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08. November 2012

Städel Raffael: Sensation oder Kopie

 Von Claus-Jürgen Göpfert
Das umstrittene Gemälde von Papst Julius II. im Städel. Foto: dpa

2011 ersteigert das Frankfurter Städel das Bildnis von Papst Julius II.. Der Neuerwerb gilt als Sensation. Inzwischen ist um den Kauf ein Streit entbrannt. Ist das Bild tatsächlich ein echter Raffael und damit Millionen wert?

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2011 ersteigert das Frankfurter Städel das Bildnis von Papst Julius II.. Der Neuerwerb gilt als Sensation. Inzwischen ist um den Kauf ein Streit entbrannt. Ist das Bild tatsächlich ein echter Raffael und damit Millionen wert?

Nein, die Besucher der Alten Meister im Frankfurter Städel kommen nicht an ihm vorbei. Papst Julius II. sitzt direkt am Ende der zentralen Blickachse, wenn man diese Abteilung des Museums betritt. Nachdenklich, ziemlich abweisend und versunken wirkt der Kirchenfürst auf diesem so prominent präsentierten Gemälde. 1511 oder 1512 ist es entstanden, das gerade einmal 106 mal 78,4 Zentimeter große Bild. Doch wer hat das Porträt gemalt, der berühmte Raffael selbst mit seinen Gehilfen oder doch nur ein zeitgenössischer Kopist?

Um diese Frage, die den Wert entscheidend bestimmt – Millionensumme oder Schnäppchen – kreist ein heftiger Streit. Die Süddeutsche Zeitung hatte ihn angeheizt, als sie Experten zitierte mit Urteilen über das Bild wie „nicht der Rede wert“ oder „ein Skandal“. Freilich erfolgten alle Abqualifizierungen anonym, kein Fachmann wurde namentlich zitiert. Städel-Direktor Max Hollein und der Kurator der Alten Meister, Jochen Sander, hatten das Julius-Porträt im Dezember 2011 als sensationelle Neuerwerbung des Hauses präsentiert.

Noch 2007 freilich war es in einer Auktion für das Mindestgebot von nur 9000 Euro ersteigert worden – das bestreiten auch Hollein und Sander nicht. Erst die Untersuchungen des Städels, etwa mit Infrarotaufnahmen, hätten die Bedeutung des Gemäldes enthüllt, sagen sie im FR-Interview.

Jürg Meyer zur Capellen, Kunsthistoriker und der deutsche Raffael-Experte, hatte schon 2010 das Bild eindeutig Raffael und seiner Werkstatt zugeschrieben. Jetzt bekräftigt er: „Ich halte das Gemälde mit Blick auf die Ergebnisse der technologischen Untersuchungen und aufgrund von stilistischen Vergleichen und Analysen für eine Arbeit Raffaels mit seiner Werkstatt.“ Der Streit wird weitergehen: 2013 will das Städel-Museum den Julius ins Zentrum einer Raffael-Schau stellen.

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