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05. September 2014

Tigerpalast: Gleichberechtigung am Trapez

 Von 
Blaze Birge und David Jones sind das Duo Daring Jones.  Foto: Jasmin Schülke

Das amerikanische Artistenduo Daring Jones zeigt im Tigerpalast eine moderne Nummer. Tigerpalast-Chefin Margareta Dillinger hat das Paar beim Nachwuchsfestival im italienischen Latina entdeckt.

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Keine zwei Stunden sind sie hier in Frankfurt. Doch anstatt ihren Jetlag auszuschlafen, machen sich Blaze und David gleich an die Arbeit. Blaze, im 50er-Jahre-Kostüm, klettert am Seil nach oben. Ihr Partner David, bekleidet mit einer schwarzen engen Weste, folgt ihr, bis sie die Schaukel erreicht haben, die sie beide verbindet – das Trapez. Und was die beiden nun zeigen, ist eine unglaubliche Mischung aus Körperbeherrschung, Tempo und Balance. Die beiden Artisten wirbeln um das Trapez, lassen sich fallen, dass einem der Atem stockt, fangen den anderen – scheinbar in letzter Sekunde – mit dem Fuß auf, alles ohne Sicherheitsnetz. Das Auge hat Mühe, die Bewegungsabläufe zu erfassen, die so schnell aufeinander folgen.

Blaze Birge (39) und David Jones (35) sind das Duo Daring Jones, sie kommen aus Kalifornien und sind bis Ende November im Frankfurter Tigerpalast zu Gast. Sie wohnen in einer der Artistenwohnungen, die das Varieté Theater für seine Künstler bereitstellt, die gemeinsame Tochter Jacy besucht in der Zeit einen Frankfurter Kindergarten.

Trapezkünstler gibt es viele, doch was Daring Jones zeigen, ist anders. „Normalerweise hat die Dame den passiven Part und wird von ihrem Partner herumgeschleudert“, sagt Blaze. Doch bei Daring Jones läuft die Trapeznummer gleichberechtigt ab, die Frau ist nicht nur schöne Dekoration im Kleidchen, sondern auch Akteurin.

Wer die beiden Artisten am Trapez sieht, vermutet, dass sie ihre Karriere schon als Kinder begonnen haben. „Ich habe erst mit 25 angefangen, nach meinem Abschluss in Bildender Kunst und Philosophie“, erzählt Blaze. Sie schloss sich einer rumänischen Zirkusfamilie an und reiste durch Europa, lernte Zirkuszelte aufzubauen, Wunden zu versorgen und fand ihre große Liebe – das Trapez. Das Zirkusleben ließ sie nicht mehr los, und so gründete sie in den USA 2002 den Flynn Creek Circus, in dem nicht nur Artisten, sondern auch Musiker und Künstler auftraten.

Ihren Mann David lernte sie in einer Bar kennen, in der sie jobbte. „Ich war ein Raufbold, trank zu viel und war auf der Suche nach etwas, das meinem Leben einen Sinn gibt“, sagt er und fährt fort: „Mein Großvater riet mir, zur Army zu gehen, doch das wollte ich auf keinen Fall.“ Als Blaze ihn fragte, ob er Lust habe, mit ihr eine Trapeznummer einzustudieren, sagte er sofort zu. „Blaze hat mir alles beigebracht“, sagt David. 2004 hatten sie ihren ersten gemeinsamen Auftritt.

Wanderzirkus in Indien angeschlossen

Mit ihrer Show haben sie die Welt bereist und sich sogar in Indien drei Monate einem Wanderzirkus angeschlossen. „Dort habe ich die Elefanten gewaschen“, erzählt David. Eine Geschichte fast wie im Film. Ihre erstes Engagement in Deutschland hatten sie beim Zirkus Probst. Dass sie nun im Tigerpalast an der Decke hängen, hat Margareta Dillinger zu verantworten. Die Tigerpalast-Chefin mit ihrem untrüglichen Gespür für das Besondere hat das Artistenduo beim Nachwuchsfestival im italienischen Latina entdeckt. „Das ist eine tolle Nummer, mir ist gleich die Ausstrahlung der beiden aufgefallen“, schwärmt sie.

Blaze und David trainieren für ihre Darbietung am Trapez täglich vier Stunden, aber nicht nur in der Halle. Auf ihrer Ranch in Mendocino, einem Ort ohne Handyempfang und Internet, spannen sie schon mal das Seil zwischen zwei Redwood-Bäumen. Und Blaze zeigt ein Foto, auf dem sie zwischen zwei Brückenpfeilern hängt. Hat sie nie Angst? Blaze lacht. Angst? Nein. Sogar während ihrer Schwangerschaft arbeitete sie am Trapez. „Es ist natürlich sehr intensiv, jeden Tag so eng zusammen zu arbeiten“, sagt David, „du musst dabei völlig ausgeglichen sein, deine innere Mitte gefunden haben.“ Keine Höhenangst, Disziplin und Nervenstärke sind natürlich auch nicht hinderlich für die Arbeit am Trapez.

Bis Januar werden sie erst einmal in Deutschland sein, ihre nächste Station ist Stuttgart, wo der Stardust Circus gastiert. Wenn sie wieder zu Hause in Kalifornien sind, werden sie sich dem Flynn Creek Circus widmen. Momentan sind die Zelte zusammengerollt. Und Daring Jones trainieren schon für ihr nächstes Projekt, eine Messerwurfnummer, aber eine klassische – man ahnt es schon – wird es nicht werden. Höchstwahrscheinlich werden sie auch hier die Rollen tauschen und Blaze die Messer in die Hand nehmen.

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