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26. Februar 2014

Wanderarbeit: Arbeiter ohne Lohn

 Von Stefan Reichert
Die Arbeiter auf ihrem Protestzug im Europaviertel.  Foto: Alex Kraus

Harte Arbeit und am Ende kein Geld - 50 rumänische Bauarbeiter machen mit einer Mahnwache im Europaviertel auf ihre Situation aufmerksam. Der Subunternehmer, der sie anheuerte, ist den Lohn schuldig geblieben.

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Frankfurt. –  

Fünfzig Bauarbeiter aus Rumänien haben am Dienstag aufgrund ausbleibender und unregelmäßiger Lohnzahlungen spontan eine Mahnwache bei einer Baustelle an der Europa-Allee in Frankfurt abgehalten. Sie forderten ihr Geld vom deutsch-rumänischen Unternehmen K&T, bei dem sie beschäftig sind, und skandierten „Diebe“ und „Geld her“ vor den Planungscontainern des Baugeländes. Nach Berechnungen der Gewerkschaft IG Bau, welche die Interessen der Arbeiter vertritt, stehen den Rumänen noch mehr als 176 300 Euro zu.

Kontakt abgebrochen

Die Situation der Arbeiter ist angespannt, denn sie warten seit Tagen auf ihren Lohn. Einige sagten, dass sie in diesem Jahr überhaupt kein Geld erhalten hätten. Sie wohnen derzeit in Baucontainern in Hanau und warten ohne Geld für eine Grundversorgung mit Nahrungsmitteln auf ein Zeichen ihres Unternehmens. Der Auftraggeber, das Bauunternehmen Max Bögl, mietet die Baucontainer, in denen die Menschen untergebracht worden sind. Ein Unternehmenssprecher versicherte, dass sie dort bleiben dürften, bis die rechtliche Situation geklärt sei. Die Arbeiter waren am Morgen im Haus des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mit einem Frühstück versorgt worden, um die Mahnwache überhaupt angehen zu können.

Der Ansprechpartner des Subunternehmens K&T reagiere nicht mehr, sagten die Arbeiter. Dieser sagte der Frankfurter Rundschau, nicht im Namen der Firma sprechen zu können, und wollte keine Angaben machen. Das Unternehmen selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Anfang seien sie um Geduld für die fehlende Entlohnung gebeten worden. Vor einigen Tagen sei jedoch der Kontakt von K&T vollständig abgebrochen worden.

100 Euro Einmalzahlung

„Das Unternehmen Max Bögl hat die Löhne an den Subunternehmer weitergegeben. Eine doppelte Zahlung der Löhne kommt nicht Betracht. Seit uns bekannt ist, dass ein Pfändungsbeschluss des Finanzamts Chemnitz ergangen ist, müssen die Zahlungen an das Finanzamt geleistet werden“, sagte der Bögl-Sprecher. Das Unternehmen sei dabei allen gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen und habe das Vertragsverhältnis zum Subunternehmen aufgelöst, so der Sprecher. Bögl hatte den Rumänen eine Einmalzahlung von 100 Euro und einen kostenlosen Rücktransport angeboten. Die Arbeiter lehnten ab. „Wir wollen unser Geld und wir bleiben, bis wir es bekommen haben“, sagte ein junger Zimmermann.

Die meisten der fünfzig Arbeiter sind nach eigenen Angaben seit Anfang Februar 2014 in Frankfurt. Arbeitspapiere hätten sie erst in Deutschland unterzeichnet. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass die nun im Büro des Subunternehmens in Rumänien ohne eine Möglichkeit der Einsicht lägen, sagte einer der Arbeiter.

Kein Einzelfall

In Rumänien seien sie von K&T angeworben worden, sagen die Männer. Teilweise sind die Männer einer ganzen Familie vor Ort. Ein 20-Jähriger ist von Vater und Onkel mitgenommen worden. Sie seien hier angekommen und hätten gute Arbeit geleistet, so die Männer. Das eigene Unternehmen habe sie aufgefordert, auf die Löhne zu warten.

Für Mihai Balan vom Büro Faire Mobilität, das vom DGB zur Verbesserung von Wanderarbeitern eingerichtet wurde, ist dieser Fall nichts Neues. „Etwa 5000 Menschen haben wir im letzten Jahr beraten. Das ist ein systematisches Problem im Baugewerbe“, sagte er.
Um ihre Solidarität zu zeigen, wollen die Gewerkschaften eine vorläufige Versorgung der Bauarbeiter in Abstimmung mit kirchlichen Einrichtungen übernehmen.

DGB-Regionsvorsitzender Harald Fiedler nahm die Politik in Verantwortung. „Wir müssen nicht nach Sotschi oder Katar schauen, wenn es um die Ausnutzung ausländischer Arbeiter geht. Wir brauchen ein vernünftiges Vergabegesetz für öffentliche Bauprojekte. Und wir brauchen eine Zollbehörde mit genügend Beamten, die diese Vorgaben kontrollieren können. Der Koalitionsvertrag der hessischen Landesregierung geht überhaupt nicht auf die Problematik ein“, sagte er.

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