kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

19. Juli 2012

Scientology Ausstellung: Fragwürdige Kritik an der Psychiatrie

 Von Alicia Lindhoff
Scientology führt bereits seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen die Psychiatrie. Foto: Martin Weis

Die Ausstellung "Psychiatrie: Tod statt Hilfe!" will in Bockenheim über die vermeintliche Pseudowissenschaft und ihre Methoden aufklären. Der Knackpunkt dabei ist die Verbindung zu Scientology.

Drucken per Mail

Als erstes fallen die schwarzen Transporter auf, die in Seitenstraßen der Leipziger Straße stehen. Darauf ist ein in unheimliches Licht getauchtes Krankenbett abgebildet – Fuß und Handfesseln liegen auf dem Laken. „Psychiatrie: Tod statt Hilfe!“ steht darüber. Es ist der Name einer Ausstellung, die am Donnerstag in einem großen Erdgeschossraum des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes startet.

Als eine Helferin um zehn Uhr morgens die Türen öffnet, bleiben einige Menschen stehen, nur wenige gehen hinein. Die drastischen Bilder und reißerischen Slogans, mit denen im Fenster auf die Ausstellung hingewiesen wird, scheinen faszinierend und abschreckend zugleich zu wirken. Ein kleines Mädchen bleibt stehen, möchte gucken, aber ihre Mutter zieht sie nach einem kurzen Blick weiter: „Nein, nein, das ist nichts für uns“, sagt sie.

Psychiater seien kriminelle Menschen

Drinnen hält die Ausstellung, was die Plakate versprechen. Auf großen Stellwänden und in Filmen zeichnet sie ein grausiges Bild der „Psychiatrie“ als einer Pseudowissenschaft, die willkürlich psychische Krankheiten erfindet, um sich dann an deren Behandlung mit potenziell tödlichen Psychopharmaka eine goldenen Nase zu verdienen.

Die Ausstellung setzt auf reißerische Parolen und arbeitet mit verkürzten Zitaten.
Die Ausstellung setzt auf reißerische Parolen und arbeitet mit verkürzten Zitaten.
Foto: Martin Weis

Psychiater werden als oftmals kriminelle Menschen dargestellt, die mit ihrer Arbeit Menschen aus der Gesellschaft aussondern, „die man nicht haben will“. Am Pranger stehen zudem Zwangsbehandlungen in psychiatrischen Anstalten.

Einige der Kritikpunkte, etwa am Einsatz von Psychopharmaka oder an umstrittenen Krankheitsbildern wie ADHS, sind durchaus diskutierenswert. Der Besucherin fällt jedoch schnell auf, dass die Art, wie die Ausstellung einen gesamten Berufsstand diffamiert, auf reißerische Parolen setzt, mit verkürzten Zitaten arbeitet und „die Psychiatrie“ (zwischen so unterschiedlichen Methoden wie Psychoanalyse und Verhaltenstherapie wird nicht differenziert) für nahezu jedes Übel in der Welt, vom Holocaust bis hin zu den Amokläufen von Winnenden und der Columbine-Schule, verantwortlich macht, wenig seriös ist.

Die Kommission wurde von Scientology gegründet

Erklärt wird, die Psychiatrie habe alle Bereiche des öffentlichen Lebens unterwandert – von der Politik bis hin zu Bildungseinrichtungen. Die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM), die hinter der Ausstellung steht, wurde in den 70er-Jahren von Mitgliedern der „Church of Scientology“ gegründet, der Kritiker eben diese „Unterwanderung“ vorwerfen.

Seit 2003 tourt die Wanderausstellung durch die Welt.
Seit 2003 tourt die Wanderausstellung durch die Welt.
Foto: Martin Weis

Die Ausstellung „Psychiatrie: Tod statt Hilfe!“ ist eine Wanderausstellung. Seit 2003 tourt sie durch die Welt, war nach Aussage von KVPM-Sprecherin Nicole Kramer in ganz Deutschland zu sehen. Im vergangenen Jahr bespielte die KVPM sogar einen großen Raum auf der Zeil.
Kritiker werfen den Ausstellungsmachern vor, eine Art verschleierter Mitgliederwerbung für Scientology zu betreiben. Nicht nur mit der Ausstellung, sondern auch mit Drogenhilfeprogrammen und Bildungsangeboten richte sich Scientology an Menschen in Not und damit an Menschen, „die leichter zu beeinflussen sind“, sagte Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin vor einigen Jahren dieser Zeitung.

Kein Konflikt für die Ausstellungs-Macher

Nicole Kramer verhehlt zwar keineswegs, dass viele der KVPM-Ehrenamtlichen Scientologen sind und die Ausstellung hauptsächlich aus Scientology-Mitteln finanziert wird, sieht darin aber keinen Konflikt: „Uns geht es um die Durchsetzung der Menschenrechte. Die persönliche Weltanschauung der Ehrenamtlichen spielt da keine Rolle.“

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Online-Kataloge
Anzeige
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Felix Helbig ist tot

Mit nur 32 Jahren starb unser Freund und Kollege Felix Helbig am 13. Februar 2013. Auf dieser Seite erinnern wir uns an ihn und veröffentlichen nochmal seine schönsten und bedeutendsten Texte.

Spezial

Ein Schwarzer gerät in der U-Bahn in Konflikt mit Fahrkarten-Kontrolleuren und der Polizei Frankfurt. Am Ende liegt er im Krankenhaus. Die Polizei sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Das Spezial.


Spezial: Vorwürfe gegen Polizei Frankfurt
Zur Sache

Derege Wevelsiep steigt Mitte Oktober mit gültigem Fahrausweis in eine Frankfurter U-Bahn - und wird nach einem Wortgefecht mit Kontrolleuren von herbeigerufenen Polizisten verprügelt.

Wegen seiner Verletzungen muss er drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Die Frankfurter Polizei ermittelt intern gegen vier Beamte des 6. Reviers, die der äthiopischstämmige Diplom-Ingenieur beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Sein Anwalt wirft den Beamten Hausfriedensbruch, Beleidigung und Körperverletzung vor.

Im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los, über soziale Netzwerke wird eine Solidaritäts-Demo organisiert.

Auch der Landtag befasst sich mit dem Fall.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Mountainbike-Touren im Video
Spezial

Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil. Das Spezial.


Spezial: Peter Feldmanns Politik
Instrument lernen in Frankfurt
Trompete steht bei kindern hoch im Kurs.

Musik ist etwas Wunderbares - besonders wenn man selbst ein Instrument erlernt. Doch welche Schule in Frankfurt ist für wen die richtige?

Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.