Am Anfang war das Feuer, und das gleich zweimal: Ein glühender Erdball leuchtet dem Menschen den Weg hinein in die Ausstellung „Planet 3.0 – Klima. Leben. Zukunft“. Und drinnen sieht man unter anderem eine Steinzeitfrau, die Feuer macht: „Die Initialzündung für die Einflussnahme des Menschen auf die Erde“, sagt Bernd Herkner, Leiter des Senckenbergmuseums. Was dieser Einfluss mit dem Planeten angestellt hat, zeigt die neue Schau mit Tafeln, Modellen und Multimedia. Und viel mehr.
Einen Tag auf der Erde vor 650 Millionen Jahren zum Beispiel. Da stieg der Sauerstoffgehalt, und die Temperatur ging bald zurück. Vor 635 Millionen Jahren glich der Planet einem Schneeball. Man darf ihn anfassen, wie alle Globen in der Ausstellung. „Das ist auch eine haptische Erfahrung, etwa für blinde Besucher“, sagt Herkner. Im Parterre der Ausstellung ist die Erdgeschichte bis zum Erscheinen des Menschen dargestellt, teils mit echten Fundstücken, teils bewusst mit Kulissen in Suppentassen- und Baumarktrohr-Optik. Das soll Besucher anregen, ihre Phantasie zu benutzen: Wie könnte es ausgesehen haben, damals im Karbon, als Insekten bei 40 Prozent Sauerstoffgehalt riesenhaft wuchsen? Was geschah an der Perm-Trias-Grenze, als 90 Prozent aller Organismen ausstarben?
Die Ausstellung dauert vom 15. März bis zum 15. September, sie ist täglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, sams-, sonn- und feiertags bis 18 Uhr. Karfreitag geschlossen. Eintritt: acht Euro, Kinder vier Euro.
Für Schulklassen gibt es ein spezielles Programm zu Planet 3.0, für Lehrer Extra-Schulungen. Alle Information unter www.senckenberg.de.
Es ist die letzte große Schau in der Wolfgang-Steubing-Halle hinterm Senckenberg-Naturmuseum; Anfang 2014 wird der Zweckbau abgerissen.
Der Blick zurück liefert die Basis dazu, was die Schau will. „Wir wollen wissen: Was ist los auf unserem Planeten, und wie kriegen wir die Zukunft in den Griff“, ruft Beate Heraeus das Motto aus, Präsidentin der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung (SGN). „Wir stellen die Diagnose und schlagen eine Therapie vor“, sagt SGN-Generaldirektor Volker Moosbrugger.
Und das ist doch recht freundlich von uns, verglichen damit, was wir dem Planeten alles angetan haben. „Der Mensch war oft der schrecklichste Feind anderer Gattungen“, sagt Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), der am Mittwoch zur Besichtigung der Schau in die Steubing-Halle gekommen ist. Grund genug, die „Erde 2.0“, auf der wir heute leben, zu einem „Planeten 3.0“ weiterzuentwickeln, auf dem wieder mehr Fairness herrscht unter seinen Bewohnern.
Dass daran schon Leute arbeiten, zeigt etwa die „Schlaftomate“ im Obergeschoss: ein feuerrotes Iglu des Alfred-Wegener-Instituts, das deutliche Gebrauchsspuren zeigt. Kein Wunder – diente die Behausung doch seit 1997 bei zwei Polareinsätzen den Forschern als Schutz gegen den eisigen Wind. Ausstellungsbesucher dürfen hinein, und sie dürfen auch die wetterdichten orangefarbenen Polaranzüge anprobieren. Ein Film in der „Schlaftomate“ zeigt, wie man’s macht.
Zu sehen ist auch ein kleiner Tornado, den eine Maschine erzeugt. Sie kam einen halben Tag zu spät, aber gerade rechtzeitig mit den Kollegen aus Görlitz in Frankfurt an. Der Schnee hatte sie aufgehalten. Da sieht man, wie unser Klima sogar eine Ausstellung über die Folgen des Klimawandels beeinflussen kann.
Noch besser sieht man es in der Ausstellung. An einzelnen Stationen wird erklärt, wie der Wandel der Arten und der Wandel des Klimas einander bedingen. Kleine Krebse (in echt) und monströse Milben (extrem vergrößert) sind als Zeugen dabei. Wenn man beispielsweise eine neue Baumart in Deutschland ansiedeln will, muss vorher geklärt werden, ob unsere heimische Bodenfauna in der Lage ist, das Laub dieses Baums zu zersetzen, erklärt Projektassistent Jonas Ewert: „Dafür ist zum Beispiel der Springschwanz zuständig.“ Er hat sechs Füße, misst ein paar Millimeter (bei Senckenbergs ist er 200 Mal so groß) und frisst im Wald, was so anfällt.
„Das Besondere an der Ausstellung ist: Wir zeigen unsere eigene Forschung“, sagt Herkner, „und wir zeigen nicht nur den Status quo, sondern auch, wie die Wissenschaft zu den Erkenntnissen kam – woher wir das alles wissen.“ Und was wir tun können. „Aber es gibt nicht den Masterplan“, sagt Moosbrugger: „Wir liefern nur die Hypothese, nie die endgültige Wahrheit.“ Besucher können nicht nur ansehen, was die Experten vorschlagen, sie können auch ihre eigenen Ideen schriftlich hinterlassen.
Und für alle, die es noch genauer wissen wollen, gibt es eine Reihe von Vorträgen und Themenabenden zur Ausstellung. Los geht es am Mittwoch, 20. März, 19 Uhr, mit „Klimawandel in Deutschland, Hessen, Frankfurt – wo stehen wir?“
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