Steffen Cyrus bringt Kunst zum Örtchen
Alles eine Frage der Formulierung. „Steffen Cyrus will als Künstler wahrgenommen werden und in zehn Museen vertreten sein, wo sonst nur etablierte Künstler ihren Auftritt haben.“ So weit, so legitim. Auch wenn man wie Cyrus, Jahrgang 1981 und Bauhaus-Stipendiat, den Auftritt im Abtritt hat. Denn „seine Arbeiten möchte er jeweils im Waschraum der Museumstoiletten ausstellen, einem Ort des kunstfernen Transits, dem sich zugleich viele Museumsbesucher nicht entziehen können“. Wie wahr.
„Er provoziert damit kuratorische und konservative Standards der Kontextualisierung von Kunst und befragt sie sogleich.“ Saubere Sache. Und klarer Fall, dass auch der Abort des Frankfurter Museums für Moderne Kunst da mitmacht. Und wir schließen uns der Meinung von Professor Kai Uwe Schierz von der Kunsthalle Erfurt vollinhaltlich an, wenn er über Cyrus’ Arbeiten schwärmt: „Er verführt unsere Wahrnehmung zum Hinschauen, zeigt kleine und große Details, die unsere visuelle Neugier anregen“, wie das eben zumindest auf Herrentoiletten guter alter Brauch ist. Wir aber verherrlichen Steffen Cyrus vor allem deshalb, weil er das unselige Vernissage-Geschwafel von
designerbrillentragenden Rollkragenpulloverfetischisten, das üblicherweise zur Abendstund’ durch die Galerien salbadert, endlich dahin holt, wo’s hingehört: aufs Häusel.
Didier Drogba geht’s nicht gut
Schock für Didier Drogba. Der ebenso beliebte wie talentierte Ausnahmefußballer von der Elfenbeinküste, der sich vor etwa acht Wochen bei einem Testspiel gegen Japan den Ellbogen gebrochen hatte und darum beinahe für die WM ausfiel, ließ sich jetzt wegen dieser Malaise in der Frankfurter BG Unfallklinik, deren hervorragender Ruf in den Ohren aller Ivorer widerhallt, untersuchen. Doch die Computertomographie zeigte: Drogba leidet zudem unter typischen Symptomen von FC Chelsea (lat.: morbus abramowitsch). Das im Volksmund auch „englische Krankheit“ genannte Leiden beginnt mit ständigen Trainerwechseln, führt zu bedrohlichem Anschwellen des Bankkontos und endet oft mit einer blauen (Heimspiel) beziehungsweise tiefschwarzen (Auswärtsspiel) Färbung des Oberkörpers. Die gute Nachricht: FC Chelsea ist heilbar. Etwa durch einen Wechsel zu Eintracht Frankfurt.
DJ Shantel schmeißt sich vor die Dampfwalze
In der neuen Ausgabe des „Journal“ redet der Musiker Klartext: Frankfurt sei „ein kleingeistiger, provinzieller Abenteuerspielplatz geworden. Die charmante hessische Dampfwalze macht alles platt.“ Die strengen Lärmvorschriften erlaubten maximal „einen Tanz-Tee im Altenheim. Das Einzige, was in dieser Stadt im Freien zu funktionieren scheint, sind die unzähligen und unerträglichen Sport-Events, Public Viewing, Turnfest, Ironman und wie sie sonst noch heißen. Mir graut es jedesmal davor. Erwachsene Frauen und Männer in hautengen, grellen Batman-Kostümen quälen sich durch die Straßen, ich finde es entsetzlich!“ Lieber DJ Shantel: Vielen, vielen Dank für dieses Gespräch. skb
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