Dezember bis 31. März könne es gezahlt werden. Es betrage knapp 70 Prozent des letzten Bruttoarbeitslohnes. Während der Hochsaison des Bauens, also im Sommerhalbjahr, „sparen die Beschäftigten für das Kurzarbeitergeld an“. Diese Lösung gibt es nicht nur im Hoch- und Tiefbau, sondern auch im Garten- und Landschaftsbau. Und bei noch einer witterungsabhängigen Branche wird für Kurzarbeit gezahlt: im Dachdeckerhandwerk. Die Industriegewerkschaft Bau rät Betroffenen, diese Zeit jetzt für Weiterbildung zu nutzen.

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