Die Polizei hat bei ihrem Vorgehen gegen das radikal-muslimische Netzwerk „DawaFFM“ am Donnerstagmorgen zahlreiche Gebäude im Rhein-Main-Gebiet durchsucht. Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte am Nachmittag in Wiesbaden: „Die Moschee in der Raimundstraße in Ginnheim ist dabei gewesen.“
Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich (CSU) verbietet am Donnerstag einen wichtigen salafistischen Verein, das Netzwerk Millatu Ibrahim. Gegen zwei weitere salafistische Gruppierungen, Dawa FFM und Die Wahre Religion lässt er vereinsrechtliche Ermittlungsverfahren einleiten.
Foto: dpaWelche anderen Orte zu den 26 Zielen in Hessen zählten, verriet der Minister nicht. 250 Polizisten seien landesweit im Einsatz gewesen – mit einem Schwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet. Hessen sei „mit diesem Missionierungsnetzwerk DawaFFM leider zu einem Zentrum“ der gefährlichen Bewegung geworden, urteilte Boris Rhein.
Der Salafismus ist eine radikale Strömung des Islam, die fordert, sich auf die ursprünglichen Quellen, den Koran und die Sunna, die Überlieferungen des Propheten Muhammads sowie das Islamverständnis seiner Gefährten zurückzubesinnen, die „salaf-as-salih“. Theologische Weiterentwicklungen lehnen die Salafisten ab.
Seit 2009 hält der Prediger Abdellatif Rouali, der zum Dawa-Netzwerk gehört, Islamunterricht und tingelt durch verschiedene Moscheen in Hessen – zumeist in Frankfurt. Mittlerweile predigt er nur noch in der Falah-Moschee in Ginnheim, die am Donnerstag durchsucht wurde, und in der Ar-Rahma-Moschee in Kassel. Früher hielt er auch Vorträge in der Bilal-Moschee in Griesheim, bis die Stadt Frankfurt den Moscheeverein über die Inhalte der Vorträge aufklärte – denn diese stehen im Widerspruch zum Grundgesetz.
Behörden prüfen Verbot nach Vereinsrecht
Nach Ansicht von DawaFFM müssen die islamischen Schriften Koran und Sunna, die als authentisch geltenden Überlieferungen über die Handlungen und Taten des Propheten Muhammad, wortwörtlich ausgelegt werden. Ihre Vorbilder sind die ersten drei Generationen nach dem Tod des Propheten, die sogenannten „salaf-as-salih“. Jede theologische Weiterentwicklung lehnen sie als Neuerung ab. Dieses Islamverständnis sei die einzige Wahrheit.
Innenminister Rhein betonte, die Lehren der Salafisten seien „nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Übereinstimmung zu bringen“. Sie verstießen gegen die Grundsätze der Demokratie und der Gleichberechtigung. Außerdem hätten die Sicherheitsbehörden „durchaus Hinweise“ auf Verbindungen zur gewaltbereiten islamistischen Szene. Daher sei es richtig, jetzt ein Verbot von DawaFFM nach dem Vereinsrecht zu prüfen, fügte Rhein hinzu.
Der vielfach als islamistisch eingestufte salafistische Prediger Pierre Vogel (r) und der als Hassprediger kritisierte Abu Ameena Bilal Philips.
Wann das vereinsrechtliche Ermittlungsverfahren abgeschlossen werde, könne er nicht sagen. „Das kann schon einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte der Minister. Ziel der Ermittlungen sei es, „auch etwas über Geldströme“ zu erfahren. Deshalb hätten die Beamten bei den Durchsuchungen auch Kontodaten sichergestellt.
Die hessischen Grünen und die SPD begrüßten das Vorgehen gegen radikale Salafisten. Die Landesregierung müsse aber auch Prävention betreiben, forderten Jürgen Frömmrich (Grüne) und Nancy Faeser (SPD).
Die Grünen verlangten ein Aussteigerprogramm für junge Menschen. „Wer solche Formen des Steinzeit-Islamismus bekämpfen möchte, der muss das Problem an seiner Wurzel packen und den Zulauf zu solchen Strömungen stoppen.“ Deshalb müsse man Menschen, die in diesen Vereinen nach Halt und einem Sinn im Leben suchten, Alternativen anbieten, sagte Frömmrich.
Der Minister stimmte zu. „Es gehört in der Tat dazu, sich Gedanken zu machen über ein sinnvolles Aussteigerprogramm“, sagte er. Nach Angaben des Ministeriums denken Sicherheitsbehörden der Bundesländer über ein gemeinsames Vorgehen nach. „Das ist in diesem Bereich etwas schwerer als im Bereich des Rechtsextremismus“, sagte Rhein.
Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."
Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.
Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.
Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.
Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.
Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.
Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.