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Trainer Christian Hock: "Diese Leute müssen hart bestraft werden"

Der Fußballtrainer Christian Hock hat Morddrohungen erhalten. Im Interview erklärt er, wie sich das auf sein Leben ausgewirkt hat und warum er nicht an Rücktritt denkt.

        

Christian Hock (41) war Profi bei Mainz und Mönchengladbach, ehe er auf die Trainerbank wechselte.
Christian Hock (41) war Profi bei Mainz und Mönchengladbach, ehe er auf die Trainerbank wechselte.
Foto: dpa

Christian Hock ist seit dem 23. April dieses Jahres Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Nachdem der nordhessische Traditionsklub in der vergangenen Saison den Aufstieg in die dritte Liga verpasst hatte, stehen der 41 Jahre alte ehemalige Profi des FSV Mainz 05 und von Borussia Mönchengladbach und seine Mannschaft in der Kritik. Die Anfeindungen gipfelten vor dem Heimspiel am vergangenen Wochenende gegen den SC Pfullendorf in Morddrohungen gegen den Trainer. Im Interview mit der FR sagt Hock, wie er mit den Drohungen umgeht.

Herr Hock, was haben Sie gedacht, als Sie die Morddrohung erhielten?

Als ich das gelesen habe, habe mir schon Gedanken gemacht. Es ist ja nicht so, dass sich ein Zwölfjähriger einen Spaß erlaubt hat. Im Umfeld des Vereins brodelt es ja schon länger, und da muss man die Sache ernst nehmen.

Wie gehen Sie mit der Drohung um?

Ich bin zur Polizei gegangen und habe eine Anzeige gemacht. Die Polizei will nun herausfinden, wer hinter der Drohung steckt.

Haben Sie Angst?

Angst habe ich nicht, aber ich bin natürlich im Moment sehr vorsichtig und das normale Leben hat sich schon ein klein wenig verändert.

Wie hat sich Ihr Alltag seit den Drohungen verändert? Gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen?

Man macht sich natürlich viele Gedanken und wird sehr vorsichtig bei Menschen, die man nicht kennt. Sicherheitsvorkehrungen gibt es keine wesentlichen. Die Polizei hier in Kassel ist sehr bemüht und wir stehen in ständigem Kontakt.

Haben Sie daran gedacht, zurückzutreten?

Erst mal war ich natürlich geschockt und habe mir gedacht: Was kommt noch nach? Die Stimmung in Kassel ist wie gesagt nicht gut, und das wird an mir und unserem Geschäftsführer Giuseppe Lepore ausgelassen, weil wir einen Umbruch eingeleitet haben. Aber an Rücktritt habe ich nicht ernsthaft gedacht. Ich bin viel zu sehr Fußballer, um mich von einem Bekloppten dazu bringen zu lassen. Sich dem zu beugen, wäre die falsche Lösung.

Wann wäre der Punkt gekommen, an dem Sie einen Rücktritt in Betracht zögen?

Sobald mich jemand tätlich angreifen würde oder gegen meine Familie vorgehen wollte. Dann wäre der Punkt erreicht. Aber das hat es noch nicht gegeben, und so weit wird es hoffentlich auch nicht kommen.

Der Hauptsponsor des Klubs, die Autofirma VW, hat in einem offenen Brief geschrieben, dass ein Verein, in dem es zu derlei Auswüchsen käme, nicht mehr der Verein wäre, denn man unterstützen will. Ihr Kommentar?

Den Brief fand ich top. Endlich meldet sich mal jemand zu Wort. Denn die Auswüchse schaden dem Verein, sie schaden dem Fußball überhaupt. Und sie repräsentieren auch nicht Hessen Kassel. Wir haben eine gute Fankultur, die paar Chaoten sind die Ausnahme.

In letzter Zeit haben Fußball-Fans öfter unverhohlen Drohungen ausgesprochen. Erkennen Sie da eine Tendenz – und wenn ja: Wie beurteilten Sie die?

Es ist zu erkennen, dass in den letzten Jahren solche Geschichten häufiger zu sehen sind. Für mich gibt es da nur eine Lösung. Die Leute, die so etwas machen, schaden dem Fußball und müssen deshalb hart bestraft werden. Aber auch die Leute, die solchen Chaoten eine Plattform geben, sollten sich Gedanken darüber machen, wie man dahin kommen kann, solche Leute vom Fußball weg zu halten.

Das Interview führte Andreas Hunzinger

Datum:  8 | 10 | 2011
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