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16. Mai 2013

Urban Gardening: Blumenwiese statt Hundeklo

 Von Claudia Michels

Wilde Gärtner sehen viel Bedarf in der Stadt.

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Wilde Gärtner sehen viel Bedarf in der Stadt.

"Gerne!“ ruft Jörg Harraschain, Urvater der Frankfurter Bürgergärtner, wenn man ihn fragt, ob die hiesige „Urban Gardening“-Bewegung vielleicht auch in der öffentlichen Grünpflege tätig werden könnte – um das Grünflächenamt von Aufgaben zu entlasten. Im gleichen Maß wie die amtlichen Mittel schwinden (sollen), wächst nach seiner Beobachtung die Zahl interessierter Leute.

urban Gardening

Das Portal „Transition Town Frankfurt“ proklamiert Projekte für „Urban Gardening in Frankfurt“ im Internet. Ziel ist, „ungenutzte Flächen zu attraktiven Orten der Begegnung zu verwandeln“. Die Gruppe schlägt auch vor, Gemüse und Blumen in Hochbeete zu pflanzen (www.transition-town-frankfurt.de).

Vorbilder sind die Prinzessinnengärten in Berlin und die „Essbare Stadt Andernach“, wo Potenziale einer „urbanen Landwirtschaft“ , das Anpflanzen von Obst und Gemüse im öffentlichen Raum, länger schon diskutiert werden.

Bei einem Kongress zur „Essbaren Stadt Andernach“ (in der dortigen Mittelrheinhalle) wird am 13./14. Juni auch diskutiert, „welche Akteure mit ein-gebunden werden können“ und „wie die Zukunft des öffentlichen Grüns aussieht“. Im Internet: www.andernach.de

Schon bieten Aktivisten im Internet öffentliche Grundstücke mit Begrünungsbedarf feil – Orte, die laut Aufruf „zum Naschen einladen“. Sei’s am Eschersheimer Bahnhof oder am Oeder Weg, sei’s vor dem Bockenheimer Depot oder in der Eschenheimer Anlage. Und Frankfurts Umweltstadträtin Rosemarie Heilig (Grüne) wird aufgefordert, mit den wilden Gärtnern der Gruppe „Transition Town Frankfurt“ mal das Gespräch zu suchen. Um all seine Aufgaben zu schaffen, wendet das Grünflächenamt nämlich gern, wie an der Mainuferpromenade geschehen, die Methode Tabula rasa an: Statt mehr blühende Büsche und Blumen zu setzen, wird der pflegeaufwendige Blütenflor herausgerupft – damit man übers Grün einfach drübermähen kann.

Der frühere Nordend-Ortsvorsteher Harraschain (Grüne) hat die längste Erfahrung, nämlich vier Jahre, mit dem Gärtnern am Straßenrand. Das Amt für Straßenbau und Erschließung hat ihm seinerzeit an der Friedberger Landstraße eine große Verkehrsinsel freigeräumt. Nachdem die Kartoffeln aus dem Boden geklaut wurden – „Jeder bedient sich hier!“ – wachsen neben den blühenden Pflanzen am Kleinen Friedberger Platz jetzt Mohrrüben, Dill „und Unkräuter“, sagt Harraschain.

Rechtlich gehört ihm das Beet im Stadtraum. Harraschain ist praktisch Mieter bei der Stadt, er hat „die Sondernutzungserlaubnis“, beschreibt Gabriele Dehmer, Leiterin des Amts für Straßenbau, das Verhältnis. Sie steht dahinter, aus ihrer Sicht gibt es keine Probleme. Die Konstruktion gleicht der für die Sommergärten vor den Gaststätten; die Verantwortung für die „Verkehrssicherung“ liegt nach den Worten der Amtsleiterin beim Pächter.

Per „Sondernutzungserlaubnis“ hat das Amt auch 2500 Quadratmeter vom Danziger Platz zur Verschönerung und Nutzung durch eine Bürgerinitiative „Frankfurter Garten“ aus der Hand gegeben. „Der Platz gehört uns!“ frohlockt Daniela Cappelluti, eine der Initiatorinnen. Sie berichtet, dass „aus dem Hundeklo schon eine Bienenwiese“ entstanden ist, denn „der Torsten hat Blumen gesät“. Für den 28. Juni kann sie „die offizielle Eröffnung“ ankündigen. So viel öffentlicher Straßenraum wie dort, sagt Gabriele Dehmer, wurde noch nie an privat vergeben.

Hintergrund der weitreichenden Entscheidung: Der Platz vergammelt seit langem, die Umgestaltung lässt wegen fehlender Abstimmung mit der Bahn aber auf sich warten. Auflage für die Vergabe war, dass um das Gelände herum ein Zaun gesetzt und nichts fest verankert wird. Das Vergnügen ist als ein vorübergehendes gedacht.

Grünen-Obergärtner Harraschain plädiert „für einen kommunalen Ombudsmann, der im Internet alles sammelt“ – hier die Flächen, die Bürger pflegen könnten, oder dort die Adressen interessierter Aktiven. Brachliegende Rasenflächen, denen Urban Gardening guttäte, kann er sofort aufzählen. Familien, „die gern die Baumscheiben vor den Häusern bepflanzen würden“, kennt er auch. Doch seine Vorstöße, mehr Privatleute als Paten einzubeziehen, seien weder beim Ortsbeirat Nordend noch beim Planungsamt auf Wohlwollen gestoßen. Letztlich scheue die Verwaltung wohl „die Mühe, sich um die Bürgerwünsche zu kümmern“.

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