Rund elf Millionen Euro wendet die Stadt Frankfurt jedes Jahr auf, um benachteiligten Jugendlichen den Weg ins Berufsleben zu ebnen. Dennoch sind nach Angaben von Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats, etwa 2500 junge Männer und Frauen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Mehr als 1700 von ihnen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Einer der schwerwiegendsten Gründe für eine Erwerbslosigkeit aber ist ein fehlender Schul- und Berufsabschluss. Ein Jugendjobcenter soll die bestehenden Hilfsangebote besser abstimmen und individuell zuschneiden. Nichts sei schlimmer als die sogenannte Maßnahmen-Karrieren, meint der neue Leiter der Agentur für Arbeit, Karl-Heinz Huth.
Die Stadt und die Agentur wollen das große Thema Erwerbslosigkeit auch in Zukunft gemeinsam angehen. Zusammen werden sie ab dem 1. Januar 2011 die neu strukturierten Jobcenter betreiben. Wann genau das geplante Jugendjobcenter an den Start gehen kann, ist noch offen. Die einen reden vom Frühjahr 2011, Karl-Heinz Huth denkt eher an den Sommer. Überhaupt sind, wie Skotnik einräumt, noch viele Fragen ungeklärt. Zum Beispiel, ob das Jugendjobcenter einem anderen Jobcenter angegliedert wird, oder eine eigene Adresse bekommen soll.
Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) hat sich das Jugendjobcenter in Düsseldorf angesehen. Dort haben die Agentur für Arbeit, das für ArbeitslosengeldII-Empfänger zuständige Jobcenter und das städtische Jugendamt eine Bürogemeinschaft gebildet. In Düsseldorf liegt der Anteil der unter 25-Jährigen bei den Erwerbslosen bei 5,5 Prozent. In Frankfurt sind es nach Angaben der Agentur für Arbeit neun Prozent.
Stadt in der Verantwortung
Zwar erhofft sich Manuela Skotnik, dass durch den Fachkräftemangel die Zahl der jungen Arbeitslosen abnimmt. Doch das Problem eines fehlenden Schulabschlusses „wird bleiben“. Da müsse nachgeschult werden. „Die Stadt sieht sich in der Verantwortung“, sagt Skotnik. „Wir können es uns nicht leisten, dass junge Menschen im Beruf nicht Fuß fassen.“ Zwei Gründe sind es nach Einschätzung von Agentur-Chef Karl-Heinz Huth, die für die Jugendarbeitslosigkeit verantwortlich sind. Da gebe es noch immer junge Leute, „die einem Traum hinterherjagen“ – zum Beispiel mit einem Zeugnis voll schlechter Noten unbedingt Industriekaufmann werden wollen. Andererseits seien die Ansprüche der Arbeitgeber oft unangemessen hoch: „Ein Arbeitgeber, der einen Ausbildungsplatz nicht besetzen kann, sollte, bevor er klagt und jammert, mehr Zugeständnisse machen.“
Auch Huth hält ein Jugendjobcenter für sinnvoll, um die Zielgruppe der unter 25-Jährigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung zu betreuen. Huth übt aber auch grundsätzliche Kritik an der Berufsvorbereitung. „Nach der Schule wird repariert. Das ist der falsche Weg.“ Es müsse viel früher „in der Schule“ angesetzt werden. Schulsozialarbeit, eine Begleitung für den Berufseinstieg und eine optimierte Berufsorientierung könnten verhindern helfen, dass Jugendliche in irgendwelchen Bildungsmaßnahmen unnütze Warteschleifen drehen.

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