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Interxion : Sechstes Rechenzentrum für Datenverkehr

18 Millionen Euro hat Interxion investiert, um weitere 1600 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche bereitzustellen. Mit dem enorm wachsenden Datenverkehr boomt auch die Branche. Und längst zählt Frankfurt zu den Top-Standorten des Datenverkehrs.

        

Ganz schön schnell: Frankfurter Datenkabelsalat.
Ganz schön schnell: Frankfurter Datenkabelsalat.
Foto: FR/Andreas Arnold

Gestern noch unscharfe Urlaubsbilder von Mallorca bei Facebook eingestellt, dann getwittert, dass es in Frankfurt regnet, und jetzt noch ein Video von Menowin Fröhlich bei You Tube runtergeladen (vor allem den schicken Streifen mit Super-Blondine Kathie Steininger) – so kann man das Internet auch nutzen, und so nutzen es nicht wenige. Aber es geht auch anders: Ob Urlaubsplanung, Banküberweisung, ob Vorabcheck des Ferienorts über Google Earth, ob Buchbestellung im Online-Antiquariat, die Buchung eines Fluges, die Fahrplanauskunft bei der Bahn oder die Routenplanung auf der Website von Rhein-Main-Verkehrsverbund oder VGF: Ohne Internet geht heute fast nichts mehr.

Das rasante Wachstum macht sich vor allem dort bemerkbar, wo die Infrastruktur für die riesigen Datenströme aufgebaut und gepflegt wird. Etwa an der Frankfurter Kleyerstraße, wo ein Unternehmen wie Databurg Räume für Rechner bereitstellt, über die Daten im Internet ausgetauscht werden. Oder an der Hanauer Landstraße, wo Interxion am Mittwochabend das sechste Rechenzentrum auf dem Campus des Unternehmens unweit des Ratswegkreisels in Betrieb genommen hat. 18 Millionen Euro hat Interxion investiert, um weitere 1600 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche bereitzustellen.

Decix
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Netznutzer
Wachstum
Prognose

Mit dem Decix verfügt Frankfurt über einen der wichtigsten Internetknoten weltweit. Das Tochterunternehmen des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft (eco) verknüpft die Netze von 350 Internet-Service-Providern aus 40 Ländern in der Stadt am Main.

Google, Yahoo, Microsoft, aber auch zahlreiche Telefongesellschaften und Forschungsnetzwerke zählen zu den Kunden des Internetknotens. Decix hat im Markt des Datenaustauschs in Deutschland einen Marktanteil von 90 Prozent

In diesem Jahr ist der Internetknoten Decix 15 Jahre alt geworden.

Der Datenverkehr, der über den Internetknoten läuft, verdoppelt sich derzeit jedes Jahr. 2009 ist jeden Tag eine Datenmenge durch die Glasfaserkabel geflossen, die dem Inhalt von 178000 Blue Ray Discs entspricht. In diesem Jahr dürfte die Menge deutlich größer sein.

Frankfurt ist unter den bundesdeutschen Internet-Standorten mit deutlichem Abstand die Nummer 1. In der zweiten Reihe folgen Städte wie Düsseldorf, München und Berlin.

Knapp 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ist nach Angaben der ARD/ZDF-Online-Studie zumindest gelegentich im Netz: 49 Millionen Menschen. Drei Viertel von ihnen sind täglich im Netz. Die häufigste Nutzung ist das Schreiben und Empfangen von E-Mails.

Das größte Wachstum im Datenverkehr weltweit prognostiziert der US-amerikanische Telekommunikationshersteller Cicso für Lateinamerika, wo die Datenmengen im Internet jährlich um voraussichtlich 50 Prozent zunehmen werden.

Cicso erwartet, dass 2014 weltweit mehr als 90 Prozent des gesamten Datenverkehrs auf Internet-Video, Internet-Fernsehen (IPTV) und privaten – legalen wie illegalen – Datenaustausch entfallen werden.

Die größten Datenmengen fließen dann wegen des Runterladens von Videos – und nicht mehr wegen des sogenannten Filesharings, bei dem über legale oder illegale Adressen etwa die Musik von CDs getauscht werden.

Ein wichtige Rolle werden Media- und Online-Videotheken für das Verkehrsaufkommen spielen. Cisco prognostiziert bis 2014 eine monatliche Datenmenge im Internet, die dem Inhalt von 16 Milliarden DVDs entspricht. (schu)

Mit dem enorm wachsenden Datenverkehr boomt auch die Branche. Und längst zählt Frankfurt zu den Top-Standorten des Datenverkehrs. „Frankfurt ist ein zentraler Platz, die Nummer 1 weltweit“, sagt Peter Knapp, Geschäftsführer von Interxion. „Wir spielen hier in der absoluten Champions-League, was immer noch nicht bekannt ist.“

Interxion vermietet besonders gesicherte, gekühlte und mit einer extrem stabilen Stromversorgung ausgestattete Räume für Provider und Carrier, Unternehmen, die privaten Nutzern wie Unternehmen den Zugang zum Netz der Netze ermöglichen, etwa Telekom, O2 oder Vodafone. Diese Unternehmen bringen ihre leistungsstarken Rechner in Räumen von Interxion oder Databurg unter, wo über die Hochleistungscomputer das eigene Netz mit den Netzen anderer Anbieter verknüpft wird. Sonst hätte der Telekom-Kunde Probleme, mit dem Nutzer eines Vodafone-Anschlusses zu kommunizieren. Interxion verfügt inzwischen über 200.000 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche in Europa, davon 15.000 Quadratmeter in Frankfurt.

Knapp beschreibt die sechs Rechenzentren als „riesiges Spinnennetz“, in dem sich die 150 Kunden von Interxion wechselseitig vernetzen. Allein auf dem Campus an der Hanauer Landstraße liegen rund 5000 Kilometer Glasfaser, über die die Hochleistungsrechner verbunden sind. „Die Vernetzung wächst exponentiell“, sagt Knapp, jedes Jahr kommen rund 1000 neue Verbindungen hinzu.

Die Infrastruktur für Datenaustausch, Betrieb und Pflege der Datenautobahnen kostet Energie. Mit dem Stromverbrauch der sechs Rechenzentren von Interxion könnte eine Stadt mit 110.000 Einwohnern versorgt werden. Und um die Rechner ausreichend zu kühlen, erbringt die Klimaanlage auf dem Campus die Leistung von 110000 Haushalts-Kühlschränken.

Dass Interxion wie andere Unternehmen in Frankfurt wächst, erklärt Knapp mit der Nachfrage aus dem Bereich Finanzdienstleistungen und Telefongesellschaften. Beim Handel mit Aktien entscheiden heute Millisekunden darüber, ob der Kontrakt in Frankfurt oder London abgeschlossen wird; Vorteile hat das Unternehmen, das über den schnellen und stabilen Zugang im Netz verfügt. Jede Hotelrechnung wird heute online abgewickelt, sofern Giro- oder Kreditkarte verwendet werden. Hinzu kommt die unglaublichen Mengen an Daten, die durch das Video-Streaming im Netz bewegt werden, wenn Fernsehen über das Internet läuft. Auch wenn sich die Stadtpolitik des Themas bewusst werde, große Unternehmen der Branche machten einen Bogen um den Standort Deutschland, sagt Knapp. Dafür gebe es drei Gründe: Steuerpolitik, Stromkosten und Datenschutz.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  18 | 8 | 2010
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