Vom Desastro zum Desiro. Das von Desaster abgeleitete Wort am Satzanfang hat der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat, am Freitagmorgen ausgesprochen. Der Verkehrsexperte wollte damit wohl andeuten, dass die Probleme der Zugbeschaffung den Verantwortlichen so manches graue Haar wachsen ließen. Der Desiro wiederum steht mit seinen Gattungsgenossen Talent und der noch aufzufrischenden Flotte von Doppelstockwagen für eine bessere Zukunft.
Der kleine Bahnhof mit den drei auf Gleis 1a frisch geföhnt und geputzt angetretenen Fahrzeugen, den die Deutsche Bahn zusammen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund am großen Frankfurter Hauptbahnhof aufgeboten hatte, ist aber auch ein Signal. Ein Signal zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember, das verheißt: Alles wird gut – die Frage ist nur, wann. 225 Millionen Euro investiert die Bahn bis 2014 in den mittelhessischen Regionalverkehr. Neue Züge mit heller ansprechender Ausstattung, mit Videoüberwachung und Bildschirmen, auf denen die Fahrgäste tatsächlich laufend über Aktuelles informiert werden, sollen vor allem für mehr Komfort sorgen.
Auf der Niddertalbahn (Bad Vilbel – Nidderau – Glauburg-Stockheim) werden sukzessive bis August 2013 moderne und leise Dieseltriebwagen die bislang dort verkehrenden lokbespannten Doppelstockzüge weitgehend ersetzen. Die Triebwagen vom Typ Desiro verfügen über eine Klimaanlage. Die verbleibenden Doppelstockwagen werden nach und nach modernisiert und voraussichtlich ab Dezember 2014 von emissionsärmeren Dieselloks gezogen.
Profitieren sollen auch die Anwohner an den Bahnstrecken, die oft genug von alten Eisenbahnwaggons und veralteten Diesellokomotiven gequält werden. Bis allerdings überall Besserung in Sicht ist, dauert es noch eine Weile. Im Niddertal auf der Strecke Bad Vilbel–Nidderau–Glauburg-Stockheim bis Ende 2014. Auf der Main-Weser-Bahn (Frankfurt–Gießen–Marburg–Kassel) ist der Austausch der Flotte bis Dezember 2013 vorgesehen. Bis ins Frühjahr 2014 wird es dauern, bis im Kinzigtal (Frankfurt–Fulda) kein altes Eisen mehr herumfährt.
Entlang der Nidder werden sukzessive bis August 2013 moderne und leisere Dieseltriebwagen die dort fahrenden Doppelstockwagen ersetzen. Der Typ Desiro verfügt über eine Klimaanlage. Keineswegs auf das Abstellgleis geschoben werden die Doppelstockwagen.
131 alte Züge sollen bis zum Jahresende aufgemöbelt werden, und ein Teil dieser aufgehübschten, ebenfalls klimatisierten Flotte wird dann von „emissionsärmeren“, sprich leiseren Dieselloks durch die Wetterau gezogen werden. Unabhängig davon werden hessenweit 21 neue Doppelstockwagen in Betrieb genommen.
Probleme gibt es noch mit dem Typ Talent. 22 fertige Züge stehen nach Auskunft von Immo von Vallois in der Bombardier-Fabrik in Hellersdorf und warten auf grünes Licht durch das Eisenbahnbundesamt. Der Sprecher des weltweit tätigen Herstellers deutete bei der Präsentation in Frankfurt an, dass die deutschen Prüfer pingeliger seien als deren Kollegen im Ausland.
Der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) und der Erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises und RMV-Aufsichtsratsvorsitzende André Kavai (SPD) bekräftigten die notwendige und gute Zusammenarbeit zwischen der Region und der Main-Metropole. Nur gemeinsam seien die Milliardenprojekte Regionaltangente West (Direktverbindung aus dem Taunus zum Flughafen) und die nordmainische S-Bahn zu stemmen. Kavai mahnte beim Bund eine bessere Koordinierung der Genehmigungsverfahren an. Verzögerungen schadeten dem Image Deutschlands als Wirtschaftsstandort.
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