Den Sinkkasten in seiner jetzigen Form wird es nicht mehr geben.“ So richtig kann Elise Henning von der kreativen Leitung des Sinkkastens noch gar nicht glauben, was sie da sagt, dass in ein paar Tagen alles vorbei sein soll. Der Sinkkasten schließt. Nach 40 Jahren. Im Januar übernehmen neue Betreiber den Laden. Der Club soll renoviert und nach einigen Wochen als Musiklokal unter neuem Namen wieder eröffnet werden.
Es war ein langer Überlebenskampf. Im vergangenen Jahr beschlossen Link und Henning, dass es so nicht weiter gehen könne. „Wir mussten verjüngen“, sagt Henning. Die 30-Jährige holte Ute Seiffert mit ins Boot, die das Programm ordentlich umkrempelte, um den Sinkkasten vor allem für jüngeres Publikum wieder attraktiver zu machen. Geld war schon lange knapp im Sinkkasten, doch die beiden Frauen versuchten, mit wenig Mitteln viel zu erreichen. Die alten Möbel kamen raus, neue alte Möbel rein. Die für den Sinkkasten so typischen roten Kinosessel wurden restauriert. Auch das Programm konzipierte das dynamische Duo neu. Dabei sollte das alte Publikum erhalten bleiben. „Jeder hat ein Recht auf diesen Club“, sagt Henning. „Wie der Name schon sagt, soll hier alles zusammenfließen.“ Und so gab es eine Reihe neuer Veranstaltungen, darunter auch mal HipHop.
Der Sinkkasten eröffnet 1971 in einem alten Weinkeller. Dort sollen verschiedene kulturellen Strömungen zusammenfließen. 1979 zieht der Sinkkasten in den ersten Stock der Brönnerstraße 5-9, wo er auch bis heute blieb.
Abschied nehmen vom Sinkkasten kann man noch bis zum 31. Dezember. Dann findet die letzte Feier, Silvester im Sinkkasten mit den Madhouse Flowers und DJ Settka, statt. Karten im Vorverkauf 28,50 Euro.
Weitere Informationen zu den letzten Veranstaltung bis zum Jahresende unter www.sinkkastenartsclub.de.
„Der Sinkkasten war bei der jungen Generation eine Zeit lang ein echtes No Go“, sagt Henning. „Wir wollten ihn wieder so cool machen, wie er es für die Elterngeneration war.“ Das Konzept ging auf. Vor allem im vergangenen halben Jahr brummte der Laden. Gereicht hat es trotzdem nicht. „Extraschade.“
Ende Mai musste der Club schließlich einen Insolvenzantrag stellen. Der galt als Zeichen, setzte einiges in Bewegung. Zahlreiche Künstler sicherten dem Club ihre Unterstützung zu, traten ohne Gage auf. „Sie wollten alle, dass der Sinkkasten erhalten bleibt“, sagt Rudi Link. Doch die Insolvenzmasse war zu hoch. „Die Leute denken immer, wenn da Künstler umsonst auftreten, reicht das“, sagt Fabio Algari von Herrmann Rechtsanwälte, dem Insolvenzverwalter. „Jeder Tag kostet“, so Algari. Das Ziel sei es gewesen, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, das sei am Ende nicht mehr möglich gewesen.
Generationen von Frankfurtern haben in dem Club getanzt, gefeiert und Konzerten gelauscht. Unzählige bekannte Künstler standen schon auf der kleinen Bühne. „Wie viele, das kann ich gar nicht sagen. Es waren eine Menge“, sagt Link. An Ton Steine Scherben in den 1970ern erinnert Link sich noch. „Der Sinkkasten war schon was ganz besonderes.“
Link hatte bis zuletzt gehofft, dass es weiter geht. „Ein Investor musste her, das war klar. Aber das es so weit kommt habe ich nicht kommen sehen.“ Ihm fällt der Abschied besonders schwer. Über 30 Jahre war Link Geschäftsführer des Sinkkasten. Ein Leben ohne den Club ist für Link nur schwer vorstellbar. „Ich habe schon als Abiturient in dem Laden gearbeitet als er aufgemacht hat.“ Auch Hennings Herz hängt an dem Club. Sie hätte gerne weiter gemacht. „Wir hatten jemanden gesucht, der in den Sinkkasten investiert und nicht jemanden, der ihn komplett übernimmt.“ Doch sie muss gehen. Ob Link bleiben kann und in welcher Funktion, ist noch unklar. „Es gibt Gespräche und ich hoffe sehr, dass es weiter geht.“ Links Zukunft ist offen, ebenso wie die der Räume in der Brönnerstraße. „Egal wie es weiter geht, es ist ein Abschied“, sagt Link.

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