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14. Oktober 2015

Sucht: Arbeiten am Drogenausstieg

 Von 
Schüler und Studierende mit Lehrerin Alice Amberg (r.)  Foto: christoph boeckheler*

Schüler des Bildungszentrum Hermann Hesse drehen gemeinsam mit Studierenden der Frankfurter Fachhochschule einen Spielfilm über den Ausstieg aus der Drogenszene. Sie können dabei eigene Erfahrungen verarbeiten.

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El Patron (alle Schülernamen geändert) hat sich entschieden: Nachdem er jahrelang ständig bekifft war, hat er von einem Tag auf den anderen aufgehört und sich im Bildungszentrum Hermann Hesse angemeldet, um den Realschulabschluss zu machen – den Hauptschulabschluss hatte er schon in der Tasche gehabt, bevor er sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hielt. Auch in dem Spielfilm, den El Patron in dieser Woche mit anderen Schülerinnen und Schülern dreht, hat sich der 22-Jährige entschieden: Er beendet sein Dealer-Dasein und beginnt, bei einer Bank zu arbeiten.

„Zwischen Licht und Schatten“ heißt der Film, den die Schüler mit mehreren Studierenden der Frankfurter Fachhochschule drehen und der morgen in der Aula der Schule erstmals gezeigt wird, bis er voraussichtlich im Januar 2016 einem größeren Publikum vorgestellt werden soll. Rabia Rosenberger und Alex Jussufi gehören zu dem insgesamt achtköpfigen Team der Studierenden. Sie wollen Sozialarbeiter werden und studieren an der Fachhochschule „Soziale Arbeit“ mit dem Schwerpunkt „Kultur und Medien“. Im Rahmen eines Projekts mit dem Schwerpunkt Sucht sind sie auf die Hermann-Hesse-Schule gestoßen. Andere Kommilitonen sind zeitgleich in anderen Einrichtungen unterwegs.

Im Arbeitsraum der Schule geht es am Mittwochvormittag lebhaft zu. Auf dem Tisch stehen zwei Laptops, um die sich die Schüler drängen. Es werden Szenen gezeigt, die am Tag zuvor an diversen Orten gedreht wurden: Willy-Brandt-Platz, Hauptbahnhof, Alte Oper, U-Bahn. Nicht alles, was sie auf dem Bildschirm sehen, gefällt den Schülern: „Man kann nicht erkennen, wo die reingehen“, bemängelt einer. „Das ist doch egal, Hauptsache, man sieht, dass sie zusammen reingehen“, meint ein anderer.

Die Rede ist von El Patron und seinem Gegenspieler, einem Dealer, der sich nicht von der Drogenszene trennen will – und dafür bezahlen muss. Während sich El Patron mit seiner Freundin trifft, wird sein ehemaliger Freund ausgeraubt. Gewinner und Verlierer – in dem Film sind die Rollen klar definiert. Musik gibt es keine, dafür Reime „wie bei Goethe“, sagt einer, und das klingt zum Beispiel so: „Ich würde auch gerne an später denken, um meinen Kindern das Beste zu schenken.“

Der Drogenkonsum selbst wird nicht thematisiert – auch aus Angst, wieder in alte Verhaltensweisen zu verfallen, wie Lehrerin Alice Amberg erklärt. Jennifer (27) – im Film spielt sie die Freundin von El Patron, hat früher Unmengen Bier getrunken „von Montag bis Montag, bis ich nichts mehr von mir wusste“. Ihr Kind habe ihr die Kraft gegeben, damit aufzuhören.

Immer wieder Rückfälle

Bonifatius (23) will nach dem Hauptschul- auch den Realschulabschluss machen. „Mal sehen, wie weit ich komme.“ Aufgewachsen ist er in einem Heim. Cannabis, Amphetamine, Heroin, Crystal Meth – seit ungefähr einem halben Jahr besucht er die Hermann-Hesse-Schule. „Ich muss noch lernen, Hausaufgaben zu machen“, sagt er selbstkritisch. Der 23-Jährige wohnt in einer therapeutischen Wohngemeinschaft und trifft sich nach der Schule lieber mit Freunden.

Bartholomäus ist erst „seit ein paar Wochen hier“. Der 23-Jährige ging in Ludwigshafen zur Schule. Dort fiel niemandem auf, dass er sich mit Alkohol, Cannabis und Pilzen zudröhnte. „Ich hätte schon im letzten Jahr fertig sein können.“ Jetzt möchte er sein Abitur in Frankfurt machen und danach Medizin studieren.

Immer wieder gibt es Rückfälle. Lehrer und Sozialarbeiter versuchen ständig, den Schülern die Scheu zu nehmen, über ihren Drogenkonsum zu reden. „Wir sind nicht die Polizei“, betont Schulleiter Jan Große. Er möchte den Schülern klarmachen, dass sie nicht bestraft werden, sondern man ihnen helfen möchte.

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