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19. Oktober 2010

Schöne neue Netzwelt: 100 Euro oder Hausdurchsuchung

 Von Georg Leppert
Download gefällig?  Foto: dapd

Ein Betrüger verschickt E-Mails an wildfremde Menschen und wirft ihnen vor, Musik illegal herunterzuladen. Ist aber nicht schlimm - so sie ihm Geld zahlen. Das scheint besser zu klappen, als seinerzeit die vielen "Geschäftsideen" der "nigerianischen Ölminister".

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Downloads

Der Betrüger, der Mails an ahnungslose Internetnutzer schickt, versucht, von der Verunsicherung bei Downloads von Musik, Filmen oder Spielen im Internet zu profitieren. Denn nicht immer, wenn es im Netz heißt „Free Download“, ist es auch legal, sich die Dateien auf den eigenen Rechner zu laden.

Plattformen im Netz, die sich häufig Tauschbörsen nennen, machen gerade der Musikindustrie das Leben schwer. Ein Internet-Nutzer stellt ein Lied ein, viele andere bedienen sich. Auf einen legalen Download, so die Schätzungen der Industrie, kommen acht illegale.

Rechtlich handelt es sich dabei um Verstöße gegen das Urheberrecht. Und die werden immer häufiger auch geahndet. Im Jahr 2009 gab es mehr als 13.000 Zivilverfahren, bei denen Internetnutzer Schadensersatz zahlen sollten. Tendenz steigend, denn mit den Abmahnungen können Anwälte viel Geld verdienen. Der Paragraf, wonach die Anwaltskosten in „einfachen Fällen“ 100 Euro nicht übersteigen dürfen, kommt fast nie zur Anwendung.

Strafbar macht sich, wer mit illegalen Downloads handelt. Darauf stehen bis zu drei Jahre Gefängnis. (geo)

Der Betrüger nennt sich Florian Giese, gibt sich als Rechtsanwalt aus und verschickt in diesen Tagen Tausende von E-Mails. Seine Masche: Den Empfängern Angst machen, ihnen mit juristischen Schritten drohen und sie so dazu bringen, an ihn 100 Euro zu zahlen. In vielen Fällen, so die Befürchtung der Polizei, dürfte „Florian Giese“ damit Erfolg haben.

Bei der Frankfurter Rundschau gingen am Dienstag gleich mehrere dieser Mails ein. Darin behauptet der angebliche Anwalt, er vertrete die Interessen der Firma Videorama in Essen. Den Empfängern der Mails wirft der Betrüger vor, sie hätten sich illegal Musik aus dem Internet heruntergeladen und damit gegen das Urhebergesetz verstoßen. Angegeben sind die „IP Adresse zum Tatzeitpunkt“ und ein Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

In dem Schreiben fährt der Betrüger schwere Geschütze auf. Den angeblichen Verdächtigen drohten eine Hausdurchsuchung, ein Gerichtsprozess, eine hohe Geldstrafe, dazu Schadensersatzansprüche . Doch „Florian Giese“ zeigt auch einen Weg auf, das ganze Verfahren abzukürzen und erheblich billiger zu gestalten. Gegen eine Zahlung von 100 Euro lasse sich die Angelegenheit außergerichtlich lösen.

Die Empfänger müssten ihm das Geld nur mit dem relativ neuen UKASH-Verfahren zukommen lassen, heißt es weiter. Dabei kaufen die Kunden in Geschäften oder an Tankstellen Gutscheine für einen bestimmten Wert. Mit dem darauf angegebenen Code können sie dann im Internet bezahlen. Dieses Verfahren mache es sehr schwierig, den Empfänger des Geldes zu ermitteln, sagt Uwe Müller vom Betrugskommissariat K 22 der Frankfurter Polizei.

Server im Ausland

In Frankfurt seien die betrügerischen Mails am Dienstag erstmals aufgetaucht, so der Polizist. Bundesweit habe es aber in den vergangenen Tagen zahlreiche Fälle gegeben. Die Ermittlungen gestalteten sich problematisch, sagt Müller. Vieles spreche dafür, dass der Betrüger vom Ausland aus agiere. Erste Spuren deuteten darauf hin, dass er Server in Osteuropa oder in China nutze.

Wie viele Menschen für Downloads zahlen sollen, obwohl sie gar nicht oder zumindest nicht illegal Musik aus dem Internet heruntergeladen haben, weiß die Polizei nicht. Müllers Sorge: Viele Empfänger zahlten an „Florian Giese“, weil sie die Mail ernst nehmen. Die Kripo rät auf alle Fälle dazu, die Schreiben zu ignorieren oder aber eine Strafanzeige zu erstatten.

Dass es Betrüger gerade jetzt mit dem Vorwurf illegaler Downloads versuchen, ist kein Zufall. Denn derzeit verschickten viele (echte) Anwälte Abmahnungen an Menschen, die sich Musik heruntergeladen haben, sagt der Frankfurter Rechtsanwalt Hartmut Tschacksch: „Damit verdienen manche Kollegen jede Menge Geld.“ Ihm sind Fälle bekannt, in denen Anwälte wegen Verstößen gegen das Urheberrecht mehr als 10.000 Euro forderten

Der Betrüger, der sich Giese nennt, versuchte es aber auch schon mit einer anderen Variante. Im Sommer verschickte er Mails, in denen er behauptete, die Empfänger hätten sich illegal Pornofilme heruntergeladen. Dafür müssten sie nun bezahlen. Vermutlich hätten viele Internetnutzer, die sich tatsächlich Sexfilme aus dem Netz ziehen, gezahlt, glaubt Kripo-Beamter Müller: „Schon aus Angst, ihr Hobby könnte sonst öffentlich bekannt werden.“

Den Rechtsanwalt Florian Giese und die Firma Videorama gibt es übrigens tatsächlich. Giese arbeitet in Hamburg und betont auf seinen Internetseiten, er habe die Mails nicht verschickt. Videorama stellt Pornos her und diente dem Betrüger bereits im Sommer als angeblicher Mandant. Mit Rechtsanwalt Giese habe die Firma noch nie zusammengearbeitet, sagt eine Sprecherin, die die betrügerische Mail in dieser Woche selbst erhalten hat. Mittlerweile hat Videorama die ganze Angelegenheit der Kriminalpolizei übergeben.

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