Manchmal ist es die Geschichte hinter der Meldung, die uns Redakteure und Katzenfreunde besonders neugierig macht. Und manchmal lässt die Recherche dann Rückschlüsse zu – auf die Verhältnisse, die mancherorts in deutschen Autos herrschen. Und in Bayerns Dienststuben. Da macht am Mittwoch übers Presse- und Informationsamt der Stadt eine Neuigkeit die Runde, die jedem anständigen Menschen das Fell zu Berge stehen lässt: Die Polizei habe eine Frankfurter Autofahrerin in Regensburg angehalten: mit 33 Katzen, „die sich frei im Fahrzeug bewegen konnten“, die meisten schwer krank. In der Frankfurter Wohnung der Frau hätten die Veterinäre des hiesigen Ordnungsamts dann die 33 Katzen in erbarmungswürdigem Zustand angetroffen.
Moment – wie bitte? Da steht: Die Polizei stoppt in Bayern eine Frau, die seit vier Tagen auf der Rückfahrt aus der Türkei ist und in deren Auto sich 33 Katzen frei bewegen. So weit, so seltsam. Wie aber sind die kranken Tiere ohne Impfpapiere dann weiter nach Frankfurt gereist? Doch sicherlich nicht in demselben Auto. Oder?
„Auch wir sind mehr als verwundert“
Weil das Thema am Mittwoch erst abends seine Dynamik entwickelt, ist in Regensburg niemand mehr zu erreichen, der Bescheid weiß. Erst mal rückversichern im Frankfurter Ordnungsamt: Ist die Frau etwa mit 33 Katzen weitergefahren? „Ja, so ist das“, sagt Behördensprecher Ralph Rohr. Wieso, um alles, hat die Polizei in Regensburg das nicht verhindert? Rohr: „Auch wir sind mehr als verwundert.“
Dann mal in Bayern anrufen. „Polizeiinspektion Regensburg-Süd, grüß Gott.“ Ach, diese Sache mit den 33 Katzen … er könne sich nicht gut erinnern, sagt Dienstgruppenleiter Helmut Träg der Frankfurter Rundschau, immerhin trug sich die ganze Geschichte schon Mitte Januar zu, also vor gut drei Wochen. „Aber ich weiß in meinem Hinterkopf“, fährt Träg fort, „dass das meine Nachtschicht war.“ Sehr gut – dieser Mann saß also in jener Nacht im Revier, während die Kollegen die Frau mit den Katzen stoppten. Und was geschah dann? „Wir haben da irgendeine Abklärung gemacht“, so viel kann er sagen, „mit’m Tierschutz oder Tierheim. Aber sonst bin ich da echt blank.“
"Da such ich mir ja einen Wolf“
Und keiner kam auf die Idee, den Transport zu unterbinden? „Da war irgendwas, dass die gesichert wurden“, überlegt Helmut Träg: „Es war definitiv, dass die freilaufenden Katzen nicht mehr der Fall waren.“ Immerhin. Noch besser wäre es zwar gewesen, wenn auch die nach Frankfurt reisenden seuchenkranken Katzen nicht mehr der Fall gewesen wären. Gibt es da nichts Schriftliches über die Angelegenheit? Wenn, dann im Einsatzmeldesystem ESM, sagt Helmut Träg. „Aber bis ich da unter 30.000 Vorgängen diesen einen gefunden hab – da such ich mir ja einen Wolf.“
Den Katzen ging es doch so schlecht
Das wollen wir ja nicht. Aber zum Glück hilft schließlich die Pressestelle in der Oberpfalz weiter. „Es war nachts um 1 Uhr“, berichtet Rudolf Forberger. „Es wurde mehrfach versucht, den Bereitschaftsarzt des Veterinäramts zu erreichen.“ Vergebens. Und die Dame wegen einer Ordnungswidrigkeit bis morgens um sieben in Regensburg festzuhalten: „Unverhältnismäßig.“ Also hätten die Kollegen das Auto mit den 33 Katzen fahren lassen. Einfach so? Nein: Die Frau am Steuer – die Tiere im abgetrennten Laderaum.
In Frankfurt nahmen die Amtsveterinäre der verwirrten Frau sämtliche Tiere weg; mindestens 21 der kranken Katzen sind inzwischen tot. Dass sie die Samtpfoten aus der Türkei mitnahm, soll die Frau damit erklärt haben, dass es den Miezen dort so schlecht gegangen sei. Wie begann die Mitteilung des Presseamtes doch gleich: „Ein erneuter Fall von falsch verstandener Tierliebe“.

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