Am Donnerstag noch herrschte Ruhe an der Konstablerwache. Sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Denn am heutigen Freitag beginnt der 19. Christopher Street Day mit der Aussicht auf schrille Farben und unendliche Partylaune. Mehr als 75 Künstler werden das bunte Bühnenprogramm gestalten, und auch die traditionelle Demo-Parade wird natürlich nicht fehlen.
Das Straßenfest findet vom Freitag, 29., bis Sonntag, 31. Juli, täglich an der Konstablerwache statt. Geboten wird reichlich Unterhaltung und Live-Musik.
Die Infostände von Politik, Szene, und Kunsthandwerk kann man am Samstag und Sonntag ab zwölf Uhr auf der Großen Friedbergerstraße besuchen.
Die Demoparade startet am Samstag um 11.45 Uhr am Römer und endet um 14.00 Uhr an der Konstablerwache.
Eine politische Diskussion ist für Samstag um 17 Uhr mit Moderator Christian Setzepfandt an der Konstablerwache geplant.
Ökumenische Gottesdienste werden jeweils am Freitag um 20 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr geleitet. Unter anderem wird auch der Aids-Verstorbenen gedacht.
Der Schwule Stadtrundgang startet am Sonntag um 14 Uhr am Klaus-Mann-Platz vor Lucky´s Manhattan.
Gefeiert wird jeden Abend in den zahlreichen Frankfurter Clubs wie der Pulse und Piper Red Lounge.
Das Motto: Einigkeit und Recht auf Gleichstellung – Artikel 3 jetzt! Eine starke Aussage für den „politischsten CSD in Deutschland“, wie Veranstalterin Anika Pilger findet. Der Begriff Einigkeit aus der deutschen Nationalhymne zusammen mit Artikel 3 aus dem Grundgesetz, der die Gleichheit aller Bürger festsetzt, lässt keine Fragen offen.
Der CSD hat sich auch dieses Jahr wieder die Forderung nach Gleichberechtigung auf die Fahnen geschrieben. An der Wahl des Slogans arbeitete eine spezielle Mottogruppe. Es stellte sich die Frage, ob man eher eine politische oder eine gesellschaftliche Forderung in den Vordergrund stellen wolle. „Am Ende haben wir mit dem Bezug zum Staat einen guten Mittelweg gefunden“, sagt Pilger.
Ebenso wie die Wahl des Mottos löst auch die Programmgestaltung immer wieder Diskussionen aus: Geht es ums Feiern oder um die Botschaft? Auf dem Frankfurter CSD versuche man alles unter einen Hut zu bringen, sagt Pilger.
Die politischen Parteien und schwul-lesbischen Organisationen bekämen durch die Infostraße ihre Plattform. Außerdem gebe es jedes Jahr den von Christian Setzepfandt moderierten Polittalk, der auch das Motto entsprechend aufgreife. Die Demo und das dreitägige Bühnenprogramm trage im Umkehrschluss vor allem der ausgelassenen Stimmung Rechnung. „Wir bieten jedem das, was er will“, ergänzt die Organisatorin.
Sonja Kraus moderiert
Die Vorbereitungen für das Traditions-Event laufen seit September 2010. Positives und Negatives aus den vergangenen Jahren musste ausgewertet, neue Künstler eingeladen, neue Genehmigungen beantragt werden. „Nach dem CSD ist vor dem CSD“, sagt Pilger und lacht. Jedes Jahr versucht das Organisationsteam etwas Besonderes zu bieten. Ein Highlight in diesem Jahr: „Unser Frankfurter Mädchen“ Sonja Kraus moderiert am Samstag die Bühnenshow. Auch die Tombola zugunsten der Aids-Hilfe Frankfurt ist wieder mit vielen Preisen gefüllt. Letztes Jahr kamen mehr als 35000 Euro zusammen.
Mit einer Schweigeminute und zwei Gottesdiensten wird auch in diesem Jahr auf das Thema Aids aufmerksam gemacht. Zudem soll dem Tod Rainer Gütlichs gedacht werden, Mitbegründer des CSD, der sich 2009 das Leben nahm. Der CSD soll jedoch kein Trauergefühl verbreiten, betont Pilger. Es werde zwar „Somewhere Over the Rainbow“ gespielt, sonst solle die Veranstaltung ihr spritziges Lebensgefühl behalten.
In Sachen Optik wurde in diesem Jahr versucht, die Einteilung der Stände auf der Konstablerwache zu verbessern. Durch den Einsatz von Traversen solle alles einheitlicher aber auch lockerer werden. Das Schöne am CSD sei nämlich die friedliche und familiäre Atmosphäre, erzählt Pilger. Aus Erfahrung wisse sie, dass auch viele „gayfriendly Heteros“ vor Ort seien, um sich das Spektakel anzusehen und mitzufeiern.
Sie selbst ist seit elf Jahren bei der Organisation dabei. Seit 2010 leitet sie diese. Wie viele großartige Momente sie erlebt habe, könne sie gar nicht mehr zählen. Doch eines kann sie selbst nie: mitfeiern. Denn wenn um 15 Uhr das Bühnenprogramm startet, werden sie und ihr Team immer noch alle Hände voll zu tun haben. Bis zum Sonntag, dann ist alles vorbei. Doch viel Verschnaufpause wird es selbst dann nicht geben. Denn das nächste Ereignis, 20 Jahre CSD in Frankfurt, wartet schon.

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