Frankfurt
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22. Januar 2013

VGF in der Kritik: Die Wut der Fahrgäste

 Von Felix Helbig

Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft steht in der Kritik: Nach dem Totalausfall der Straßenbahnen und erheblichen Verzögerungen im U-Bahn-Verkehr informieren die VGF ihre Kunden zwar - wird aber auch ordentlich beschimpft.

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Im digitalen Zeitalter liegen Fluch und Segen dicht beieinander. Spätestens seit Montag weiß man das auch bei der Frankfurter Verkehrsgesellschaft: Nach dem Totalausfall der Straßenbahnen und erheblichen Verzögerungen im U-Bahn-Verkehr hat der Verkehrsbetrieb am Montag zwar so umfassend und schnell wie wahrscheinlich nie zuvor über die sozialen Netzwerke seine Passagiere informiert. Gleichzeitig ist er dabei aber ordentlich beschimpft worden.

Nachdem wegen des Eisregens am Sonntagnachmittag auf allen 67,25 Straßenbahnkilometern in Frankfurt die Oberleitungen eingefroren waren, hatte die VGF den Betrieb am Abend vollständig eingestellt. Die Straßenbahnen aller neun regulären Linien blieben großenteils auf offener Strecke stehen – und standen dort auch am Montagmorgen noch.

Gleichzeitig kam es von Betriebsbeginn an zu Ausfällen bei den U-Bahnen: Die Linien U1, U2, U3 und U8 fuhren zunächst nur unterirdisch zwischen Südbahnhof und Miquelallee, die U9 wurde komplett eingestellt, die U4 endete an der Seckbacher Landstraße. Halbwegs Betrieb herrschte lediglich auf den Linien U5, U6 und U7 – in unregelmäßigen Abständen und vollkommen überfüllten Zügen. Erst am späten Vormittag fuhren die U-Bahnen zumindest teilweise auch wieder oberirdisch, auf der Nord-Süd-Achse allerdings auch das nicht lange: Weil nahe der Station Niederursel die Oberleitung riss und Kontakt zum Boden hatte, mussten Feuerwehr und VGF-Rüstwagen anrücken, um die Gefahrenstelle zu sichern und Passagiere aus einer Bahn der Linie U3 zu befreien. Auf der Linie U2 stürzte am Morgen ein Baum in die Oberleitung und unterbrach den Verkehr. Die Linie U9 wurde am Nachmittag erneut eingestellt, weil sie am Riedberg die Steigung nicht mehr hinauf kam. Und die Züge, die fuhren, waren oftmals sehr kurz. Und somit sehr voll.

Bei Facebook und Twitter, wo die VGF ständig informierte, nachdem am Morgen ihre Internetseite zeitweise zusammengebrochen war, sorgte das für erheblichen Unmut: Einer der teuersten Nahverkehre der Republik bricht bei Schneefall sofort zusammen, hieß es in zahlreichen Kommentaren – und ist dann nicht einmal in der Lage, eigene Enteisungsfahrzeuge loszuschicken und Ersatz einzurichten. Immer wieder verwiesen Nutzer auf Städte wie Leipzig, wo der Verkehr bei ähnlichen Bedingungen schnell wieder hergestellt worden sei. Gerade bei Bürgern aus Fechenheim oder Oberrad, die mangels U-Bahn auf die Straßenbahn angewiesen sind, stieß zudem auf Unmut, dass die VGF keinen Ersatzverkehr mit Bussen anbot.

Die VGF-Mitarbeiter reagierten darauf gelassen – und durchaus aufrichtig: Verkehrsbetriebe wie jene in Leipzig könnten zügig Personal und Fahrzeuge für Ersatzverkehre bereitstellen, weil der Busverkehr dort „nicht wie in Frankfurt ausgeschrieben, sondern nach wie vor städtisch“ sei. In Frankfurt fehle dafür „einfach das Geld“. Zur Beruhigung trug das nur bedingt bei, zumal alte Bahnen wie der Ebbelwei-Express gesichtet wurden. Sie sind weniger anfällig bei Eis.

Eine VGF-Sprecherin sagte am Nachmittag, man müsse berücksichtigen, dass es sich um ein „extrem außergewöhnliches Ereignis“ handele. Man arbeite „mit allen Mitteln“ und hoffe, „die Straßenbahnen bis Dienstagmorgen wieder flottzubekommen“.

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