Schnarren beherrscht den kahlen Raum, hallt von den Klinkermauern zurück. Ein knallgelber Ball, so groß wie ein Tennisball, rollt über den grünen Spieltisch. Eine kleine Stahlkugel in seinem Inneren erzeugt das Schnarren, sobald er rollt.
Mit kleinen Schlägern aus Holz jagen zwei Sportler den „singenden Ball“ über den 3,65 Meter langen und etwa 1,50 Meter breiten Tisch. Eine Bande bremst ihn am Rand. Die große Kunst ist es, die Kugel ins gegnerische Tor – einen Durchbruch an den Stirnseiten – zu bugsieren. Große Kunst für die blinden Spieler. Unerreichbare Kunst für sehende Besucher, die mal die Augen schließen und wenigstens versuchen zu orten, wohin die Kugel rollt.
Zum Tischball für blinde Sportler bittet der Sportverein SV Blau-Gelb ab sofort immer mittwochs ab 19.30 Uhr. Das Training findet in einer der Flachbauten auf dem Vereinsgelände nahe der U-Bahn-Station Niddapark im Ginnheimer Wäldchen statt.
Das „Schnupperangebot“ gibt es bis Mitte September. Anschließend soll Tischball als separate Sparte in den Verein integriert werden, beziehungsweise der Abteilung Freizeitsport angegliedert werden.
Weitere Informationen unter Telefon 069/532650. (am)
Denn die Spieler führen die Holzschläger bei der neuen Sportart namens Tischball ausschließlich nach Gehör, um Tore zu erzielen oder solche zu verhindern.
„Na klar kann ich durch das Geräusch gut unterscheiden, ob der Ball von links oder rechts kommt und wie schnell“, sagt Heiko Mundo aus Kelkheim, dem gestern beim „Schnuppertraining“ beim Sportverein Blau-Gelb der Spaß deutlich anzusehen war, wie auch den anderen 15 blinden Akteuren am Tisch mit dem grasgrünen Spielfeld.
Vorbilder in Berlin und Kassel
„Man trifft den Ball natürlich besser, je leiser es im Raum ist, dann hört man umso besser“, ergänzt Eva Kruspe, die diesen Freizeitspaß schon einmal in der Schweiz ausprobiert hat. Und deshalb einen Motorradhandschuh übergezogen hat: „Wenn man den Ball auf die Handknöchel kriegt, dann tut das ziemlich weh.“ Mit dem ersten gemeinsamen Training, bei dem sich alle buchstäblich an die neue Sportart herantasten, die bundesweit bislang nur Vereine in Berlin, Cottbus, Kassel und Schleswig anbieten, ist Elvira Osewald aus Preungesheim fast am Ziel ihres sehnlichsten Wunsches.
Die Chancen stehen gut, dass unter dem Dach des SV Blau-Gelb eine Sparte Tischball entsteht, wenn Heiko Mundo, Eva Kruspe und all die anderen am Ball bleiben.
„Ich habe das vor einem Jahr in Hannover kennengelernt und habe meinem Nachbarn anschließend den Floh ins Ohr gesetzt“, sagt die 40-Jährige. Ihr Nachbar ist Hermann Schladt, seit April Vorstandsmitglied beim SV Blau-Gelb. Zufällig hatte der Verein auf seinem Gelände am Ginnheimer Wäldchen noch einen Raum frei, in dem sich die Tischballer nun voll entfalten können.
Tischball-Trainer Schladt: „Die Initialzündung für die Initiative unseres Vereins gab es im April, als der junge Sport bei der Frankfurter Bezirksgruppe des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes vorgestellt wurde.“
Demnächst gebe es vielleicht weitere Angebote für Menschen mit Behinderungen. In der Leichtathletik sei das denkbar, blickt der Erste Vorsitzende Klaus Grätz voraus und sieht darin „auch soziales Engagement“ des etwa 1000 Mitglieder zählenden Sportvereins.
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