In dieser Woche wird der Frankfurter Rechtsanwalt Holger Lessing den „elektronischen Datenraum“ öffnen. In dieser Internet-Nische, zugänglich nur mit Passwort, hat der Insolvenzverwalter des Eichborn-Verlags alles gesammelt, was ein potenzieller Käufer wissen muss. Da ist alles zu erfahren über Autorenrechte, Lagerbestände, die Backlist des Verlages, die Planungen für die Programme der nächsten Jahre und vieles mehr.
Und natürlich auch die kumulierten Verluste, die bei 2,5 Millionen Euro liegen sollen. Einen Monat nach dem Insolvenzantrag für den drittgrößten Frankfurter Verlag ist Lessing dennoch optimistisch, dass Eichborn gerettet werden kann. Mehrere namhafte Verlagshäuser haben Interesse am Unternehmen bekundet. „Diese Lösung wäre mir natürlich am liebsten – ein Verlag bietet die besten Voraussetzungen, um Eichborn weiterzuführen.“
Spätestens am 1. September muss der Rechtsanwalt das Insolvenzverfahren eröffnen: „Mit diesem Schritt gilt die Eichborn AG dann als aufgelöst.“ Die jüngste Mitteilung des bisherigen AG-Mehrheitseigentümers Matthias Koch, er habe die Majorität abgegeben, sei daher „für das Insolvenzverfahren ohne Belang“, wie Rechtsanwalt Lessing kühl sagt.
Als Marke erhalten
Koch, der auch Besitzer des Aufbau Verlags in Berlin ist, soll, das ist erkennbar, im neuen Haus Eichborn keine Rolle mehr spielen. Mit einem neuen Eigentümer beginnt alles neu. Lessing prüft gerade, inwieweit sich auch der Name Eichborn verkaufen lässt. Er möchte ihn als bekannte Marke unbedingt erhalten. Über 38 Arbeitsplätze verfügt das Verlagshaus heute noch. Vor zehn Jahren, als die Eichborn AG an die Börse gegangen war, zählte man einschließlich verschiedener Tochterunternehmen (etwa für Filmrechte) noch 100 Beschäftigte.
Wo und wann genau begann die Fehlentwicklung, die zur heutigen Situation geführt hat? Je länger Insolvenzverwalter Lessing sich mit Eichborn beschäftigt, desto mehr treibt ihn auch diese Frage um. „Es hat sicherlich eine Führungspersönlichkeit gefehlt“, meint Lessing. Mit den großen Einnahmen vom Börsengang – umgerechnet zwölf Millionen Euro wurden seinerzeit erzielt – habe man den Verlag auch in ungute Größenordnungen getrieben. Vieles sei längst zu groß, von den Räumen im Bahnhofsviertel bis hin zur Software.
Der Rechtsanwalt geht soweit, den Insolvenzantrag sogar einen „Befreiungsschlag“ zu nennen. Verlagssprecher Dieter Muscholl ist froh, dass die Erosion des Hauses gestoppt zu sein scheint. Kein namhafter Autor sei nach der Insolvenz zu anderen Verlagen gewechselt, nur ein Autorenduo habe ein bereits angekündigtes Buch zurückgezogen.
Innerhalb der nächsten zwei Wochen haben die Kaufinteressenten jetzt Zeit, alle internen Daten von Eichborn zu prüfen. Im August will Lessing dann die Kaufverhandlungen führen und abschließen. Im Ergebnis kann der Verkauf dann noch einmal Beschäftigungsmöglichkeiten kosten, das weiß der Insolvenzverwalter. Seine Formel heißt: „Die überwiegende Anzahl der Arbeitsplätze soll gerettet werden.“

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