Rund 1700 Jahre haben sie unbehelligt im Boden gewartet. Beim Bau der Nordweststadt zwischen 1961 und 1973 wurden die Spuren der Römerstadt Nida dann überbaut oder von Raubgräbern geplündert. Zu dieser Zeit machte sich aber auch ein Mann daran, zu erhalten, was der Direktor des Archäologischen Museums Professor Egon Wamers heute als „Bestandteil des kulturellen Erbes der Stadt Frankfurt“ bezeichnet: Grabbeigaben und andere Fundstücke der antiken Stadt. Wenige Jahre nach dem Tod des Hobby-Forschers Heinz Janse hat das Archäologische Museum seine Sammlung nun gekauft. Am Dienstag wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt.
„Die Stücke sind jetzt da, wo sie hingehören“, sagt Wamers. Weit über 300 Einzelstücke hat Janse von 1964 bis 1967 gesammelt. Überwiegend stammen sie aus Gräbern des 2. Jahrhunderts nach Christus. Einiges fand der hauptberufliche Feinmechaniker aber auch in Brunnen und Zisternen, schätzungsweise aus der Mitte des 3. Jahrhunderts. Meist sind es Keramikgefäße, aber auch Gebeine, Bronze- und Eisengegenstände, sowie Steindenkmäler konnte Janse vor unsachgemäßer Raubgräberei bewahren. Doch auch er habe sich dabei in einer rechtlichen Grauzone bewegt, obwohl es damals noch kein Denkmalschutzgesetz gegeben habe, erklärt Peter Fasold, Leiter der Museumsabteilung für Provinzialrömische Archäologie. Ein kleines bisschen Raubgräber steckte also auch in Heinz Janse.
Im Heddernheimer Schloss wird eine kleine Auswahl der Sammlung Heinz Janse ab Mai für einige Zeit zu sehen sein, kündigt Museumschef Wamers an.
In die Dauerausstellung des Archäologischen Museums kommt die Sammlung, sobald sie vollständig wissenschaftlich ausgewertet ist.
Ein Teil der Sammlung wird aus Platzgründen auch in den Depots des Museums eingelagert.
Finanziert wurde der Ankauf der Sammlung vom LionsClub, der Historisch-Archäologischen Gesellschaft und dem Kulturamt der Stadt.
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Der Wert liegt auf Papier
Fasold und Wamers sind ihm trotzdem dankbar. Denn anders als die anderen Hobby-Archäologen, die sich mit den antiken Funden bereichert oder ihre Sammlungen vergrößert hätten, habe Janse die Erhaltung des „archäologischen Kontextes“ am Herzen gelegen, wie Fasold betont. Er habe die Fundstellen genau dokumentiert, habe sie vermessen, habe die Objekte in ihrem ursprünglichen Kontext belassen. Dinge aus einem Grab blieben auch zusammen. „Dadurch sind die Befunde für die Wissenschaft und für die Stadtgeschichte verwertbar“, sagt Wamers. „Die Sammlung hat einen herausragenden Charakter, gerade deshalb weil sie so gut dokumentiert ist.“ Die Bedeutung archäologischer Funde seien nicht die Einzelstücke selbst, sondern die Rückschlüsse, die man durch sie ziehen könne. Vom „Römischen Gräberfeld an der Okarbener Straße“ besitzt das Museum bis auf die von Heinz Janse nur wenige Funde und Originalunterlagen.
Aber nicht nur die außergewöhnlich akribische und fast schon leidenschaftliche Dokumentation der Ausgrabungen machen seine Sammlung so wertvoll. Auch ein paar einzelne Schätze sind darunter. Schon 1980 habe das Museum durch Janse eine Sensation erhalten, erinnert sich Wamers: das Malergrab. In der aktuell erworbenen Sammlung stechen als besonders wertvoll vor allem eine Statue des Merkur und eine sogenannte Kultlanze hervor. Solch eine Lanze wurde bei Zeremonien verwendet und findet sich nur äußerst selten.
Für Dienstagabend hatte sich im Übrigen auch die Familie Janse angekündigt. Die Töchter blickten wohl mit gemischten Gefühlen auf die archäologische Leistung ihres Vaters zurück, bemerkt Fasold: „Am Wochenende, wenn schönes Wetter war, war der Papa draußen und hat gegraben.“

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