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05. Januar 2016

Stadt Frankfurt: Goldenes Buch soll übergeben werden

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Kaiser Wilhelm II. steht drin, aber auch Adolf Hitler und andere Nazigrößen: Letztere sollten eigentlich nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Goldenen Buch der Stadt Frankfurt entfernt werden, was aber nie geschah. Nun beantragen CDU und Grüne die Übergabe des Buches an das Institut für Stadtgeschichte.

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Nach dem Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft 1945 wollte die Stadt Frankfurt so schnell wie möglich deren Spuren tilgen. Das galt auch für das wichtigste Dokument der Kommune: Das Goldene Buch, in dem sich seit 1904 alle wichtigen Personen der Zeitgeschichte bei ihrem Besuch in Frankfurt eingetragen hatten. Angefangen mit dem Ersteintrag von Kaiser Wilhelm II. und seiner Gattin.

Am 8. Dezember 1947 beschloss die Frankfurter Stadtregierung: Die Blätter aus den Jahren 1933 bis 1945 sind aus dem Buch mit dem prachtvollen goldenen Einband herauszunehmen und dem Stadtarchiv zu übergeben. Tatsächlich enthielten diese Seiten politisch brisante Einträge. Nicht nur der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hatte sich hier bei seinem Besuch im Römer verewigt. Auch zahlreiche andere Nazigrößen hatten sich eingetragen, etwa der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, Reichsmarschall Hermann Göring oder Reichsjugendführer Baldur von Schirach.

Diese Schmach wollte die Stadt tilgen. Doch was geschah tatsächlich? 68 Jahre nach dem Magistratsbeschluss von 1947 rollen jetzt CDU und Grüne im Römer in einem gemeinsamen Antrag dieses spannende Kapitel der Stadtgeschichte wieder auf. Sie beantragen nämlich, „das Goldene Buch mit Eintragungen aus dieser Zeit dem Institut für Stadtgeschichte zu übergeben, wo es für die historische Forschung verwahrt wird“. Und es stellt sich heraus: Tatsächlich ist der Magistratsbeschluss von 1947 zur Entnazifizierung des Goldenen Buches nie umgesetzt worden. Die Stadtregierung hatte gewollt, dass die Arbeit „an einen erstklassigen Fachmann übertragen und alsbald ausgeführt werden“ sollte. Der wertvolle Einband dürfe dabei keinesfalls beschädigt werden.

Der erste Band endet 1968

Doch traten damals schnell Probleme auf. Die beauftragten Experten teilten mit, sie müssten nicht weniger als ein Drittel des kostbaren Buches entfernen – dies sei aber weder künstlerisch noch fachmännisch zu empfehlen. Die Stadt schaltete andere Gutachter ein. Das städtische Kulturamt schlug vor, das Buch der Schande im Stadtarchiv verschwinden zu lassen und es so „der öffentlichen Einsichtnahme zu entziehen“.

Doch auch dazu kam es nicht. Am 19. April 1948 fasste die Stadtregierung einen neuen Beschluss: Das Goldene Buch sollte einfach ohne Veränderungen weitergeführt werden. Und so geschah es. So fanden sich bald Prominente der Nachkriegszeit im selben Goldenen Buch wieder wie Hitler und Himmler. Der Höhepunkt war erreicht, als sich 1963 US-Präsident John F. Kennedy bei seinem Besuch im Römer eintrug.

1968 endete der erste Band, derzeit ist im Rathaus der zweite im Gebrauch. Der erste Eintrag stammte vom damaligen Oberbürgermeister Willi Brundert – der Anlass war die Eröffnung der ersten Frankfurter U-Bahnstrecke.

Was aber geschah mit dem ersten Band des Goldenen Buches? CDU und Grüne geben in ihrem Antrag dazu keine genaue Auskunft. Das Goldene Buch liege heute wohl „beim Magistrat“, heißt es. Tatsächlich ruht der kostbare Foliant, der einst von der Familie Bethmann gestiftet worden war, in einem besonders gesicherten Tresor im Rathaus. Nach Informationen der FR gibt es sogar eine Direktleitung zur Polizei. Jede unbefugte Annäherung, so heißt es, werde sofort gemeldet. CDU und Grüne wollen sich damit nicht abfinden. „Der richtige Archivierungsort“ für das Goldene Buch sei „das Institut für Stadtgeschichte als historisches Gedächtnis der Stadt“.

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