Er hatte seinen Lebenstraum, Frankfurter Oberbürgermeister zu werden, im Dezember 2011 begraben müssen. Damals unterlag Michael Paris im SPD-Mitgliederentscheid um die Kandidatur dem heutigen Stadtoberhaupt Peter Feldmann. Am Mittwochabend erleidet der 57-jährige Parteirechte seine zweite bittere Niederlage. Geradezu sensationell wird er von dem 52-jährigen Verwaltungsrichter Jürgen Gasper geschlagen. Um 21.40 Uhr steht fest: Gasper ist mit 29 Stimmen zum SPD-Landtagskandidat im Wahlkreis 38 gewählt. Der frühere Landtagsabgeordnete Paris erhält im SPD-Parteihaus an der Fischerfeldstraße lediglich 26 Stimmen.
Auch Andrea Ypsilanti muss mit einem Trauma kämpfen: Ihre Hoffnung, hessische Ministerpräsidentin zu werden, zerstob endgültig Anfang November 2008, als ihr vier SPD-Landtagsabgeordnete die Gefolgschaft verweigerten. Doch die heute 55-Jährige wandte der Landespolitik nicht den Rücken zu. Jetzt tritt sie mit einem Super-Resultat im Wahlkreis 39 erneut für den Landtag an: Am Mittwochabend erhielt sie im Saalbau Ronneburg alle 45 Stimmen der Delegierten, also 100 Prozent.
Für Paris aber, den langjährigen Stadtverordneten von 1990 bis 1999, der von 1999 bis 2003 und 2008 bis 2009 auch im Landtag saß, geht eine politische Karriere zuende. Vergeblich hatte der ehrenamtliche Stadtrat in seiner Bewerbungsrede noch einmal mit den Emotionen der Delegierten zu spielen versucht: Hatte von seiner Kindheit im Arbeiterviertel Riederwald erzählt, von 40 Jahren Mitgliedschaft in der SPD. Hatte Rosa Luxemburg zitiert mit ihren Zielen Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Hatte sich immer wieder auf seinen früheren Kontrahenten Feldmann berufen: „Was Feldmann für Frankfurt betont, gilt auch für Hessen!“
Siegessicher hatte Paris sogar über seine vermeintliche CDU-Kontrahentin im Wahlkreis, Bettina Wiesmann, gespottet: Sie könne ihr Plakat vom letzten Wahlkampf mit der Frage „Wer kennt diese Frau?“ wieder herausholen. Da lachten viele im Saal. Die knappe Mehrheit der Delegierten aber fand den weitaus weniger bekannten Linken Gasper überzeugender. Er trat trockener auf, forderte einen „Politikwechsel“ in Hessen nach 14 Jahren CDU-FDP-Landesregierung, die „Spuren der Verwüstung“ hinterlassen hätten. Für gute Bildung, sozialen Zusammenhalt und für ein „rechtsstaatliches Hessen“ möchte der Landtagskandidat jetzt streiten.
Er lehnt G 8 in den Gymnasien ab, fordert die Wiedereinführung eines Schüler-Bafög und will die Sprachkompetenz Jugendlicher verbessern. Gasper setzt sich für eine doppelte Staatsangehörigkeit ein. Der Schwule fordert die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften.
Er verwirft die „Hobby-Polizisten des freiwilligen Polizeidienstes“ und möchte mehr Migranten in der hessischen Polizei. Gasper ist in der Frankfurter SPD seit langen Jahren aktiv. Er führt den Bezirk Hessen der SPD-Arbeitsgemeinschaft der Juristen, berät den hessischen SPD-Landesvorstand in juristischen Fragen. Er gehörte früher auch dem Frankfurter Parteivorstand an und führte längere Zeit den SPD-Ortsverein Ostend. Vielen Bürgern in der Stadt ist Gasper freilich wenig bekannt. „Hessen soll wieder vorne mitspielen!“ hieß sein Appell am Ende, für den er viel Beifall bekam. Auf Nachfrage von Delegierten hatte er ähnlich wie Paris eine politische Zusammenarbeit mit den Linken im Landtag nicht ausgeschlossen: „Wenn die Linken für ein Bündnis erforderlich sind, werde ich dem nicht im Wege stehen.“
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