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Spendenaktion: Hilfe für die Heimatlosen

Obdachlose leiden besonders heftig unter der Kälte. Menschen, die sich in der Facebook-Gruppe "Help the Homeless" organisieren, kümmern sich um sie und verteilen warme Kleidung und ein warmes Abendessen an der Frankfurter Hauptwache.

Freiwillige verteilen an der Hauptwache ein warmes Abendessen und warme Kleidung.
Freiwillige verteilen an der Hauptwache ein warmes Abendessen und warme Kleidung.
Foto: Andreas Arnold
Frankfurt –  

Ein zusammengerollter Schlafsack unter dem Arm, zwei Tüten in der Hand, darin Hosen, eine Fleecejacke und Pullover – so steht Birgit Wallrath am Samstagabend an der Hauptwache. Die 33-jährige Frau ist aus Höchst hergekommen, um die Kleidung zu spenden. „So eine tolle Aktion muss man unterstützen“, sagt sie. Freunde hätten ihr von der Aktion erzählt, sie in die Gruppe auf Facebook eingeladen und nun stehe sie eben hier. Neben dem weißen Zelt, auf dem in großen Buchstaben steht: „Help the Homeless“.

Einige Schritte weiter, neben dem Zelt, geht es chaotisch zu. Die Helfer müssen die Menschen, die immer wieder zu den aufgestapelten Hosen, Pullovern, Decken und Schlafsäcken drängen, zurückhalten und sie dazu zu bringen, sich in Reihen aufzustellen. Ein Lieferwagen hält an, mit noch mehr Kleidung, verpackt in Kisten. Es ist eine private Aktion, selbst auf die Beine gestellt.

Gekommen, um zu helfen

Mit schwarzer Mütze auf dem Kopf und angestrengtem Gesicht steht auch Erhan Dogan, 24, vor der Gruppe von Menschen. Natürlich habe er bereits mit Obdachlosen zu tun gehabt, sagt er. Ihnen mal Geld gegeben oder Essen gekauft. Aber das sei bei ihm irgendwann in Vergessenheit geraten. Deshalb sei er hier, in der Kälte, umringt von Menschen, die er nicht kennt und die ihn erwartungsvoll ansehen: „Ich bin gekommen, um zu helfen.“ Dieser Satz fällt an diesem Abend oft.

Dann ruft ein Mann ihm etwas zu, Dogan fragt zurück: „Brauchst du einen Mantel?“ Der Mann nickt. Rifki, stellt er sich vor und erzählt auf Türkisch, dass er seit Monaten auf der Straße lebe, weil er seinen Job verloren habe. Dogan übersetzt alles. Die letzten zwei Wochen sei er rund um den Hauptbahnhof, meistens in der Münchener Straße, unterwegs und schlafe dort. Was das Schlimmste für ihn momentan sei? „Die Kälte“, sagt er sofort.

Nebenan, im Zelt, stehen die Helfer und teilen heiße Suppen aus. In der Schlange steht auch Achim. Mit Vollbart, roter Mütze, in neongrünem Skianzug, großem Rucksack und Isomatte auf den Rücken geschnallt. Er sei ein Wanderer, sagt Achim. Seitdem er 18 sei, lebe er auf der Straße – seit 25 Jahren. Davor war er in verschiedenen Kinderheimen. „Das ist mein Leben.“ Er schlage sich eben so durch, bettele, meide Notunterkünfte, da habe ihm einer mal seinen Rucksack geklaut, schlafe meistens in der Nähe von Kirchen oder außerhalb der City. „Da hab’ ich meine Ruhe“, sagt er und setzt hinzu: „Ich bin ein Einzelgänger.“ Er lächelt.

Es tut gut, Menschen zu helfen

Vorne an der Schlange steht Kelechi Onyele und versucht, Ordnung in die Essensausgabe zu bringen. Auch der Tanzlehrer und Choreograph habe nicht lange gezögert, freiwillig mit anzupacken, sagt er: „Man muss keine Organisation sein, um etwas zu tun.“ Man könne einfach herkommen und fühlen, wie gut es tue, Menschen zu helfen.

Das sehen Miriam, 53, und Norina, 49, ebenso. Die beiden Frauen sind eigens aus Konstanz angereist. Um Leonard zu besuchen, der auf der Straße lebt. „Als wir in Paris am Bahnhof waren, stand er plötzlich vor uns“, erzählt Miriam. Der 57-jährige Mann, der ursprünglich aus Polen stammt, habe nicht mehr gewusst, wie er dort eigentlich hingekommen sei. Wahrscheinlich sei er im Zug eingeschlafen. Die beiden Frauen kauften ihm eine Fahrkarte und begleiteten ihn zurück nach Frankfurt. Aus einem für sie einfachen Grund: „Wir sind überzeugte Christinnen.“ Leonard selbst sagt, er sei den beiden sehr dankbar. „Und ihm.“ Er zeigt mit einem Finger zum Himmel.

"Ihr seid so gute Menschen"

Doch da sei noch etwas. Er brauche Schuhe. In Größe 47, da lasse sich nichts finden. Petra Hoffmann und Edward Park, ebenfalls freiwillige Helfer an diesem Abend, bekommen das mit und laufen spontan los – von Geschäft zu Geschäft auf der Zeil, um die Händler zu einer Spende zu bewegen. Doch kein Mitarbeiter der größeren Ketten darf das ohne Rücksprache mit den Chefs.

In der kleinen Passage gegenüber der Zeilgalerie treffen die beiden schließlich auf Mersud Yusufovic, den Inhaber des Ladens „No Name“. Als er von Leonards Not hört, nickt er mehrmals, holt einen Karton hervor und drückt ihn den Helfern in die Hand. Darin sind schwarze Winterstiefel. Zurück am Stand probiert Leonard die Schuhe an, sie passen. Er lächelt, umarmt Petra Hoffmann, bedankt sich immer wieder und sagt: „Ihr seid so gute Menschen.“

Autor:  Markus Bulgrin
Datum:  12 | 2 | 2012
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