Die Müllers von nebenan haben neuerdings einen iVis. Macht auf den ersten Blick nicht viel her, das Ding, gilt aber als ziemlich cooles Tool in der Szene. Der iVis zeigt nämlich, wo es langgeht – beim Stromverbrauch. Das „intelligente Visualisierungstool“ zeigt den Stromverbrauch – ermittelt alle 15 Minuten – wahlweise auf dem Computer oder auf dem Smartphone an.
iVis und der intelligente Stromzähler sind kleine, aber wesentliche Elemente eines neuen Systems: Wenn der Strom zunehmend aus erneuerbaren, aber nicht stetig sprudelnden Quellen kommt, wenn Verbraucher – weil sie Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke betreiben – auch Lieferanten von Strom sind, wenn die Abnahme vom Strom zeitlich entzerrt und das hierarchische Netz zu einem dezentralen Netz umgebaut werden soll, dann braucht der private Haushalt den „smart meter“, den intelligenten Stromzähler, und das Visualisierungsprogramm iVis.
Mit dem Baedeker in der Hand lassen sich nicht nur Kunst und Kultur entdecken, sondern auch innovative Ideen beim Klimaschutz und den erneuerbaren Energien. Der neue Reiseführer listet lohnende Ziele auch in Hessen auf.
Rhönschaf-Hotel, Seiferts: Hier dreht sich alles um Schafe und Äpfel. Auf dem Landgut der Familie Krenzer gibt es regionale Küche, auf der Streuobstwiese steht der Schäferwagen für eine romantische Nacht. www.rhoenerlebnis.de
Ökohaus Arche, Frankfurt: Der moderne Gewerbehof ist ökologisch vorbildlich - mit Naturklimaanlage und Pflanzenkläranlage. Im Keller brummt ein Blockheizkraftwerk. www.arche-nova.de
Solarstadtplan, Mörfelden-Walldorf: Die Stadt setzt voll auf die Sonne. Den Stadtplan zum Download gibt es unter www.sonnendachboerse-moewa.de
Windkraft, Ulrichstein: Über 50 Rotoren drehen sich auf dem Gebiet der Stadt im Vogelsberg. www.ulrichstein.de
Thermalquellen, Wiesbaden: Aus der Erde kommt bis zu 69 Grad warmes Wasser. Das wird nicht nur zum Baden genutzt, sondern auch für die geothermische Heizzentrale.
Deutschland – Erneuerbare Energien entdecken, Baedeker, 14,95 Euro. (tru)
Das könnte dann so gehen: Es weht eine steife Brise, der Offshore-Windpark liefert große Mengen Strom, die Preise fallen. Der intelligente Stromzähler im Haus, der via Internet ständig Informationen über die Tarife abfragt, kauft jetzt auf Vorrat ein und kühlt beispielsweise die Gefriertruhe herunter. Tritt im Norden Flaute ein, steigt der Strompreis, nimmt der schlaue Zähler die Truhe vom Netz – was angesichts stattlicher Minusgrade auch über viele Stunden praktikabel ist.
Künftig könnten smart meter, die intelligenten Stromzähler, noch viel mehr leisten, sagt Constantin Alsheimer, Vorstandschef beim Energieversorger Mainova. Das smart grid, das intelligente Stromnetz, könnte eine Plattform bilden, „auf der von den Haushaltsgeräten, die Strom verbrauchen, bis hin zu den Geräten, die Strom erzeugen, alle miteinander vernetzt sind und miteinander kommunizieren.“
Bislang ist das Zukunftsmusik. Aber längst wird daran geforscht und erprobt, wie sich solche Netze aufbauen lassen. Das Bundeswirtschaftsministerium betreibt deshalb das Projekt E-Energy, mit dem Bedingungen und Funktionalität des klugen Stromnetzes erforscht und getestet werden. In Mülheim und Dortmund, in Aachen und Karlsruhe, im Harz und in Cuxhaven sind sechs Modellregionen auserkoren, die Aspekte eines smart grid zu erkunden. Begleitet wird die Arbeit von der TU Darmstadt. Smart grids, sagt Alexander von Scheven, Mitglied der Arbeitsgruppe von Professor Thomas Hartkopf, sind die Voraussetzung für die effiziente Nutzung erneuerbarer Energie, smart grids ermöglichten, Energie klug zu verteilen, die Last an die fluktuierende Energieerzeugung von Wind und Sonne anzupassen. „Verstärktes Last- und Erzeugungsmanagement“ lautet das Stichwort, mit dem Nachfrage und Angebot an Energie angeglichen werden sollen.
Bislang hakt es freilich an manchen Stellen: Smart meter sind, je nach technischen Möglichkeiten, noch relativ teuer – zwischen 90 und 400 Euro. Zudem fehle es an Produkten, sagt Smart-Grid-Experte von Scheven. Variable Stromtarife wie etwa der von Mainova weisen eine Spreizung von zwei Cent pro Kilowattstunde aus. „Das reicht nicht“, sagt von Scheven. Der Effekt der variablen Tarife müsse für den Verbraucher stärker spürbar sein. Bei sehr großem Stromangebot – üblicherweise werden Wind- und Sonnenkraftwerke dann vom Netz genommen, kostenlose Energie bleibt ungenutzt – könnte der Strom ein oder zwei Cent kosten, bei geringerem Angebot und großer Nachfrage etwa einen Euro. Der kluge Stromzähler, der abhängig vom Preis ein- und ausschaltet, könnte dann spürbar die Ausgaben für Energie senken.
Es gibt andere ungelöste Fragen: Die Datensicherheit etwa, wenn Haushalt und Stromversorger in permanentem Kontakt stehen. Die Datenmengen: Wenn in allen 42 Millionen Haushalten der Republik alle 15 Minuten Daten abgefragt werden, entsteht eine Datenflut, mit der die Erzeuger erst einmal umgehen müssen.
Für Mainova-Chef Alsheimer steht zudem außer Frage, dass die Netzkosten gleichmäßig verteilt werden müssen, die durch den Anschluss von Anlagen entstehen, die erneuerbare Energie liefern. „Intelligente Verteilnetze sind der zentrale Baustein für die Integration dezentraler Erzeugungsanlagen. Aus diesem Grund müssen Anreize für den Aus- und Umbau der Verteilnetze verbessert werden.“
In einem Punkt ist die Mainova anderen Anbietern voraus: Wer iVis samt smart meter plus variablem Tarif mindestens 24 Monate nutzt, bekommt die intelligenten Gerätschäften kostenlos gestellt.
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