Aktuell: Peter Tauber | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

14. Februar 2013

Valentinstag Partnerschaft: Hoffnung für Singles über 40

Es gibt Phasen in einer Partnerschaft, da müssen die Liebenden auf ihre Herzen achten.  Foto: imago stock&people

Zum Valentinstag sprechen die Paartherapeuten Bernd und Kerstin Böttger über Liebe, Sexualität und Online-Dating. Und darüber, wie man eine gute Beziehung führt ohne sich zu langweilen.

Drucken per Mail
Institut für Paartherapie

Das Institut für Paartherapie in Frankfurt, ein gemeinnütziger Verein, wendet psychoanalytische Paartherapie an und bildet darin weiter.

Der Psychologe Dr. Bernd Böttger leitet es. Zusammen mit seiner Frau Kerstin veranstaltet er auch Paarworkshops am Wochenende. Der nächste findet vom 12. bis 14. April in Frankfurt-Bonames statt und kostet pro Person 200 Euro. Paartherapie wird grundsätzlich nicht von den Krankenkassen übernommen.

Ab dem 13. März gibt es in einem Praxisverbund eine Paarkrisenambulanz, die auch samstags Termine anbietet . Weitere Informationen: 069/95049189 oder unter www.paarinstitut.de

Was halten Sie als Paartherapeuten vom Valentinstag?

Bernd Böttger: Ich finde es wichtig, dass die Liebe immer mal wieder gefeiert wird, und der Valentinstag ist ein schöner Anlass dazu. Zu uns kommen Paare aber häufiger mit Problemen. Sie sagen: Wir reden zu wenig miteinander, verstehen uns nicht mehr, die Beziehung entwickelt sich nicht weiter. Das ist die Oberfläche. Spricht man länger mit ihnen, kommt oft heraus, dass es um das Versiegen der Sexualität geht oder um eine zurückliegende Affäre, über die nicht gesprochen wurde. Einer bleibt verletzt, das sickert langsam an die Oberfläche. Bis Paare überhaupt zu uns kommen, dauert es ein bis zwei Jahre.

Worauf sollte man achten, wenn man eine gute Beziehung führen will?

B.B.: Sie hängt vom Austausch, von gemeinsam verbrachter Zeit und davon ab, wie man mit Konflikten umgeht. Drei Tipps für die bessere Beziehung: reden, reden, reden. Und man muss sich immer fragen, ob der andere grundsätzlich die Bedürfnisse erfüllt, die man an eine Partnerschaft hat. Manche Bedürfnisse kann man auch anders erfüllen, zum Beispiel, indem man mit einer Freundin in die Oper geht.

Wie alt sind Ihre Patienten?

B.B.: Einige sind 18, andere über 70 Jahre alt. Die meisten Paare kommen in der schlimmsten Situation der mittleren Jahre: zwei Jobs, Kinder und keine Großeltern, die auf sie aufpassen.

Kerstin Böttger: Und gerade wurde ein Haus gebaut.

B.B.: Sie sind also in einer Lebenssituation, die sie eigentlich überfordert und bedingt, dass sie keine Zeit mehr haben, ihre Beziehung zu pflegen. Dann verrottet die Paarbeziehung, und die Familie geht kaputt.

Zwei Drittel der Frauen fühlen sich nicht verstanden

Gibt es männer- und frauenspezifische Probleme?

B.B.: Zwei Drittel der Frauen fühlen sich nicht verstanden, beklagen mangelnde Kommunikation. Und die Männer sagen: Wir waren doch jetzt gerade zusammen in der Oper, den Müll habe ich auch rausgebracht, was willst du noch?

K.B.: Die Männer sagen: Alles was ich mache, wird sowieso falsch ausgelegt, deswegen ziehe ich mich zurück und sage lieber gar nichts.

B.B.: Er mauert, sie meckert.

Aber wenn man zu Ihnen kommt, hat man ja zumindest das Anliegen, dass es besser werden soll..

B.B.: Manche kommen auch zu spät. Aber wer hierher kommt, hat zumindest den Plan, etwas zu ändern. Ob er das unbewusst auch will, ist eine andere Frage. Einige sagen auch: Das ist unser letzter Strohhalm, wir haben gedacht, wir kommen noch mal, ehe wir uns trennen.

K.B.: Es kann auch um eine geregelte Trennung gehen.

B.B.: Paartherapie bewirkt entweder eine bessere Beziehung oder eine bessere Trennung. Wenn es gut läuft, ist eine Trennung die Umwandlung in eine gute Elternschaft oder eine Freundschaft.

Wann hört Ihrer Erfahrung nach die Verliebtheit in Beziehungen auf?

B.B.: Meist schon nach einem halben Jahr. Die Frage ist, ob man sie in etwas anderes, Beständigeres umwandeln kann oder ob man nur einen Rausch abfackelt, und dann bleibt nur noch der Kater übrig, wenn man den anderen realistisch sieht. Der Verliebte findet ja selbst die Fehler seines Partners toll.

Mehr Vertrautheit, weniger Sex

Wie verändert sich die Sexualität in Beziehungen?

B.B.: Die Vertrautheit nimmt zu, die Sexualität lässt nach. Der bundesweite Durchschnitt ist ein- bis zweimal wöchentlich. Ab 50 frage ich aber eher danach, ob die Sexualität gut ist, nicht wie oft sie stattfindet. Ob es wirklich ein Moment ist, in dem sie sich auch körperlich und geistig näherkommen. Aber Sexualität ist ein wichtiger Pfeiler in der Beziehung. Wenn sie nicht mehr stattfindet und einer in den Notstand kommt, ist er eher bereit für eine Affäre, und dann wird die Beziehung angreifbar.

Was kann ein Paar gegen die schleichende Platonisierung seiner Beziehung unternehmen?

B.B.: Wenn beide das okay finden, muss auch nichts dagegen unternommen werden. Das wird nur zum Problem, wenn sich die Bedürfnisse nicht parallel entwickeln.

K.B.: Es entlastet Paare auch, wenn man ihnen unterschiedliche Phasen zugesteht.

B.B.: Selbst der Hamburger Sexualforscher Gunter Schmidt sagt, bei ihm gebe es solche Phasen. Solange es nicht zur Belastung der Beziehung führt, ist alles in Ordnung – von dreimal am Tag bis einmal im Monat.

Wie oft kommen Paare zu Ihnen, in denen der Mann unter Impotenz leidet?

B.B.: Nicht so oft.

K.B.: Häufig!

B.B.: Ich würde sagen: zehn Prozent. Aber das ist auch Definitionssache. Impotent ist für mich ein Mann, der nicht mehr kann. Du meinst auch die, die Potenzschwächen haben, bei denen es nur ab und zu funktioniert. Wenn Sie die mit meinen, sind das 30 bis 40 Prozent der Paare.

Wie kann man da gegensteuern?

B.B.: Das hat sich seit der Verwendung von Potenzmitteln wie Viagra schon deutlich verändert. Zu uns kommen jene, die das nicht nehmen wollen.

K.B.: Es ist wichtig zu sagen, dass Frauen genauso darauf bedacht sind, immer wieder den sexuellen Kontakt mit ihrem Partner herzustellen wie Männer. Viele brauchen regelmäßigen Sex, weil sie für sich die Bindung immer wieder bestätigt haben möchten.

B.B.: Laut einer Studie geben 48 Prozent der fremdgehenden Frauen die mangelnde Sexualität in der Beziehung als Grund an, bei den Männern sind es nur 36 Prozent.

Wenn sich ein Paar nichts mehr zu sagen hat, nützt auch der Gang zur Möwen-Beraterin nichts mehr.  Foto: imago stock&people

Partner ausspannen geht fast immer schief

Ist Fremdgehen der häufigste Grund, warum Paare zu Ihnen kommen?

B.B.: Ja. Wobei man unterscheiden muss zwischen emotionalen Affären, in denen sich ein Partner endlich mal wieder verstanden fühlt, und den sexuellen Affären. Das war früher die Domäne der Männer. Die dritte Gruppe, kombinierte emotionale und sexuelle Affären, macht den größten Teil aus. Das sind die gefährlichsten.

Sie haben unlängst gesagt, dass es sich im Sinne einer neuen Beziehung nur in 20 Prozent der Fälle lohnt, dem anderen den Partner auszuspannen.

B.B.: In einer Untersuchung hat man festgestellt, dass nur aus 18 Prozent dieser Affären dauerhafte Beziehungen werden. Das bedeutet dann: Ehe kaputt, Affäre auch hin. Wobei manche Affären auch nur dazu dienen, aus einer klemmenden Beziehung herauszukommen.

K.B.: Mit voranschreitendem Alter wird es schwieriger, einen neuen Partner zu finden. Es gibt aber einen zweiten Schub. Mit Mitte 40 ist der Markt wieder geöffnet.

Wie verändern Kinder die Beziehung?

K.B.: Das Kind ist der Dritte im Bunde.

B.B.: Das ist zwiespältig. Einerseits hat man als Paar zusammen etwas zustande gebracht, aber es gibt auch die erste Krise. Der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer sagt sogar, dass es mit dem zweiten Kind noch schlimmer wird. Dann wird das Paar nicht mehr gepflegt. Aber man muss sich immer wieder klarmachen, dass das Paar der Kern der Familie ist, nicht die Kinder. Die gäbe es sonst gar nicht.

Online-Dating: eine gute Übung

Wie beurteilen Sie die steigende Partnersuche über das Internet?

B.B.: Sie ist besonders für die gut, die keine Zeit mehr haben, sich als Frau in die Bar zu setzen und mit dem Stöckelschuh zu wippen oder als Mann mit seinem Freund in der Disco rumzuschleichen. Viele wissen gar nicht mehr, wo sie einen Partner kennenlernen sollen. Da ist es doch wunderbar, dass man online gucken kann, wer in der gleichen Situation ist.

K.B.: Es gibt natürlich auch die schnellen Datinggeschichten.

B.B.: Aber die Möglichkeiten werden durch Online-Partnersuche größer. Und sie macht fit für eine reale Beziehung. Es kann sein, dass jemand im Internet ein, zwei Jahre sucht und dort lernt, was das andere Geschlecht will. Wenn er dann beim Metzger jemanden kennenlernt, hat er geübt.

K.B.: Viele Frauen finden es schön, dass sie sich auf jemanden einlassen können, ohne geschminkt oder gestylt zu sein. Die reale Person kann sich zeigen.

Das Gespräch führte Grete Götze

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten und Reportagen aus dem Herzen des Rhein-Main-Gebiets - alles über Frankfurt und seine Stadtteile.


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

In eigener Sache

FR erweitert den Regionalteil

Aus der Produktion unseres neuen Regionalteils.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Kein Scherz, vom Wochenende an bekommen Sie in Ihrem Lokal- und Regionalteil mehr Frankfurter Rundschau als bisher. Und etwas anders wird sie auch, ihre FR.  Mehr...

Twitter
Südliche Stadtteile
Östliche Stadtteile
Nördliche Stadtteile
Westliche Stadtteile
Bahn-Verkehr

Die Lage im Bahnverkehr live:

- Frankfurt a.M. (Hbf) aktuelle Abfahrt und Ankunft,
- An- und Abfahrt für alle Stationen,
- Reiseverbindungen als Live-Auskunft (Prognosen).

Anzeige

Premium-Fotostrecke
Frankfurt von oben

Mit dem Hubschrauber unterwegs über der Mainmetropole: Fliegen Sie mit!
Zur Premium-Fotostrecke Frankfurt von oben.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

ANZEIGE
- Partner