Der Slogan ist eindeutig, auch wenn er sich nicht wirklich reimt. „Ihr seid die Beweise, Deutschland ist scheiße“, skandieren die knapp 100 jungen Leute am Donnerstagabend vor dem Südbahnhof. Die meisten von ihnen gehören zur Autonomen Antifa. Sie stehen direkt an der Tür zum Bürgerhaus, unweit der Abgänge zur U-Bahn. In dem Saalbau halten die Freien Wähler ihre Abschlusskundgebung zur Kommunalwahl ab. Etwa 50 Anhänger sind erschienen.
„Es geht nicht, dass eine Partei unisono mit der NPD für Sarrazin wirbt“, sagt Pfarrer Hans-Christoph Stoodt, der mit einigen Mitgliedern seiner Anti-Nazi-Koordination zur Demonstration gekommen ist. Stoodt spielt damit auf die Wahlplakate der Freien Wähler an. Der Slogan: „Damit Frankfurt Sarrazin beherzigt.“
Derweil setzt eine junge Frau zum ersten Redebeitrag des Abends an. Die Freien Wähler „vertreten die aggressive Seite des Kleinbürgertums in Frankfurt“, sagt sie. Und: „Ihr neuer Star heißt Thilo Sarrazin.“
Die Polizei ist mit einer Hundertschaft vor Ort. Rund um den Südbahnhof parkt ein gutes Dutzend Mannschaftswagen. Die Beamten tragen Einsatzanzüge, halten ihre Schlagstöcke in der Hand und könnten im Ernstfall auch blitzschnell die Flasche mit dem Pfefferspray ziehen.
Die Lage ist angespannt, denn zum einen gibt es bei Demonstrationen des linken Spektrums immer mal wieder Scharmützel mit der Polizei, und zum anderen begegnen sich Antifa und Freie Wähler am Donnerstag nicht das erste Mal. Vor drei Jahren hatte die Partei zum Gedenken für die Opfer des Bombardements der Altstadt eingeladen. Die Antifa kam auch und demonstrierte gegen die Veranstaltung. Schließlich gab es ein Handgemenge, bei dem Hans-Günter Müller, Stadtverordneter der Freien Wähler, leichte Verletzungen erlitt.
Am Donnerstagabend bleibt es aber weitgehend ruhig. Ein einziges Mal versuchen die Demonstranten, in den Saal zu gelangen. Die Polizeikette rückt zusammen, die jungen Leute weichen zurück.
Ärger gibt es aber mit sechs Männern, die laut Antifa aus Bergen-Enkheim kommen und zur Neonazi-Szene gehören. Die Männer filmen die Protestkundgebung, was sich die Demonstranten nicht bieten lassen. Schließlich geht die Polizei dazwischen. Die Gruppe will dann die Veranstaltung der Freien Wähler besuchen, wird dort aber abgewiesen, weil auch die Freien Wähler davon ausgehen, dass es sich bei den Männern um Rechtsextreme handelt. So stellt es zumindest der Stadtverordnete Müller dar. Mitglieder der Antifa wollen die Gruppe später im Treppenhaus des Bürgerhauses gesehen haben.
Unterdessen wirft Hans-Günter Müller der Antifa „Rassismus pur – und zwar dem deutschen Volk gegenüber“ vor. Außerdem sei es legitim, auf Sarrazin hinzuweisen. Bei der Kommunalwahl wäre er über jedes Ergebnis unter zehn Prozent „sehr enttäuscht“. Bei der Sonntagsfrage der FR lagen die Freien Wähler vor einer Woche bei 5,2 Prozent.

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