kalaydo.de Anzeigen

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

01. August 2012

Urteil: Maredo besiegt Betriebsräte

 Von Felix Helbig
Was intern bei Maredo abläuft, kriegen die Restaurantgäste nicht mit.  Foto: Alex Kraus

Kündigungen im Restaurant auf der Freßgass sind laut Arbeitsgericht überwiegend rechtens. Der Anwalt der Betriebsräte zeigt sich geschockt und kündigt an, in Revision zu gehen.

Drucken per Mail

Am späten Dienstagabend sind Richter Martin Becker und seine beiden ehrenamtlichen Kollegen aus ihrer Beratungsstube in Saal C 1.06 des Frankfurter Arbeitsgerichts zurückgekehrt und haben im Namen des Volkes ein Urteil gesprochen, es war schon dunkel draußen, die Stuhlreihen blieben leer. Solche Vorgänge sind durchaus üblich am Arbeitsgericht, die Öffentlichkeit muss hergestellt sein, auch dann, wenn Beratungen länger dauern. Und das haben sie im Fall der Steakhauskette Maredo gegen die eigene Belegschaft in der Freßgass.

Vielleicht ist die Entscheidung im Streit um gestohlene Waren auch deshalb nicht eindeutig ausgefallen: Während das Gericht die Kündigungen zweier Betriebsräte als rechtens anerkannte, wurde sie beim dritten Personalvertreter aufgehoben. Auf genaue Begründungen wird die Öffentlichkeit noch eine Weile warten müssen. Die Entscheidung ist aber ohnehin noch nicht rechtskräftig.

Für die Prozesse von mehr als einem Dutzend weiterer ehemaliger Maredo-Beschäftigter dürfte das Urteil allerdings eine gewisse Signalwirkung haben. Bei drei Mitarbeitern waren die Kündigungen bereits für rechtens erklärt worden, weitere Entscheidungen stehen noch aus.

Bedrohung, Nötigung, Freiheitsberaubung

Hintergrund des in Form und Umfang durchaus einzigartigen Rechtsstreits ist der Vorwurf der Steakhauskette gegen die Belegschaft, hauseigene Speisen verzehrt zu haben, ohne diese wie vereinbart zu bezahlen. Im November vergangenen Jahres hatte Maredo deshalb in einer denkwürdigen Mitarbeiterversammlung, die in einem Polizeieinsatz endete, den Personalchef in Begleitung von Rechtsanwälten und Sicherheitsbediensteten im Restaurant auflaufen lassen. Die Belegschaft wurde mit den Vorwürfen konfrontiert, man stellte es den Mitarbeitern schließlich frei, selbstständig zu kündigen. Ein gutes Dutzend tat dies.

Hinterher berichteten die Mitarbeiter von Bedrohungen, von Nötigung und Freiheitsberaubung, sie seien unter Druck zur Kündigung gedrängt worden. 14 von ihnen stellten Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft hat deshalb das Restaurant durchsucht.
Maredo bestreitet wiederum diese Vorwürfe. Die Mitarbeiter hätten systematisch gestohlen, das sei durch eine – zugegebenermaßen heimlich – installierte Videoüberwachung und verdeckte Ermittler belegt. Auch dagegen klagen die Mitarbeiter. Sie sehen hinter der Aktion das Ziel, die oftmals langjährigen Angestellten durch billigere zu ersetzen.

Sieg für Maredo

Vor dem Arbeitsgericht spielte die Beweisführung seitens Maredo eine eher untergeordnete Rolle. Dort ging es schlicht um die Frage, wer wann was mit wessen Duldung gegessen und nicht bezahlt hat, ob es sich dabei um eine allgemein anerkannte Gepflogenheit handelte oder um einen Regelverstoß. Es ist deshalb sehr viel über einzelne Oliven und Baguettestückchen gesprochen worden vor Gericht und darüber, ob diese hätten weggeworfen werden müssen oder mit Sour Cream bestrichen werden durften. Das Gericht hat das nun nicht eindeutig entschieden.

Es hat zwei Kündigungen wegen vergleichsweise geringer Vorwürfe bestätigt. Der dritte Betriebsrat, der zugleich der Betriebsleitung angehörte und laut Maredo deshalb zusätzlich seine Aufsichtspflicht verletzte, gewann hingegen sein Verfahren. Die Begründung wird auch deshalb mit Spannung erwartet.

Für Maredo ist die Entscheidung ein Sieg. „In fünf von sechs Fällen hat das Gericht zugunsten des Unternehmens entschieden, die Diebstähle durch die ehemaligen Mitarbeiter sind leider eindeutig. Wir sehen unsere Auffassung deshalb in vollem Umfang bestätigt“, ließ Maredo durch eine PR-Agentur mitteilen. Der Rechtsanwalt der Betriebsräte, Armin Franzmann, zeigte sich am Mittwoch geschockt, er könne das Urteil „nicht nachvollziehen“. Man werde nun in Revision gehen.

Es ist allerdings damit zu rechnen, dass Maredo das in dem einen verlorenen Fall auch tut. Der Betriebsrat dürfte andernfalls wieder im Restaurant arbeiten.

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Übersichtsseite Frankfurt/Rhein-Main

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Radfahren in Frankfurt
Radserie Stadtrad

Radfahren in Frankfurt: Wir machen die Bestandsaufnahme. Wo sind die Gefahrenstellen? Was muss besser werden? Auch Ihre Erfahrungen sind gefragt. Dazu gibt's Tipps für die Fahrradreparatur.

Zur Serie: Stadtrad - Radfahren in Frankfurt

Twitter
Fotostrecke
Costa Concordia

Frankfurt und Offenbach leuchten - im Rahmen der Luminale gab es 182 beeindruckende Lichtkunst-Projekte zu sehen. Ein Anziehungspunkt in Frankfurt war die neue Osthafenbrücke (Bild). Wir zeigen die schönsten Motive in einer Fotostrecke.

Online-Kataloge
Anzeige
Sprengung des AfE-Turms

Der AfE-Turm am Frankfurter Campus Bockenheim ist Geschichte. Fotos, Videos und Berichte über den großen Knall - und ein Blick auf das, was danach kommt.

Sprengung des AfE-Turms

Videos: Der AfE-Turm fällt - in Zeitlupe

Fotostrecke: Der Trümmerhaufen als Ausflugsziel

Fotostrecke: So fiel der AfE-Turm

Fotostrecke: Das bleibt vom Uni-Turm übrig

Fotostrecke: Ein letzter Rundgang im AfE-Turm

Rückblick: Spektakuläre Sprengungen in Frankfurt

Ausblick: Kulturcampus Bockenheim

Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

Die Zeitung
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Unglaubliche Geschichten aus dem Frankfurter Alltag - notiert von Frau Rauscher.

Spezials
Social Media
In Twitter informieren wir als FRlokal über Frankfurt und Rhein-Main. Folgen Sie uns!
ANZEIGE
- Partner