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03. August 2011

Tödlicher Polizeieinsatz: Sein Widerstand war noch nicht gebrochen

 Von Felix Helbig
Bild vom Tatort  Foto: dpa

Maximilian Kurth starb im Januar 2010 nach vier Schüssen, fünf Schlägen und zwei Tritten auf dem Hinterhof des Bürgerhospitals. Protokoll einer Nacht voller Widersprüche.

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Es scheint, als habe Maximilian Kurth* schon lange um sein Leben gekämpft, ehe er von drei Schüssen getroffen auf dem schneebedeckten Hinterhof des Bürgerhospitals lag.

Es gab Max den Jurastudenten, der kurz vor dem Staatsexamen stand, als ihm alles aus den Händen zu gleiten schien. Groß und ein wenig dicklich, mit kurzen dunklen Haaren, eher still, ängstlich, ein verzweifelter junger Mann, der sich mehrfach in psychiatrische Behandlung begab und doch erst von der Polizei beruhigt werden konnte, als er sich im November vor eineinhalb Jahren im Urlaub vom Balkon seines Hotelzimmers stürzen wollte.


Und es gab Maximilian Kurth, einen 28-jährigen Frankfurter, der nur zwei Monate später am frühen Morgen des 26. Januar 2010 im Hinterhof des Bürgerhospitals seine Freundin mit einem Messer bedroht haben soll, bis der Pförtner die Polizei rief. Ein „Störer“, der „trotz Aufforderung“ nicht stehenblieb und stattdessen mit „irrem, wahnsinnigen, entschlossenem Blick“ und „erhobenem Messer“ auf die Beamten losgegangen sei, weshalb es zum „Schusswaffengebrauch“ gekommen sei, wie es am Tag darauf technisch-nüchtern im Sachstandsbericht der Polizei hieß.

Das Messer hat keiner gesehen

So steht das nun überall, im Obduktionsbericht, im Bericht des Landeskriminalamts, in den Vermerken der Frankfurter Staatsanwaltschaft: „Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte nach Messerangriff“. Maximilian Kurth trafen auf dem Hinterhof des Bürgerhospitals drei Schüsse, zwei in die Beine, und einer, der seine Leber zerriss, so dass er noch einmal kurz um sein Leben kämpfte, vergebens. 53 Minuten später war Kurth tot.

Nur das Messer, stellt sich nun, eineinhalb Jahre später, heraus, hat eigentlich keiner der Polizisten gesehen. Aber das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit.

Es ist eine Geschichte voller Widersprüche und Ungereimtheiten, voller Wahrnehmungen, die sich gegenseitig ausschließen. Ihr Anfang reicht weiter zurück, bis in den April des Jahres zuvor. Maximilian Kurth plagen wahnhafte Ängste und Vergiftungsideen, so diagnostizieren es die Ärzte in der Klinik Hohe Mark in Oberursel. Kurth bleibt bis Ende Juni, bis es ihm etwas besser geht. Vor allem aber lernt er Lara Bosch kennen, auch sie ist Patientin, zehn Jahre älter, eine Architektin. Sie stützen sich, kommen einander näher.

Er habe immer mal wieder „seine Schübe“ gehabt, wird Lara Bosch später zu Protokoll geben. Und auch in dieser Nacht habe er einen Schub gehabt.

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