Wo ein Gerüst den Eingang zu Schauspiel und Oper monatelang einmauerte, stand am Sonntagmorgen plötzlich eine junge Frau in beigem Trenchcoat und Pumps auf einem Podest – und sang aus vollen Zügen.
Sängerin Franziska Junge war die erste der vielen Attraktionen, die es am Sonntag während des Theaterfests des Schauspiels und der Oper Frankfurt zu sehen und zu hören gab. Orchesterproben, Theaterdarbietungen, Kostümverkauf, das Fest entlockte wirklich jedem ein wenig Kreativität.
Besonders stolz waren die Veranstalter darauf, die Ergebnisse der Bauarbeiten der letzten Monate vorzuführen: Im Schauspiel wurde die Obermaschinerie erneuert. Die gesamte Decke musste dafür aufgerissen werden.
Um zu demonstrieren, was jetzt alles möglich ist, schlüpfte Ensemblemitglied Christoph Pütthoff, der bereits in „Der Nackte Wahnsinn“ und „Das Weiße Album“ zu sehen war, während einer Technikshow ausnahmsweise in die Rolle des Regisseurs. „Jetzt können wir sogar ein bisschen mehr zaubern als sonst“, rief er euphorisch in das voll besetzte Publikum. Vom Regiepult mitten in den Zuschauerreihen zeigte er, was die neue Bühne alles hergibt – und ließ seiner Phantasie freien Lauf. Kollegen Benedikt Greiner räucherte er kurzerhand mit der neuen Nebelmaschine ein, während dieser sich in einer modernen Darbietung mit todernster Miene versuchte.
Technisch auf der Höhe
Intendant Oliver Reese eröffnete die amüsante Technikshow: „Das Schauspiel ist nun technisch gesehen einer der besten Theaterbauten“, beginnt er und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Dass es ansonsten das beste Theater ist, wissen sie ja sowieso.“ Schallender Applaus. Im weiteren bezeichnet er sich als „ziemlich glücklichen Intendanten“ während er von den Zahlen der vergangenen Saison berichtet: Knapp 160.000 Zuschauer kamen ins Schauspiel, 2,2 Millionen Euro nahm das Theater ein. „Die haben wir natürlich schon wieder ausgegeben, um sie in Kunst umzusetzen“, so Reese. Wieder begeisterter Applaus. Nach den jüngsten Einstellungen fünf neuer Schauspieler und einer jungen Regisseurin zählt das Repertoire jetzt 38 fest angestellte Mitarbeiter, die die vielen erfolgreichen Darbietungen selbst stemmen und nur selten Darsteller von außen holen.
Die Oper zeigte den vielen Besuchern einen Parcours, der aus einer kreativen in die nächste verrückte Welt des Theaters führte. Orchesterproben und Lesungen passierend, lief der Zuschauer durch Gänge und Fluren an Büros oder auch mal Pferdeskulpturen vorbei und tauchte von Stockwerk zu Stockwerk in neue Welten des Theaters und der Oper.
Im siebten Stock endete die Reise im Malsaal, einem der Räume der neuen Werkstätten, die Oper und Schauspiel gleichsam nutzen. 57 Millionen Euro kostete der Zugewinn von 1500 Quadratmetern, so Geschäftsführer Bernd Fülle. „Wir sind sehr zufrieden“, fasst er zusammen. Als nächstes soll die Glasfassade ersetzt werden, die im Winter zu viel Kälte und im Sommer zu viel Wärme in das Foyer der Städtischen Bühnen lässt. Mittel dafür sind allerdings erst ab 2014 eingeplant. Oper und Schauspiel Frankfurt können also auf das Gerüst erst einmal ein paar Jahre verzichten.

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