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Senckenberg night: Tango fürs Klima

Das Senckenberg Museum verwandelt sich für eine lange Nacht zwischen Dinos und Damenwelt, zwischen Urgestein und Männerszene zu einem Partykeller in Orange und Blau.

        

Gespräche unter Drei.
Gespräche unter Drei.

Ein bisschen erleichtert ist Hannes Jaenicke schon. Denn aus seinen Zeiten als Frankfurter Junge hat er diesen Ort eher als einen in Erinnerung, den er „als bedrohlich empfunden hat“. Davon könne an diesem Samstagabend, in dieser „Senckenberg night“, mehr als vier Jahrzehnte nach seinen Besuchen als Frankfurter Junge allerdings überhaupt keine Rede mehr sein: Dieses Senckenberg Museum wandelt sich für eine lange Nacht zwischen Dinos und Damenwelt, zwischen Urgestein und Männerszene zu einem „großartigen Partykeller“, in dem Schauspieler Jaenicke, eingehüllt in orange und blaue Lichttöne, der Moderator ist.

Gegen diese Aufgabe an einem vielleicht etwas ungewöhnlichen Ort spreche für ihn gar nichts, gern habe er auf Anfrage von Organisatorin Beate Heraeus gleich zugesagt als deutlich wurde, dass man für die „Senckenberg night“ mit dem früheren Moderator Steffen Seibert nicht rechnen könne. Schließlich weiche der in Frankfurt an sich gern gesehene frühere ZDF-Mann nicht mehr von der Seite der Kanzlerin, um „die am besten abgeschottete Parallelgesellschaft in Berlin in der Öffentlichkeit“ zu vertreten.

Als Ersatz für Seibert sieht sich Jaenicke überhaupt nicht, schließlich liege ihm die Natur und die Umwelt nahe, verstehe sich ein entsprechendes Engagement von selbst, so dass der auch als Dokumentarfilmer aus dem Reich der Tiere berichtende Jaenicke im Grund genau der richtige Mann für diesen Abend ist, um „das Projekt Senckenberg“ voranzubringen. An engagierten Mitstreiterinnen mangelte es Beate Heraeus in den vergangenen Monaten der Vorbereitung dieser Nacht im Museum nicht. Keine Frage, dass Isabel Alfes, Nina Yasmin Aumann, Petra Buchmann-Gerlach, Silvia Corts, Anette Lichtenberg, Petra May, Lisa Mühlmann-Theuer und Claudia Steigenberger wieder dabei sein würden.

„Weil uns das Senckenberg so am Herzen liegt“, ist sich Silvia Corts sicher, „weil dieses Museum ein großartiges Ausstellungshaus ist“. Die Richtung stimmt. Davon ist auch Hausherr Volker Mosbrugger überzeugt. Sei es doch noch nicht lange her, dass das Museum pro Jahr 300.000 Besucher registrierte. Seitdem sich das Haus beispielsweise mit seinen Tiefseeforschungen einer breiteren Öffentlichkeit nicht mehr verschließe, seien es bereits 600000 Besucher. Tendenz steigend, und das stimme ihn ungeheuer optimistisch, sagt der als ehrgeizig geltende Direktor.

Dass sich sein Haus mit dem Titel der Ausstellung der Giga-Saurier, dieser großen argentinischen Wesen, auch mal einen „Marketing-Gag“ erlaube, gehöre nun mal dazu. Das tue dem eigenen Ansehen keinen Abbruch: Senckenberg stehe für „modernste Naturforschung“, für die es jede Menge zu tun gebe, da „die Welt als Ökosystem beliebig komplex ist“.

Da kommt es Mosbrugger gerade recht, mit seinen Naturforschern perspektivisch auf Expansionskurs gehen zu können. Zumal das Interesse an der Naturforschung wesentlich gewachsen sei, inzwischen auch anerkannt sei, dass sie im Zusammenhang mit dem Klimaschutz, der Erderwärmung und den Möglichkeiten der Tiere und des Menschen, sich anzupassen, Lebensnotwendiges zu leisten habe.

Für den Standort Frankfurt habe man große Pläne: Wenn die Goethe-Universität abgezogen ist, weitet sich Senckenberg in Richtung Gräfstraße aus. Nicht auszuschließen, dass demnächst Natur auf Kultur trifft, sollten die Pläne von Stadt und Land Wirklichkeit werden: Würden die Naturforscher auf dem weiträumigen Gelände zur Messe hin wirken, hätten die Kulturschaffenden das Quartier von der Bockenheimer Warte aus bis hin zum heutigen Hauptgebäude der Uni zu bespielen.

Für Planungen in dieser Dimension kann man eine Spende aus der „Senckenberg night“ mit 100000 Euro gut gebrauchen. Allein 42000 Euro steckten die mehr als 400 Gäste in eine Versteigerung. Eine zweitägige Expedition mit der „Senckenberg“, dem Forschungsschiff der Naturforscher, ließen sie sich beispielsweise 6500 Euro kosten. In dem Wissen, dass eine solche Reise noch spannender werden könnte als eine nicht enden wollende Nacht des Tangos neben Dinosauriern, auf die die Sängerin Ellen Kärcher ihr Publikum mit „Evita“ aus dem gleichnamigen Musical zu Beginn der unter starken argentinischen Einflüssen stehenden „Senckenberg night“ einstimmte. Eine Nacht, die nicht allein für einst verängstigt wirkende Frankfurter Buben ein ganz anderes Erlebnis gewesen sein dürfte.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  14 | 11 | 2010
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