Immer mehr Kinder haben Probleme, sich eigenverantwortlich im Straßenverkehr zu bewegen. Der hessisches Innen- und Sportminister Boris Rhein (CDU) berichtete, im Schuljahr 2009/2010 seien bei 1,7 Prozent der Kinder, die an der Radfahrausbildung teilgenommen hätten, motorische Defizite festgestellt worden. Etwa beim Handzeichen geben oder dabei, die Balance auf dem Rad zu halten. Im Schuljahr 2010/2011 waren es doppelt so viele.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, haben Rhein, die hessisches Kultusministerin Dorothea Henzler und die Vorsitzende des Landeselternbeirats Kerstin Geis am Freitag den Elternbrief in der Heinrich-Kromer-Schule in Niederursel vorgestellt. Mit der Initiative soll die Unsicherheit der Kinder beseitigt werden. Insbesondere die Eltern seien angehalten, so Rhein, die Verkehrsregeln immer wieder in das Gedächtnis ihrer Kinder zu rufen.
Wichtige Erkenntnis: Kinder sind kleiner als Autos
Die Verkehrserziehung ist Bestandteil des hessischen Schulgesetzes. Pädagogen von 61 Jugendverkehrsschulen der Polizei in Hessen üben mit den Kindern in zehn Stunden pro Schulklasse die eigenverantwortliche Teilnahme im Straßenverkehr. Dabei sei es für die Kinder bereits wichtig zu erkennen, so Henzler, dass „sie kleiner als die Autos sind“. Das ist der Anfang; darauf baut das Training des Schulwegs, der motorischen Grundfähigkeiten und anschließend des Radfahrens auf. Doch gerade durch die zunehmende Ungeschicklichkeit erhöhe sich die Unfallgefahr, sagt Henzler. 2011 wurden 258 Grundschulkinder in Hessen bei Unfällen verletzt, 45 davon schwer.
Die Wahrnehmung, dass motorische Defizite zunehmen, hat Anita Prenzel nicht. An der Heinrich-Kromer-Schule, deren Leiterin Prenzel ist, sind Sport und Bewegung wichtige Schwerpunkte. Bereits an den ersten Info-Abenden würden die Eltern aufgeklärt und sensibilisiert.
Neue Geräte für die Mobilitäts-Erziehung
Mobilitäts-Erziehung beginnt bereits in Zusammenarbeit mit den Kindergärten. Zudem hat die Schule einen großen Parcours mit zehn Stationen auf dem Schulgelände, eine Kletterwand sowie einen Sinnes- und einen Bewegungsraum.
Henzler übergab eine Spende in Höhe von 1500 Euro, damit die Schule neue Geräte anschaffen kann. Eine Gruppe von 15 Kindern wird dort derzeit im Fördersport unterrichtet, der speziell auf Jungen und Mädchen mit motorischen Defiziten abzielt.
Zudem appelliert Schulleiterin Prenzel immer wieder an die Eltern, ihre Kinder nicht jeden Tag zur Schule zu fahren. Es gebe etwa Laufgruppen von Eltern und Schülern, die morgens vom Mertonviertel in die Schule liefen. Kerstin Geis weiß aus vielen Schulwegbegehungen: „Die größte Gefahr war stets das Mama-Taxi, das den Weg zum Schultor blockiert hat.“

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