Shisha-Bars sind jetzt der letzte Schrei. Auch für manche Bewohner des Alt-Sachsenhäuser Kneipenviertels: „Ich habe geschrien wie eine Furie“, berichtet jedenfalls eine Frau aus der Paradiesgasse, die seit diesem Jahr im Viertel lebt und sich plötzlich an der Ausgehroute der Wasserpfeifengemeinde wiederfindet.
Seit vielen Jahren versucht die Stadt, das Quartier durch eine neue Bewohnerstruktur zu stabilisieren. Ein teures Förderprogramm folgt dem nächsten. Doch die beiden Shisha Bars in der Großen Rittergasse, an Wochenenden geöffnet bis früh um fünf, lassen diese Zuzügler nicht ruhen: „Von zwei Seiten schwappt der Lärm hier rein“, schildert die Frau ihre Nächte.
Und nicht nur das. Frühmorgens am vergangenen Sonntag gab es wieder eine Schlägerei auf dem Platz vor dem gerade historisch getreu sanierten Kuhhirtenturm. „Verängstigte Passanten suchten hinter geparkten Autos Schutz“, notierte ihr Lebensgefährte am folgenden Vormittag. „Erst durch Einschreiten der Polizei“ beruhigte sich die Lage.
Darauf hat der Neu-Sachsenhäuser unter „betr.: Sperrstundenverordnung“ eine zweite Petition an den Hessischen Landtag geschickt. Genauer gesagt hat er seine erste Eingabe ergänzt, die bereits Ende September rausging.
Inzwischen kommen nämlich „Sachbeschädigungen an unserem Haus“ dazu. Mal sei das Garagentor eingetreten worden, dann die Klingelanlage. Andere Häuser gerieten ebenfalls in „diesen Bandenkrieg“, wie seine Freundin es nennt. Am gestrigen Dienstag, das nahmen die Leute beim Blick nach draußen wahr, musste am Sozialrathaus in der Paradiesgasse wieder repariert werden, diesmal die Leitungen zum Blitzableiter.
In der Petition bringt die Hausgemeinschaft das Anliegen vor, „dass man zur alten Sperrstunde ab 1 Uhr zurückkehrt“. Gegenwärtig müssen nämlich die Lokale ringsum nicht länger als eine einzige Nachtstunde, von 5 bis 6 Uhr, (zum Putzen) schließen. Die veränderte Kneipenlandschaft mache aber, wird dem Landtag unterbreitet, auch veränderte Gesetze nötig: „Die Zahl der Shisha-Lokale hat zugenommen, was dazu führt, dass die Lokalbesucher sich so lange wie möglich draußen aufhalten und lärmen.“
Drinnen nämlich steht der Rauch im Raum, beschreibt es Michael Jenisch, Sprecher der Ordnungsbehörde. Die hat die Aufsicht über das Raumklima in den Kneipen: „Die Leute kriegen da drin keine Luft mehr.“ So sind die Eingaben der Sachsenhäuser „an die hiesige Stadtpolizei, Fachbereich Immissionsschutz zur Kontrolle weitergeleitet worden“, teilte man im August mit. „Eine gescheite Abluftanlage“ sei nötig, ergänzt Michael Jenisch. Schon vor Wochen erklärte die Fachreferentin Cornelia Kops der FR, „die Problematik der Shisha-Bars“ sei bekannt und man sei mit Brandschutz und Bauaufsicht auch „dabei, eine Strategie zu entwickeln, damit die Auflagen kriegen“.
Gegen Schlägereien und Sachbeschädigungen können städtische Behörden den Bürgern aber gar nicht helfen; „da ist die Landespolizei zuständig“, betont jetzt Michael Jenisch – also das nächste Polizeirevier. Und was die Sperrstunde angeht, „müssen wir mit dem gesetzlichen Rahmen leben“, sagt der Ordnungsamtssprecher. Änderungen bedürften „einer politischen Entscheidung“. Also sei zu raten, sich wegen „einer Betriebszeitverkürzung“ der Lokale an den Städtetag zu wenden.
Immerhin hat die Hausgemeinschaft im Kneipenviertel einen Brief vom Ordnungsdezernenten Markus Frank bekommen. Der teilte Ende Oktober mit, dass er die „generelle Einschränkung der Öffnungszeiten von Außengastronomie (. . . ) für notwendig“ halte.
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