Die Spartengewerkschaft will den Druck erhöhen, ihrer Forderung nach mehr Gehalt für die knapp 200 Beschäftigten auf dem Vorfeld mehr Gehör verleihen. Doch Fraport scheint mit dem Ausstand immer besser klar zu kommen – von Tag zu Tag nimmt die Zahl der annullierten Flüge ab. Gestern, am vierten Streiktag, fielen knapp 200 Flüge aus. Am Montag wurden noch 240 Verbindungen gestrichen. Seit Streikbeginn am Donnerstag sind insgesamt etwa 750 Flüge ausgefallen.
Weniger Flüge wurden gestrichen
Fraport hat die bestreikten Posten auf dem Vorfeld durch eigene Leute besetzt. Und die extra geschulten Streikbrecher machen ihren Job zunehmend besser. Laut Fraport stieg die Quote der im Streik sichergestellten Flüge von 50 Prozent zu Beginn auf mehr als 80 Prozent derzeit. Der Betrieb laufe geregelt, die Pünktlichkeitsquote sei gut, in den Terminals komme es zu keinen erhöhten Wartezeiten, heißt es.
Wenn man am Freitag mit beiden Parteien spricht, ist herauszuhören, dass die Chancen auf eine schnelle Einigung denkbar schlecht stehen. Die GdF droht mit immer schärferen Streikmaßnahmen, während die Betreiberin Fraport nur auf der Grundlage ihres letzten Angebots weiterverhandeln will. Wie dieses aussieht, sagt Fraport nicht. Laut Fraport fordert die GdF zwischen 64 und 73 Prozent mehr Geld für die Vorfeldmitarbeiter. Hinter den Kulissen sammelt die Betreiberin weiter kräftig Arbeitskräfte, die auch in den kommenden Tagen die Aufgaben der Streikenden übernehmen könnten.
Die Schäden gehen schnell in die Millionen, weil eine einmal nicht erbrachte Dienstleistung wie etwa ein Flug nicht zu einem anderen beliebigen Zeitpunkt einfach nachproduziert werden kann. Die Fluggesellschaften haben anders als beispielsweise ein Autohersteller keine Chance, den Umsatz nachträglich reinzuholen. Auch bei der Fraport entfallen Start- und Landegebühren unwiederbringlich. Allein wegen der zweifachen Ankündigung eines dann doch abgesagten Lotsenstreiks im vergangenen August verlangen die Fluggesellschaften Lufthansa, Ryanair und Air Berlin von der GdF vor Gericht 3,2 Millionen Euro Schadensersatz. Das Verfahren läuft noch.
Schon allein die Summe der zusätzlichen Lohnkosten hat die Fraport-Manager zurückschrecken lassen. Der Betriebsrat spricht von bis zu 8 Millionen Euro Mehrkosten, die ein Drittel des Arbeitnehmerbeitrags zur Standortsicherung gleich wieder auffressen würden. Im Gegenzug für den teilweisen Lohnverzicht hatte die Fraport die Jobs garantiert. Auch akzeptiert das Unternehmen die von der GdF angebrachten Vergleichsgehälter aus München oder Berlin nur für die Gruppe der Vorfeldlotsen. Obwohl die Einweiser und Disponenten nicht verhandelt worden seien, soll Schlichter Ole von Beust für sie eine weitgehende Umsetzung von 60 bis 80 Prozent der GdF-Forderungen befürwortet haben.
Zunächst würden natürlich die Kosten steigen, obwohl Fraport unter starkem Preisdruck seitens der Airlines und hier insbesondere der Lufthansa steht. Die Flughafenbetreiberin hat es bislang verhindern können, dass andere Gewerkschaften außer Verdi mit ihr Tarifverträge abschließen. Dem Beispiel der Vorfeldkontrolleure könnten bald andere Gruppen folgen wie zum Beispiel die Feuerwehr, ohne die am Flughafen gar nichts läuft.
Den Streik dürfte die Fraport nicht ohne Rückendeckung ihres Hauptkunden und gleichzeitigen Großaktionärs Lufthansa zugelassen haben. Deren Personalchef Stefan Lauer kämpft seit Jahren gegen den steigenden Einfluss der kleinen Spartengewerkschaften, die es in seinem Bereich bei den Piloten und den Stewardessen gibt. Auf der anderen Seite ist die Lufthansa auch die Hauptleidtragende des Streiks an ihrem zentralen Drehkreuz. Sie könnte bei einem fortwährenden Arbeitskampf am ehesten Druck auf die Fraport ausüben.
Auch wenn es nur 200 von 20 000 Fraport-Beschäftigten sind: Die kleine Gewerkschaft hat nach eigenen Angaben auf dem Vorfeld 90 Prozent der betroffenen Belegschaft organisiert. Solange die Reihen geschlossen bleiben, ist die Fraport in ernsten Schwierigkeiten. Auch die Alternative einer Übertragung der Vorfeldkontrolle auf die bundeseigene Deutsche Flugsicherung brächte kostenmäßig nichts, denn dort hat die GdF ihre Haupt-Machtbasis und bereits im vergangenen Jahr deutliche Erhöhungen für die Beschäftigten durchgedrückt.
Kaum, wie der Verzicht der Fraport auf rechtliche Schritte gegen den Streik belegt. Der Zusammenschluss von Arbeitnehmern in Interessenvertretungen fußt auf dem Grundrecht der Koalitionsfreiheit. Das Bundesarbeitsgericht hat erst im Jahr 2010 seine Rechtsprechung zur sogenannten Tarifeinheit geändert und entgegen früherer Grundsätze mehrere Tarifverträge in einem Betrieb zugelassen. Vorstöße vor allem der Arbeitgeber und zunächst auch der Gewerkschaften zu einer Gesetzesänderung verliefen im Sande. Allerdings ist es seit dem Arbeitsgerichtsurteil auch noch keiner neuen Spartengewerkschaft gelungen, einen Tarifvertrag abzuschließen.
Gestrichen wurden vor allem innerdeutsche Flüge, bei denen die Passagiere ohne großen Aufwand auf die Bahn umsteigen konnten. Der interkontinentale Verkehr lief nahezu reibungslos. Die Kunden der Fluggesellschaften haben zwar Einschränkungen hinzunehmen, bisher aber musste kein Reisender auf einem der 500 Notbetten im Transitbereich übernachten. „Mit den getroffenen Vorbereitungen sind wir in der Lage, längere Streikphasen durchzuhalten“, sagte ein Fraport-Sprecher. Dabei habe „die Sicherheit höchste Priorität“.
„Ich kann niemandem empfehlen, ab Frankfurt zu fliegen“
Die GdF wirft Fraport jedoch vor, mit dem Einsatz des Ersatzpersonals die Sicherheit der Fluggäste zu gefährden. Sprecher Matthias Maas sagte der Agentur dapd: Viele Ersatzkräfte hätten nur eine Kurzausbildung von zwei Tagen hinter sich, während dafür normalerweise sechs bis sieben Monate erforderlich seien. „Das ist jenseits der Legalität“, sagte Maas. „Ich kann niemandem empfehlen, ab Frankfurt zu fliegen.“
Die Gewerkschaft meldet Streikerfolge. „Der bisherige Verlauf der Aktionen ist allen Einschüchterungsmaßnahmen zum Trotz planmäßig verlaufen“, teilt Verhandlungsführer Dirk Vogelsang auf der Internetseite der GdF mit. Alle Mitglieder seien dem Streikaufruf gefolgt und hätten die Arbeit niedergelegt.
Die GdF vertritt die Beschäftigten der Vorfeldkontrolle, der Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale. Deren Löhne sollen den Gehältern der Fluglotsen, die die Flieger vom Himmel zum Vorfeld leiten, angeglichen werden, fordert die GdF. Dem Flughafenbetreiber Fraport zufolge will die Gewerkschaft bis zu 70 Prozent mehr Geld. Die GdF selbst spricht von Forderungen zwischen drei und 30 Prozent über vier Jahre. Laut Insidern gibt es derzeit nicht mal Gespräche zwischen den Parteien.

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