Die Vier-Euro-Grenze ist überschritten. Wer mit der S-Bahn von Frankfurt nach Bad Vilbel, Offenbach oder Oberursel fahren möchte, muss seit dem heutigen Sonntag 20 Cent mehr in den Automaten werfen. 4,10 Euro kostet das Einzelticket der Preisstufe 4 für Erwachsene im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Für das Stadtgebiet Frankfurt 2,50 Euro – und damit 10 Cent mehr.
Preisstufe 4: Das Erwachsenen-Einzelticket kostet künftig 4,10 Euro. Laut Pro Bahn stieg der Preis seit 2004 um 26 Prozent; der der Tageskarte sogar um 29 Prozent.
Preisstufe 3: Für Erwachsene verteuert sich die Monatskarte um 2,50 Euro auf 78,50 Euro. Im Jahre 1999 kostete sie noch 54,95 Euro.
Azubis und Schüler zahlen für Wochenkarten in Preisstufe 1 bis 7 zwischen 30 und 90 Cent, für Monatskarten zwischen 50 und 3,10 Cent mehr.
„Der Nahverkehr in Hessen ist zum Luxusartikel geworden, wer kann, steigt aufs Auto um“, sagt Thomas Bayer vom Fahrgastverband Pro Bahn. Die Preiserhöhung von durchschnittlich 2,7 Prozent treffe neben Geringverdienende vor allem Berufspendler mit Zeitkarten: „Bei ihnen wurden die Preise in den letzten zwölf Jahren um 25 bis 40 Prozent erhöht.“ Auch Hessens SPD und Grüne sparen nicht mit Kritik. Wie die des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) richtet sie sich an die hessische Landesregierung. Für die von Wiesbaden vorgenommenen Kürzungen müssten nun die Fahrgäste die Zeche zahlen.
Schuldenbremse ist Schuld
Diese Kürzungen haben freilich nichts mit den aktuellen Preiserhöhungen zu tun. Als der RMV-Aufsichtsrat sie im Sommer beschloss, war noch nicht bekannt, dass Hessens drei Verkehrsverbünde wegen der Schuldenbremse im kommenden Jahr mit zwanzig Millionen Euro weniger auskommen müssen als erwartet. So steht es im Haushaltsentwurf, den der Landtag demnächst verabschieden will. Es ist höchst wahrscheinlich, dass deshalb die Preissteigerungen im nächsten Jahr noch deftiger ausfallen. „Wie hoch, kann ich noch nicht sagen“, sagt RMV-Chef Knut Ringat. Auch sei es kein Tabu, die Angebote zu kürzen. Denn im nächsten Jahr müsse der Verbund auch noch acht Millionen Euro mehr Nutzungsgebühr für Stationen und Schienen an die Bahn zahlen. Und der Bund will zudem noch Zuschüsse streichen.
Höhere Kosten für Diesel, Strom und das Personal – damit hatte der Aufsichtsrat im Sommer die 2,7-prozentige Erhöhung begründet. „Eine gewisse Abdämpfung“, sagt RMV-Sprecher Peter Vollmer, erfolgt durch die geänderten Preise für Tageskarten. Die sind stets günstiger als zwei Einzelkarten. Mit zwei Ausnahmen: Stadtgebiet Frankfurt und Wiesbaden/Mainz. Außerdem werde an einem günstigeren Tarif für die Strecke Frankfurt–Offenbach gearbeitet.
Wie RMV-Sprecher Vollmer ergänzt, decken die Erlöse durch den Fahrkartenverkauf derzeit 54 Prozent der Kosten. Der Rest kommt von den Steuerzahlern – sprich Kommunen, Landkreisen und Land. Diese Balance gewährleiste, dass die Kürzungen öffentlicher Zuschüsse nicht zu extremen Preissteigerungen führten.

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