Der Duft von Seifenwasser weht über den Linoleumflur im dritten Stock der Container-Anlage am Länderweg in Sachsenhausen. Sophie Schmidt steht mit dem Putzeimer vorm Wandschrank und wischt über die Einlegeböden. Morgen früh wird die junge Lehrerin ihre neuen Fünfer in der Klasse empfangen, bis dahin muss alles tipptopp und unterrichtstauglich sein.
In den Zimmern nebenan schleppen ihre Teamkollegen vom Jahrgang fünf Tische und Stühle, richten gleichfalls ihre Klassenzimmer ein. Sie alle haben sich auf viel Zusatzarbeit eingestellt, sagt Sophie Schmidt. Vor Monaten schon, als sie sich auf das Abenteuer „Schule im Aufbau“ eingelassen und an der IGS Herder beworben haben. In den nächsten Jahren wird sie am Basisstandort Wittelsbacherallee zur neuen Integrierten Gesamtschule mit gebundenem Ganztagsangebot heranwachsen.
Aktuell wird an 36 Schulen in der Stadt gebaut. Fünf Schulen müssen deshalb teilweise in Containern unterrichten, vier Schulen wurden komplett in mobile Klassenzimmer im Baukasten-System ausquartiert: die Hellerhof-Schule, die Schule am Landgraben, die Grundschule Kalbach und die Carl-Schurz-Schule.
Aus dem Konjunkturprogramm von Bund und Land fließen 91 Millionen Euro in die Schulen, bei denen die Arbeiten bis Ende 2011 abgeschlossen sein müssen. Die Stadt investiert weitere 129 Millionen aus eigenen Mitteln. ana
Neue Schule, neues Schuljahr, neues Team, neue, rhythmisierte Unterrichtsangebote im Ganztagsbetrieb – schon die Planung und Abstimmung brächte Arbeit genug. Ein bisschen genervt sind deshalb alle am Tag vorm großen Start: „Dass wir auch noch Hausmeisterarbeiten machen, hätten wir nicht gedacht.“ Immerhin bleibt ihnen der Baulärm und Dreck erspart, unter denen die verbliebenen Schüler und Lehrer an der Wittelsbacher zu leiden haben.
Hans-Peter Müller weiß schon seit August 2008 nicht mehr, wie normierter Schulalltag geht. Der Leiter der Außenstelle der Paul-Hindemith-Schule, die absehbar zur selbstständigen IGS West im künftigen Neubau der Höchster Palleskestraße heranwachsen soll, hat den laufenden Schulbetrieb mit wachsender Lehrer- und Schülerschaft im Exil der Zeilsheimer Käthe-Kollwitz-Schule zu organisieren. Und mit dem neuen Jahrgang kommt jetzt auch noch Lernen im Container dazu.
Pardon, im Pavillon. Schick in Gelb, Orange und Olivgrün leuchtet die zweigeschossige Baukasten-Anlage mit sechs Räumen im Schulhof der Käthe-Kollwitz-Schule. Aber im Inneren ist längst nicht alles komplett. Terminverzögerungen beim Aufbau haben auch die georderten Möbellieferungen der Schule ins Schleudern gebracht. „Eigentlich wollten wir in der vierten Ferienwoche einziehen.“ Jetzt, sagt Müller, fehlen Regale für Schüler und Möbel für den „Lehrerstützpunkt“ des neuen Jahrgangsteams.
Gute Improvisation ist alles
Die neuen Fünfer der IGS West in spe und die neuen Käthe-Kollwitz-Schüler bekommen die Lektion in ihrer Zweck-WG auf Zeit gleich zum Schulanfang mit auf den Weg: Sie feiern Willkommen im Kirmeszelt auf den Schulhof, weil die Turnhalle der Grundschule grad saniert und ansonsten kein Raum mehr frei ist. Ausweichen müssen auch die 47 ABC-Schützen samt ihren Angehörigen der Bergen-Enkheimer Landgrabenschule.
Im laufenden Unterrichtsbetrieb haben Lehrer mit tatkräftiger Unterstützung der Elternschaft die komplette Schule aus dem Altbau in einen zweigeschossigen Pavillon auf die grüne Wiese des Bergener Turnvereins umgezogen. In dessen Turnhalle begrüßt die Schule heute auch ihre Neuen.
Auch Karin Hechler, Schulleiterin der Schillerschule, weiß nur zu gut, dass Improvisation ist alles: „Und es ist wichtig, immer das Ziel vor Augen zu haben.“ In ihrem Fall heißt das: generalsanierte Schule. Der Preis dafür: Die Klassen 8, 9 und die Oberstufe sind in die Pavillons am Länderweg ausquartiert, Schüler müssen mühselig hin- und herpendeln, Absprachen und Informationsfluss werden schwerer. „Und wir mussten die traditionelle Begrüßung aller Schüler am Montag ausfallen lassen“, sagt Hechler. Die Mensa ist Baustelle. Die 150 neuen Fünfer werden deshalb heute im benachbarten Gemeindesaal begrüßt. Anfang im Provisorium – aber das Ziel hat ja doch immerhin einen Zeitpunkt: Anfang 2011.

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