Sie träumten von einer Karriere, wie sie einst Lena Gercke hingelegt hat, die erste Gewinnerin der TV-Show „Germany’s next Topmodel“. Doch statt viel Geld zu verdienen und berühmt zu werden, wurden die jungen Frauen Opfer eines Betruges. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) warnt vor der sogenannten Model-Masche, auf die auch zwei Frauen aus dem Großraum Frankfurt hereingefallen sind.
Die Täter hielten auf sozialen Netzwerkseiten wie etwa Facebook Ausschau nach jungen Frauen, erklärt Gaby Göbel-Andreas, die beim LKA für Internetkriminalität zuständig ist. Sie kontaktierten die Frauen im Internet, machten ihnen Komplimente für ihr Aussehen, um sie dann zu einem „professionellen Foto-Shooting“ einzuladen. Dazu müssten die Models in spe ins türkische Antalya reisen und die Kosten erst einmal selbst tragen. Das Geld bekämen sie aber selbstverständlich zurück. Und verdienen könnten sie einiges. Bis zu 200.000 Euro pro Jahr seien locker drin.
Bundesweit rund ein Dutzend Frauen fielen auf diesen Trick herein, wobei sich in den vergangenen Tagen immer neue Opfer gemeldet hätten „und wir von einer hohen Dunkelziffer ausgehen müssen“, sagt Göbel-Andreas. In Antalya angekommen, seien die Frauen vom Flughafen abgeholt worden. Anschließend hätten sich die Betrüger die Kreditkarten ihrer Opfer geben lassen – angeblich, um die Kosten für Flug und Hotel auf das Konto zurücküberweisen zu lassen. Tatsächlich sei es den Tätern aber nur darum gegangen, an die Kreditkartendaten der Frauen zu kommen. „Damit trieben sie dann Missbrauch“, sagt Göbel-Andreas. Manche Frauen mussten auch 1000 Euro bezahlen – als eine Art Anzahlung für ein Auto, das sie eigentlich geschenkt bekommen sollten, das sie aber tatsächlich nie gesehen haben. In Einzelfällen seien die Frauen zudem unter Drogen gesetzt worden, bevor die Betrüger spurlos verschwanden.
Kunden nennen lassen und immer misstrauisch bleiben
Carlos Streil kann über diese Berichte nur den Kopf schütteln. Er ist bei der Agentur „East West Models“ an der Hanauer Landstraße fürs Scouting zuständig. Dass Frauen auf derart miese Tricks hereinfielen, findet er „einfach schlimm“. Das Problem sei schon, „dass die Mädchen im Internet alles über sich mitteilen“ und dann auch noch auf eine dubiose Kontaktaufnahme eingehen. Auf keinen Fall hätten sie ohne Vorbehalte den Flug nach Antalya buchen dürfen.
Um herauszufinden, ob eine Modelagentur seriös ist, sollten die Frauen einen Blick auf die Internetseite der Velma werfen. Die Abkürzung steht für Verband lizenzierter Modellagenturen. Wer dort vorkomme, sei in der Branche bekannt und gelte nicht als schwarzes Schaf, sagt Streil.
Zugleich rät der Experte aus dem Frankfurter Ostend dazu, sich bei derartigen Angeboten Kunden nennen zu lassen, die die Agentur mit Aufnahmen beliefert. „Dann kann man bei den Auftraggebern erfragen, ob es dieses Unternehmen wirklich gibt.“ Und: Eine seriöse Agentur verlange natürlich keine Vorauszahlungen für Flug oder Unterkunft, sondern übernehme diese Kosten von Anfang an.
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