Die Sorge ist groß um die Menschen in Frankfurts ägyptischer Partnerstadt. „Wir stellen uns auf eine Flüchtlingswelle aus Kairo und anderen Städten des Landes ein“, berichtet Oberkirchenrat Jürgen Mattis. Über das Internet halten der Pfarrer und sein Team Kontakt zu Freunden und Bekannten in der von Straßenkämpfen und Todesschüssen erschütterten Millionenstadt. „Gerade viele Christen wollen Kairo und Ägypten verlassen und nach Deutschland fliehen“, berichtet der Leiter des Fachbereichs Beratung, Bildung und Jugend beim Evangelischen Regionalverband in Frankfurt.
Ein Zusammentreffen mehrerer Pfarrer
Dreimal konnte Mattis 2011 Kairo besuchen, zuletzt im November. „Die Lage ist eindeutig immer schlimmer geworden.“ Mit dem Wahlsieg der Islamisten wandele sich Ägypten zu einem Staat mit islamischem Recht. „In Kairo entscheidet sich gerade sehr viel!“
Am Freitag kommt im Römer eine Runde zusammen, die berät, was die Partnerstadt Frankfurt in dieser prekären Situation für Kairo tun kann. Mit dabei ist neben Mattis auch Pfarrer Tharwat Kades aus Langen, der in Kairo in der koptischen Kirche für die Rechte der Christen kämpft. „Er ist ein Medienheld in Ägypten geworden“, berichtet Mattis. Mit am Tisch weiter Frank Wittersheim, stellvertretender Leiter des Referates für internationale Beziehungen der Stadt Frankfurt. „Die Stadt würde gerne den Aufbau ziviler Strukturen in Kairo unterstützen und ein konkretes Projekt fördern“, sagt er.
Immer noch keine Nachricht vom Kontaktmann
Aber zur Zeit geht es um das nackte Überleben. Schon jetzt wächst die Zahl von Flüchtlingen aus arabischen Ländern, die bei den Beratungsstellen des Regionalverbandes um Hilfe nachsuchen. Noch im November hatte er mit einer zwölfköpfigen Delegation Kairo besuchen können, wie auch schon zuvor im September und im Mai.
Doch im November war es den Frankfurtern nicht mehr gelungen, vom Gouverneur von Kairo, Abdel Qawi-Khalifa empfangen zu werden. „Das ist ein Ingenieur, der viel mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in Eschborn kooperiert hat, ein Freund Deutschlands“, berichtet Mattis. Noch im Mai 2011 hatte Qawi-Khalifa mit den Frankfurtern gesprochen. „Doch danach sind die Kontakte nicht mehr in Gang gekommen.“
Der Oberkirchenrat hält es für unbedingt nötig, dass gerade Frankfurt mit seiner großen demokratischen Tradition Kairo hilft. Im September noch hatten zwölf junge Ägypter auf Einladung des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit Frankfurt besucht, Jugendzentren in den Stadtteilen besichtigt, erinnert sich Frank Wittersheim vom Referat für internationale Beziehungen. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte Gouverneur Qawi-Khalifa schriftlich zum Besuch in Frankfurt eingeladen. Bis heute kam keine Antwort.
In dieser schwierigen Lage halten die jungen Mitarbeiter des Evangelischen Regionalverbandes noch über Facebook zu ihren Freundinnen und Freunden in Kairo Kontakt. Es ist, sagt Pfarrer Mattis, nur eine dünne Schnur.

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